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Wal Timmy: Können Wal-Gesänge ihn noch retten? Biologin bereitet Obduktion vor

Der Buckelwal liegt jetzt schon seit zwei Wochen in der Wismarer Bucht
Der Buckelwal liegt jetzt schon seit zwei Wochen in der Wismarer Bucht Copyright  © Daniel Müller / Greenpeace
Copyright © Daniel Müller / Greenpeace
Von Kirsten Ripper & Euronews
Zuerst veröffentlicht am
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Schon seit Tagen gehen Meeresbiologen davon aus, dass es keine Rettung mehr für den in der Wismarer Bucht gestrandeten Buckelwal Timmy gibt. Der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern spricht jetzt von einem "minimalinvasiven Versuch, den Wal zu mobilisieren".

"Es bringt nichts, ein Tier, das zu schwach ist, um selber zu schwimmen, rauszutragen ins tiefere Wasser. Das ist so, als wenn man einen Vogel, der gegen die Scheibe geknallt ist, in die Luft wirft und hofft, dass er wieder fliegt. Dann stirbt der Vogel woanders, nur nicht vor meiner Haustür. Das ist Quälerei für dieses Tier." Das sagt Lisa Klemens vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund im Interview mit der SZ.

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Auch ihre Kollegin, die Meeresbiologin Anja Gallus, sieht den Umgang mit dem Buckelwal, den die Menschen und die Medien liebevoll "Timmy" nennen kritisch. Für die Forscherinnen hat er keinen Namen: "Der Wal ist ein Wildtier, kein Haustier, zu dem man eine liebevolle Beziehung aufbaut. Das bedeutet nicht, dass wir keine Gefühle für dieses Tier haben. Wir versuchen, ihm bestmöglich zu helfen. Dafür sind wir in die Wissenschaft gegangen."

Allerdings ertappt sich Lisa Klemens, die sich auf die Obduktion des geschwächten Tiers vorbereitet und dafür im Internet beschimpft und bedroht wird, selbst dabei, dass sie den Wal "Timmy" nennt.

Welche Geräusche sollen Wal Timmy mobilisieren?

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus geht davon aus, dass es keine realistische Hoffnung mehr gibt, den Buckelwal zu retten.

Zuletzt in der Nacht auf Samstag hatte Timmy aber besondere Geräusche von sich gegeben. Wie der NDR berichtet, wird jetzt mit dem Wissenschaftsteam geprüft, ob es Sinn macht, dem Wal Aufnahmen seiner eigenen Gesänge unter Wasser vorzuspielen. Laut dem Minister geht es um einen "minimalinvasiven Versuch, den Wal zu mobilisieren".

Meeresbiologen in einem Boot neben Wal Timmy in der Wismarer Bucht
Meeresbiologen in einem Boot neben Wal Timmy in der Wismarer Bucht © Florian Manz / Greenpeace

Meeresbiologin Klemens spricht von einem "Brummen" des Wals. Sie habe sich "fast ausgeschimpft gefühlt", als das Tier Ende März brummte, weil die Expertinnen mit einem Boot nah an ihn herangefahren waren.

Gegen das Kreuzfeuer der Kritik hat das Umweltministerium in Schwerin inzwischen das Gutachten zu der Begutachtung des gestrandeten Buckelwals vor der Insel Poel im Internet veröffentlicht. Doch die Forscherinnen vom Deutschen Meeresmuseum weisen darauf hin, wie haltlos die Beschuldigungen oft sind, wenn Menschen - "in der einen Hand ein Megafon, in der anderen ein Fischbrötchen" - protestieren.

Wie lange wird es dauern, bis Timmy stirbt?

Wie lange es dauern wird, bis der gestrandete Buckewal stirbt, kann niemand sagen. Meeresbiologin Gallus erklärt: "Es klingt hart, aber wir müssen womöglich warten, bis der Wal verhungert ist, und das kann dauern. Wale fressen ein halbes Jahr nicht. Zwar kommt er gerade aus einer Region, wo er wenig gefressen hat, ist aber nicht vollständig abgemagert." Die Forscherinnen gestehen ein, dass das grausam erscheinen mag.

In den vergangenen Wochen hat sich Timmy immer wieder anders verhalten, als ein Buckelwal das normalerweise tun würde, nämlich ins freie Meer hinauszuschwimmen. Das offenbar verletzte Tier ist immer wieder ins flache Wasser nahe der Küste zurückgekommen.

Die Gefahr durch Stellnetze in der Ostsee

Die Meeresbiologinnen aus Stralsund gehen davon aus, dass Timmy in ein Stellnetz geraten ist, in denen oft auch in der Ostsee heimische Schweinswale qualvoll umkommen.

Umweltschutz-Organisationen wie Greenpeace kritisieren die bis zu 15 Meter hohen und bis zu 15 Kilometer langen Netzwände aus Nylonschnüren wegen der enormen Mengen an sogenanntem Beifang: Enten, Sterntaucher, aber auch Meeressäuger, die die dünnen Netze nicht orten können, sich darin verfangen und darin sterben.

Lisa Klemens erklärt, dass sich viele zwar für das Schicksal von Timmy interessieren und auf ein Happy End hoffen, dass viele wichtige Probleme aber unbeachtet bleiben: "Stellnetze sind eine große Gefahr, die Tiere sterben darin einen grausamen, menschengemachten Tod. Aber dafür interessiert sich niemand, da bekommen wir nicht so eine große Aufmerksamkeit."

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