Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Wal Timmy schwere Qualen ersparen? Wie es um den Rettungsversuch aus der Ostsee per Katamaran steht

Kann der gestrandete Buckelwal in der Ostsee doch noch gerettet werden?
Kann der gestrandete Buckelwal in der Ostsee doch noch gerettet werden? Copyright  © Florian Manz / GREENPEACE
Copyright © Florian Manz / GREENPEACE
Von Kirsten Ripper & Euronews
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Am Ostersonntag hatte der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern neue Hoffnungen geweckt, indem er eine Lebendrettung von Buckelwal Timmy aus der Ostsee mit einem Katamaran ins Gespräch brachte. Doch inzwischen rudert Till Backhaus zurück.

Um die Schmerzen von Buckelwal Timmy, der vor der Insel Poel in der Ostsee gestrandet ist, zu lindern, wird das Tier durch einen Sprinkler mit Wasser bespritzt. Dadurch sei es gelungen, die Körpertemperatur des Wals zu senken, verkündete Mecklenburg Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus in einem Anflug von Optimismus am Ostersonntag. Und er brachte einen neuen Rettungsversuch ins Gespräch: das Tier sollte mit Gurten per Kran auf einen Katamaran gehievt werden. Aber diese Idee wurde an diesem Ostermontag wieder verworfen. Offenbar leidet Timmy auch an weiteren Verletzungen.

WERBUNG
WERBUNG

Inzwischen teilte das Umweltministerium mit, dass "das Tier beim Versuch, es lebend zu retten, schweren Qualen ausgesetzt würde. Dass es solch einen Versuch überleben würde, ist nach Ansicht aller Experten, die wir dazu befragt haben, unwahrscheinlich."

"Wir wissen, dass das wenig salzhaltige Wasser dem Tier bereits schwer geschadet hat. Wir brauchen aber verlässliche Daten", hatte Umweltminister Till Backhaus am Ostersonntag mitgeteilt. Deshalb sollte bis Dienstag das Ergebnis weiterer Untersuchungen der Wasserqualität, aber auch eine "Expertise aus biologischer und veterinärmedizinischer Sicht" vorliegen. Es soll damit auch geprüft werden, ob von dem sterbenden Tier Gefahren für die Umwelt oder die öffentliche Gesundheit ausgehen, so das Ministerium.

Wurde Timmy durch eine Schiffschraube verletzt?

Im niedrigen Wasser vor Weitendorf-Hof auf der Insel Poel in der Ostsee sind weitere Verletzungen des Wals zu erkennen gewesen, die vorher nicht ersichtlich waren, sagte Minister Backhaus laut NDR. Diese könnten offenbar von einer Schiffsschraube stammen. Außerdem gebe es Abdrücke, die vermutlich von einem Netz kommen.

Der Wal ist offenbar auch schon bis zu 50 cm in den Sand eingesunken. Daran dass er sich aus eigener Kraft freischwimmen kann, glaubt offenbar niemand mehr.

Greenpeace und mehrere Meeresbiologen hatten schon vor Tagen dafür plädiert, das Tier in Ruhe sterben zu lassen. "Alle weiteren Rettungsversuche würden dem Tier schaden und zusätzliches Leid auslösen. Wir können leider nichts mehr für ihn tun", schreibt Greenpeace.

Wenn Buckelwal Timmy verstirbt, soll das Tier zur Insel Dänholm gebracht und dort obduziert werden, teilte das Deutsche Meeresmuseum mit.

Sind Buckelwale bedroht?

Weltweit gibt es laut WWF mindestens 140.000 Buckelwale, vermutlich sogar mehr. 20.000 von ihnen leben im Nordpazifik. In den vergangenen Jahren hat sich ihr Bestand ein wenig erholt. Dennoch gelten die Meeressäuger als bedroht: Zusammenstöße mit Schiffen, die Verschmutzung der Meere, die Klimakrise, industrieller Lärm sowie Fischernetze gelten als die größten Gefahren für Buckewale - wie auch das Beispiel des in der Ostsee gestrandeten Timmy zeigt.

Seltsame Solidarität?

Konzertveranstalter Klaus Leutgeb, der im vergangenen Jahr Schlagzeilen machte, weil er beim Oktoberfest mit Kokain erwischt wurde, hat 30.000 Euro zur Rettung von Wal Timmy angeboten. "Die Erfolgsaussichten sind mir dabei egal. Ich möchte einfach nur, dass Timmy geholfen wird. Ich kann nicht länger dem Wal beim Leiden zusehen, ich muss helfen", sagte Leutgeb zu BILD.

Um das besondere Interesse vieler für den gestrandeten Buckelwal zu erklären, verweist die Zeit auf die besondere Beziehung zwischen Mensch und Wal. So sind Walgesänge seit den 70er Jahren auch als meditative Musik beliebt und Filme wie "Free Willy" haben die Meeressäuger populärer gemacht.

Laut Greenpeace-Meeresexpertin Daniela von Schaper gilt es aber auch, den Blick auf die Ostsee zu richten: "Noch immer haben Meeressäugetiere zu wenig Rückzugsräume und ihre Nahrung wird aufgrund der Überfischung immer knapper. Besonders die Ostsee ist in einem schlechten ökologischen Zustand und wurde dem Wal in den letzten Wochen bereits aufgrund von Fischernetzen, die sich um seinen Körper geschlungen haben, zum Verhängnis."

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Er bewegt sich: Kann Buckelwal Timmy doch noch aus der Ostsee gerettet werden?

Ostsee: Rätsel um gestrandeten Wal - bewegungslos in zwei Metern Tiefe

Schwindende Hoffnung: Retter wollen gestrandeten Buckelwal an der deutschen Ostsee befreien