Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Temperatur-Achterbahn in Europa: Zweitwärmster März seit Beginn der Aufzeichnungen

Ein Paar spaziert bei Sonnenuntergang am Salzsee nahe der südostzyprischen Küstenstadt Larnaka, aufgenommen am fünften September zweitausendzweiundzwanzig.
Ein Paar spaziert bei Sonnenuntergang am Salzsee nahe der südöstlichen Küstenstadt Larnaka auf Zypern, am fünften September 2022. Copyright  Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
Copyright Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Wetterschock in Europa: zweitwärmster März nach extrem nassem Februar seit Beginn der Aufzeichnungen.

Zunächst hat es einen „außergewöhnlich nassen“ Februar mit Überschwemmungen rund ums Mittelmeer gegeben. Nun verzeichnet Europa den zweitwärmsten März seit Beginn der Aufzeichnungen.

WERBUNG
WERBUNG

Neue Daten des Copernicus-Klimawandeldienstes (C3S) der EU, umgesetzt vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF), zeigen: Weltweit war der März 2026 der viertwärmste seit Beginn der Messungen – mit einer bodennahen Lufttemperatur von im Mittel 1,48 Grad über dem vorindustriellen Niveau.

C3S bestätigt außerdem, dass die globale Meeresoberflächentemperatur im März den zweithöchsten bislang gemessenen Wert erreichte. Das deutet auf einen wahrscheinlichen Übergang zu El‑Niño-Bedingungen hin.

Wo Europa sich am stärksten erwärmt

Über dem europäischen Festland lag die Durchschnittstemperatur im März 2026 bei 5,88 Grad. Das sind 2,27 Grad mehr als im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 für den März. Den Rekordwert aus dem Vorjahr übertraf sie damit jedoch nicht.

Fast ganz Europa verzeichnete überdurchschnittliche Temperaturen. Am deutlichsten fiel die Erwärmung in Nordwestrussland, Nordfennoskandien und den baltischen Staaten aus.

„Etwas kühlere Bedingungen als im Durchschnitt gab es dagegen über der Türkei, in Südeuropa und in weiten Teilen Islands“, stellt C3S fest.

In großen Teilen des europäischen Festlands war es zudem trockener als üblich. Island, der Norden des Vereinigten Königreichs, weite Teile Skandinaviens, viele Regionen im Mittelmeerraum sowie der Kaukasus verzeichneten hingegen überdurchschnittlich viel Niederschlag. Starkregen, häufig im Zusammenhang mit durchziehenden Stürmen, löste in mehreren Ländern Überschwemmungen aus.

Außerhalb Europas wurden in großen Teilen der USA überdurchschnittliche Temperaturen gemessen. Im Westen des Landes hielt eine lang anhaltende Hitzewelle an. Auch weite Gebiete der Arktis, Nordostrussland und Teile der Antarktis lagen über dem Temperaturmittel.

Ungewöhnlich kalt war es hingegen in Alaska, in weiten Teilen Kanadas sowie im Süden Grönlands und im nordwestlichen Sibirien.

Nach Angaben von C3S betrug die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur (SST) im März 2026 20,97 Grad. Das ist der zweithöchste je gemessene März-Wert. Den Rekord hält weiterhin der März 2024 während des letzten El‑Niño-Ereignisses.

Fachleute rechnen nun damit, dass sich in der zweiten Jahreshälfte erneut ein El Niño aus neutralen Bedingungen heraus entwickelt. Einige Meteorologinnen und Meteorologen gehen davon aus, dass ein typisches El‑Niño-Ereignis die globale Durchschnittstemperatur vorübergehend um etwa 0,1 bis 0,2 Grad anhebt.

„Die tägliche SST ist im März stetig gestiegen und nähert sich den Rekordwerten aus dem Jahr 2024“, heißt es bei C3S.

Klimasystem unter Druck

„Jeder dieser Werte für sich genommen ist schon eindrucksvoll. Zusammengenommen zeichnen sie das Bild eines Klimasystems, das dauerhaft und immer stärker unter Druck steht“, sagt Carlo Buontempo, Direktor des C3S beim ECMWF.

„Zuverlässige Daten, die fortlaufend aus Milliarden von Messungen durch Satelliten, Schiffe, Flugzeuge und Wetterstationen gewonnen werden, sind kein wissenschaftlicher Luxus mehr. Sie bilden die unverzichtbare Grundlage für jede ernsthafte Anpassung an den Klimawandel und für politische Gegenmaßnahmen.“

Abkehr von klimaschädlichen fossilen Energien

Die C3S-Daten nähren erneut die Forderung nach einem Ausstieg aus fossilen Energieträgern, der Hauptursache der globalen Erwärmung.

Nach UN-Angaben entfallen rund 68 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen und fast 90 Prozent aller Kohlendioxidemissionen auf Kohle, Öl und Gas. Diese Gase legen sich wie eine Decke um die Erde und halten die Wärmestrahlung der Sonne fest. Dadurch steigt die bodennahe Lufttemperatur.

„Mitten in einer fossilen Energiekrise erinnert uns das auch daran, dass die Lösungen für die Klimakrise und die Wege aus der Abhängigkeit von volatilen fossilen Brennstoffen zusammenfallen“, sagt Gareth Redmond-King von der Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU).

„Die einzige Lösung für den Klimawandel besteht darin, die Emissionen auf netto null zu senken. Die Instrumente dafür sind dieselben erneuerbaren Technologien, die unser Energiesystem auf kostenlose, reichlich vorhandene Wind- und Solarenergie umstellen und uns zugleich von teuren Öl- und Gasimporten aus dem Nahen Osten wegführen.“

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Europas größtes Wildtier ist zurück - mit Folgen für Klima und Artenvielfalt

Mehr als 100 Millionen Euro täglich: Solarenergie spart Europa Milliarden in der Krise

Italiens verletzliche Küsten: Regierung verstärkt Schutz gegen zunehmende Erosion