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Spanische „Feuerwehr-Esel“ schützen Doñana seit zehn Jahren vor Bränden

Ein Esel posiert in Spanien für die Kamera.
Ein Esel posiert in Spanien für die Kamera. Copyright  AP Photo
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Von Cristian Caraballo
Zuerst veröffentlicht am
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In Doñana, Galicien und Katalonien setzen Projekte wieder Esel ein, die Unterholz fressen, natürliche Brandschneisen schaffen und so Tausende Hektar vor immer heftigeren Waldbränden schützen.

Jeden Sommer verwüsten Waldbrände in Spanien Tausende Hektar Land. Steigende Temperaturen, anhaltende Dürre und die Entvölkerung ländlicher Gebiete mit weniger Menschen und Vieh haben zu einer dichten Schicht aus trockenem Bewuchs geführt. Weite Flächen werden so zu Brennstoff, der nur auf den nächsten Funken wartet.

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Vor diesem Hintergrund setzen einige Regionen auf eine ebenso alte wie überraschend moderne Antwort: Sie holen den Einsatz von Eseln als präventives Mittel gegen Waldbrände zurück. Die Tiere begleiten den Menschen seit mehr als 7.000 Jahren. Nun kehren sie in Berge und Wälder zurück, um Unterholz auf natürliche und kontinuierliche Weise kurz zu halten.

Die Lage spitzt sich zu. Im August 2025 waren in verschiedenen Regionen Spaniens fast eine Million Hektar abgebrannt – die schlimmste Bilanz seit drei Jahrzehnten. Das Ausmaß der Krise veranlasste die Behörden, mehrere Gebiete zu Katastrophenzonen zu erklären: unter anderem in Kastilien und León, Galicien, Asturien, Extremadura, Madrid und Andalusien. Dem steht die leise Arbeit der Esel gegenüber. Sie bieten eine langsame, aber wirksame Strategie: Sie fressen Tag für Tag die Vegetation, die die Brände nährt.

Einer der Brände, die im vergangenen Sommer Rebordondo nahe Ourense (Galicien) verwüsteten.
Einer der Brände, die im vergangenen Sommer Rebordondo nahe Ourense (Galicien) verwüsteten. AP Photo

Ursprung der „Feuerwehr-Esel“

Seit 2014 streifen 18 Esel des Vereins El Burrito Feliz durch die Umgebung des Nationalparks Doñana. Die einst ausgesetzten Tiere haben sich nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Luis Manuel Bejarano zu „pflanzenfressenden Feuerwehrleuten“ entwickelt.

Mortadelo, Magallanes, Leonor und Ainoa gehören zu dieser ungewöhnlichen Truppe. Von März bis November arbeiten sie bis zu sieben Stunden am Tag und beweiden Streifen von rund 40 mal 15 Metern. So entfernen sie täglich trockenes Gestrüpp und senken das Brandrisiko in ihren Einsatzflächen.

Die Strategie zeigt Wirkung: Im Gebiet von Doñana hat es seit neun Jahren keinen Waldbrand mehr gegeben. Das Projekt weckte sogar das Interesse der Militärischen Notfalleinheit. Deren Soldaten besuchten den Park und „adoptierten“ symbolisch einen der Esel.

Unterstützt werden die Esel von Freiwilligen der Gruppe Mujeres por Doñana. Sie bringen Wasser und überwachen die Herden in Bereichen, die Fahrzeuge kaum erreichen.

Fachleute betonen, dass Esel für diese Aufgabe besondere Vorteile mitbringen. Im Unterschied zu Rindern oder Schafen kommen sie mit deutlich härterer und trockenerer Vegetation zurecht. Sie fressen kontinuierlich das Buschwerk ab, das Feuer sonst wie ein Zunderteppich vorantreibt.

Die Ökologieprofessorin Rosa María Canals von der Öffentlichen Universität Navarra hebt hervor, dass Eselsweiden die Pflanzenmasse reduziert und Brände in Landschaften eindämmen hilft, die immer dichter und trockener werden.

Über Jahrzehnte ließ die Mechanisierung der Landwirtschaft die Zahl der Esel schrumpfen. Ihr Verschwinden in Verbindung mit der Landflucht und dem Ende traditioneller Weidewirtschaft hat dazu beigetragen, dass sich in den Bergen immer mehr natürlicher Brennstoff ansammelt.

Ein weiterer spanischer Esel, der für die Kamera posiert.
Ein weiterer spanischer Esel, der für die Kamera posiert. AP Photo

Von Doñana nach Katalonien und Galicien

Das Modell hat sich inzwischen in andere Regionen ausgeweitet. In Tivissa (Provinz Tarragona) startete 2020 das Projekt „Burros Bomberos“ mit drei Tieren. Inzwischen halten rund 40 Esel dort etwa 400 Hektar frei von dichtem Bewuchs. Seit ihrem Einsatz, berichten die Initiatoren, habe es in dem Gebiet keinen Brand mehr gegeben.

In Allariz (Provinz Ourense) setzt der Verein Andrea Esel ein, um rund 1.000 Hektar in einem Biosphärenreservat zu pflegen. Die Tiere tragen GPS-Sender und legen pro Tag bis zu 19 Kilometer zurück, während sie sich durch das Buschwerk fressen. Ähnliche Initiativen entstanden auch in Katalonien, Galicien und im Baskenland. Sie verbinden Naturschutz, Wiederbelebung des ländlichen Raums und vorbeugenden Brandschutz.

Die Initiatoren dieser Projekte betonen allerdings, dass Esel allein die Waldbrandgefahr nicht lösen. Entscheidend bleiben eine vorausschauende Forstplanung, ein aktives Flächenmanagement und der Rückgang stark brennbarer Baumarten wie Kiefern oder Eukalyptus.

Trotzdem zeigt die Rückkehr der Tiere ein wirksames und nachhaltiges Werkzeug. In einer Zeit immer heftigerer Feuer könnte ein Teil der Antwort darin liegen, paradoxerweise alte Praktiken wieder aufzugreifen, um die Landschaften von morgen zu schützen.

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