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Wärmepumpen im Visier von Falschinfos: funktionieren sie bei Kälte und in Altbauten?

Eine Wärmepumpe steht vor einem Wohnhaus.
Eine Wärmepumpe steht vor einem Wohnhaus. Copyright  Octopus Energy
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Juristen sehen mögliche Kartellverstöße: Gaskonzerne sollen den Markt für Wärmepumpen gezielt ausgebremst und so den Umstieg auf saubere Heizungen behindert haben.

Gaskonzerne sollen den Einbau von Wärmepumpen ausbremsen – obwohl der Iran-Krieg erneut zeigt, wie volatil die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist.

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Juristinnen und Juristen der Umweltschutzorganisation ClientEarth warnen, dass bis zu zehn Unternehmen den Markt für die Beheizung britischer Wohnhäuser geschädigt haben könnten. Sie sollen Verbraucherinnen und Verbraucher potenziell in dem Glauben gelassen haben, dass Wärmepumpen für sie keine praktikable Option sind.

Die Organisation vermutet, dass große Gasanbieter gemeinsam Falschinformationen über Wärmepumpen verbreitet und zugleich Wasserstoff als angeblich grünes Heizsystem der Zukunft dargestellt haben.

In Polen spricht das Ministerium für Klima und Umwelt ebenfalls von einer „Welle der Desinformation“ rund um Wärmepumpen-Technologie. Sie bremst die Modernisierung des nationalen Heizsystems.

Viele Menschen lassen sich davon offenbar nicht täuschen: Nach Angaben des Energieunternehmens Octopus Energy stiegen die Verkäufe von Wärmepumpen im Vereinigten Königreich in den ersten drei Wochen im März im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vormonats um mehr als fünfzig Prozent.

Wärmepumpen gezielt schlechtgeredet

ClientEarth-Anwältin Catherine Derenne lobt Wärmepumpen für ihre gute Klimabilanz und dafür, dass sie Energiekosten senken können.

„Ob mit Desinformation, potenziell irreführender Werbung oder möglicher Preisabsprachen – die Gasbranche scheint große Anstrengungen zu unternehmen, um ein rosiges Bild ihrer Gasprodukte zu zeichnen und Wärmepumpen zugleich schlecht aussehen zu lassen“, sagt Derenne.

„Damit hängt das Vereinigte Königreich bei der Verbreitung von Wärmepumpen weit hinter anderen Ländern zurück – und die Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen den Preis.“

Jess Ralston von der Denkfabrik Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU) (Quelle auf Englisch) erinnert daran, dass die starke Abhängigkeit von Gasheizungen dazu beigetragen hat, dass die letzte Energiekrise das Land besonders hart getroffen hat, als Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine auf das ganze Land ausweitete.

„Wer den Umstieg auf Wärmepumpen verzögern will, die künftig zunehmend mit britischem Wind- und Solarstrom laufen, nimmt in Kauf, dass Menschen weiter den unberechenbaren Gaspreisen auf den internationalen Märkten ausgeliefert bleiben“, sagt sie.

Wie funktionieren Wärmepumpen?

Je nach Typ nutzen Wärmepumpen Energie aus der Luft, aus Wasser oder aus dem Boden und machen daraus Heizwärme oder kühle Luft.

Sie arbeiten ähnlich wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt: Ein flüssiges Kältemittel wird durch Verdichtung zu heißem Gas.

Dieses heiße Gas gibt seine Wärme an das Heizungssystem ab und erwärmt so das Haus. Danach kühlt es wieder ab, wird wieder flüssig und der Kreislauf beginnt von vorn.

Funktionieren Wärmepumpen in kalten Ländern?

Ein weit verbreiteter Irrtum lautet, Wärmepumpen funktionierten in kalten Ländern nicht.

Doch einige der kältesten Länder Europas verzeichnen die höchsten Installationszahlen. Nach Angaben der Europäischen Kommission haben Norwegen, Finnland, Schweden und Estland die meisten Wärmepumpen pro Kopf in Europa.

In Ländern, in denen die Wintertemperaturen selten unter minus zehn Grad fallen – also in weiten Teilen Europas – funktionieren Wärmepumpen problemlos. Selbst bei minus 30 Grad können sie noch effizienter arbeiten als reine Direktheizungen mit Strom.

Denn auch bei Frost steckt in der Außenluft und im Wasser noch nutzbare Energie.

Finnland, bekannt für sein raues Klima, liegt europaweit vorn: Dort kommen 524 Wärmepumpen auf tausend Haushalte.

Eignen sich Wärmepumpen für Altbauten?

Die Vorstellung, Wärmepumpen seien nur in Neubauten sinnvoll, gilt als eines der größten Hindernisse für ihre Verbreitung – besonders in Ländern wie dem Vereinigten Königreich.

Frühere Studien warnten, die Technik sei wegen schlechter Dämmung und wenig Platz in mehr als der Hälfte, konkret 54 Prozent, der britischen Haushalte kaum praktikabel.

Die Fraunhofer-Gesellschaft, Europas größte anwendungsorientierte Forschungsorganisation, kommt jedoch zu dem Schluss, dass Wärmepumpen selbst in mehr als hundert Jahre alten Gebäuden Gasheizungen übertreffen.

In einer Studie aus dem Jahr 2019 (Quelle auf Englisch) analysierten Forschende Häuser im Alter zwischen fünfzehn und 150 Jahren, die teilweise oder vollständig energetisch saniert worden waren und eine Wärmepumpe erhalten hatten.

Sie stellten fest, dass Luft-Wasser-Wärmepumpen eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl von drei Komma eins erreichten – sie arbeiten also mehr als dreimal so effizient wie eine Gasheizung.

Sind Wärmepumpen laut?

Boulevardmedien behaupten gern, Wärmepumpen seien extrem laut und ihr dauerhaftes Brummen führe schnell zu Streit mit der Nachbarschaft.

Tatsächlich liegen typische Geräuschpegel eingeschalteter Wärmepumpen zwischen 40 und 60 Dezibel. Eine Gruppe von Akustikexpertinnen und -experten untersuchte 2023 die Geräusche von Wärmepumpen und kam zu dem Ergebnis: Sie sind in etwa so laut wie ein Kühlschrank.

In Kälteperioden kann das Gerät etwas lauter werden, weil es stärker arbeiten muss. Fachleute betonen jedoch, man könne sich noch „ganz normal unterhalten, wenn man direkt daneben steht“.

Wenn eine Wärmepumpe deutlich lauter ist als erwartet, deutet das häufig darauf hin, dass sie nicht korrekt ausgerichtet ist oder einen Wartungsservice braucht.

Senken Wärmepumpen die Energiekosten?

Das wichtigste Argument für Wärmepumpen ist ihr Potenzial, die Energiekosten eines Haushalts deutlich zu senken – ein Versprechen, das immer wieder hinterfragt wird.

Die britische Regierung geht davon aus, dass Haushalte mit einem intelligenten Stromtarif im Jahr rund hundert Pfund (etwa 115,20 Euro) sparen können, weil Wärmepumpen ungefähr dreimal so effizient arbeiten wie herkömmliche Heizkessel. Steigende Gaspreise dürften diese Ersparnis weiter erhöhen.

Die tatsächliche Einsparung hängt jedoch von der durchschnittlichen Außentemperatur, der Größe der Heizkörper und der Art der eingebauten Wärmepumpe ab.

Als größtes Hindernis gelten die hohen Anschaffungskosten. In der EU liegen die Preise für eine Wärmepumpe im Schnitt zwischen 8.000 und 18.000 Euro, der Einbau kostet zusätzlich etwa 3.000 bis 20.000 Euro.

Deshalb sehen viele Eigentümerinnen und Eigentümer zunächst nur begrenzte Einsparungen. Das hat Regierungen dazu veranlasst, Förderprogramme aufzulegen und die Anfangsinvestition zu senken.

In England und Wales stellt die Regierung derzeit einen Zuschuss von 7.500 Pfund (rund 8.638,76 Euro) für die Installation bereit. Das "Boiler Upgrade Scheme" richtet sich an Eigentümerinnen und Eigentümer und setzt einen gültigen Energieausweis (Energy Performance Certificate, EPC) voraus.

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