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Restaurant in München angegriffen – Polizei prüft antisemitisches Motiv

Mutmaßlicher antisemitischer Angriff in München
Mutmaßlicher antisemitischer Angriff in München Copyright  (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am
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Ein mutmaßlich antisemitischer Angriff trifft ein israelisches Restaurant in München. Hinweise auf die Täter gibt es bislang nicht.

In der Nacht zum Freitag ist in München ein israelisches Restaurant angegriffen worden. Die örtliche Polizei geht von einem antisemitischen Motiv aus.

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Laut Zeugen waren gegen 0.45 Uhr drei Knallgeräusche zu hören. Nach Angaben der Polizei haben Unbekannte offenbar Pyrotechnik in den Gastraum des Lokals "Eclipse" geworfen. Um welche Art von Sprengsatz es sich handelte, wird derzeit kriminaltechnisch untersucht.

Bei dem mutmaßlichen Brandanschlag entstand ein Sachschaden von mehreren Tausend Euro. Verletzt wurde niemand. Die Schaufensterscheiben des zu diesem Zeitpunkt nicht besetzten Lokals wiesen an zwei Stellen große Löcher auf, eine weitere Scheibe wurde beschädigt.

Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Eine unmittelbar eingeleitete Fahndung nach möglichen Tatverdächtigen blieb ohne Ergebnis.

Inzwischen hat der Staatsschutz der Münchner Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen. Beteiligt ist unter anderem Andreas Franck, zentraler Antisemitismusbeauftragter der bayerischen Justiz.

Betreiber will sich nicht einschüchtern lassen

Nach Angaben des Restaurants hatte es im Vorfeld keine konkreten Drohungen gegeben. Dennoch vermutet der Betreiber, Grigori Dratva, einen politischen Hintergrund: "Wir wollen nichts unterstellen, aber wir sind ein sichtbares israelisches Lokal – daher liegt diese Vermutung nahe", sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Trotz des Angriffs will das Restaurant den Betrieb fortsetzen. Bereits am Abend soll wieder geöffnet werden. Die beschädigten Scheiben wurden provisorisch gesichert und sollen später ersetzt werden.

"Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir machen auf", so Dratva.

Die Fensterscheibe des israelischen Restaurants "Eclipse" in München ist an drei Stellen beschädigt worden
Die Fensterscheibe des israelischen Restaurants "Eclipse" in München ist an drei Stellen beschädigt worden (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Das Restaurant erfährt derweil auch Solidarität aus der Bevölkerung. Für 17 Uhr wurde eine Solidaritätskundgebung in der Nähe des Lokals angekündigt, an der sich zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen beteiligen wollen.

Auch politisch löste der Angriff Reaktionen aus. Die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, Talya Lador-Fresher, schrieb auf Instagram: "Die beste und vernünftigste Antwort auf diesen Anschlag ist, das Restaurant zu besuchen und dort zu essen."

Der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, wertete die Tat als Angriff auf den interkulturellen Dialog: "Man kann die israelische Regierung kritisieren, aber nicht solche Einrichtungen attackieren."

Antisemitische Straftaten in Deutschland auf dem Höchststand

Antisemitische Straftaten in Deutschland haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. 2024 wurde ein neuer Höchststand erreicht: Insgesamt registrierten die Behörden 6.236 Fälle, darunter 173 Gewalttaten, wie der Mediendienst Integration berichtet.

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden lässt sich etwa die Hälfte der Taten dem rechtsextremen Spektrum zuordnen. Rund 31 Prozent werden einer "ausländischen Ideologie" zugeschrieben.

Bereits von 2022 auf 2023 hatte sich die Zahl der Delikte im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt nahezu verdoppelt.

Im Zusammenhang mit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet wurden, sowie der anschließenden israelischen Militäroffensive im Gazastreifen, bei der nach unterschiedlichen Angaben mehr als 100.000 Menschen getötet wurden, registrierte das Bundeskriminalamt (BKA) bis Ende September 2025 insgesamt 15.900 politisch motivierte Straftaten.

Rund 6.400 davon stuft die Behörde als antisemitisch motiviert ein. In den Jahren 2023 und 2024 wurden die meisten dieser Taten einer "ausländischen" oder "religiösen Ideologie" zugeordnet.

Das Spektrum antisemitischer Straftaten reicht dabei von Volksverhetzung (§130 StGB) über Sachbeschädigung und Beleidigung bis hin zu körperlichen Angriffen Juden. Zunehmend registriert die Polizei auch Fälle des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (§86a StGB).

Dazu zählt in bestimmten Fällen auch die Parole "From the river to the sea". Ob sie strafbar ist, wird von Gerichten unterschiedlich bewertet. Zivilgesellschaftliche Organisationen berichten zudem von einer steigenden Zahl von Angriffen auf Gedenkstätten und Erinnerungsorte.

Kritik an offizieller Statistik

Die polizeiliche Erfassung steht seit Jahren in der Kritik. Fachleute gehen davon aus, dass viele Vorfälle nicht angezeigt werden. Eine Studie der Universität Bielefeld zeigt: Nur etwa ein Viertel der Betroffenen meldet antisemitische Vorfälle. Als Gründe nennen Betroffene fehlendes Vertrauen in Behörden oder Zweifel an der Wirksamkeit von Anzeigen.

Unabhängige Stellen kommen deshalb teils zu deutlich höheren Zahlen.

So dokumentierte die Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) 2024 bundesweit 8.627 antisemitische Vorfälle – ein Anstieg um rund 77 Prozent gegenüber 2023 (4.886 Fälle). Grundlage sind Meldungen an den Bundesverband und seine Landesstellen. Doch auch hier steht die Methodik steht teilweise in der Kritik, da der Begriff des israelbezogenen Antisemitismus aus Sicht mancher Beobachter zu weit gefasst ist.

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