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Energiekrise: EU-Klimakommissar fordert radikaleren Kurs und erklärt den Weg

EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra im Gespräch mit Stefan Grobe
EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra im Gespräch mit Stefan Grobe Copyright  Euronews
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Von Stefan Grobe & Lauren Walker
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Energiekrisen durch Kriege im Iran und in der Ukraine: Laut EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra führt nur heimische Energie heraus. „Das schulden wir unseren Bürgerinnen und Unternehmen“, sagte er Euronews.

Angesichts der sich verschärfenden Energiekrisen fordert EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra, den Umstieg auf alternative Energiequellen in der Europäischen Union deutlich zu beschleunigen.

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„Das bedeutet mehr Elektrifizierung, mehr erneuerbare Energien, mehr Wärmepumpen, mehr Verbindungsleitungen zwischen unseren Mitgliedstaaten, mehr Kernenergie“, sagte Hoekstra in der Euronews-Interviewsendung The Europe Conversation. „Wir brauchen den gesamten Mix.“

Seit den Ölkrisen in den siebziger Jahren zeige sich, wie verwundbar Europa sei, weil der Kontinent nur über wenige eigene Energiequellen verfüge, so Hoekstra.

„Die Lehre ist auch: Nach jeder früheren Krise hätten wir eigentlich radikaler vorgehen müssen, mutiger nach vorn. Und genau das müssen wir jetzt tun“, sagte der Kommissar.

„Wir sind tatsächlich vom Wohlwollen anderer abhängig. Der Ausstieg aus russischem Gas war natürlich richtig. Aber wir haben das nur teilweise durch mehr erneuerbare Energien ersetzt und zugleich neue Abhängigkeiten von amerikanischem LNG, katarischem LNG und Flüssiggas aus anderen Ländern geschaffen. Ist das wirklich eine völlig sichere Wette? Ich glaube, da kommen uns inzwischen Zweifel, oder?“

Hoekstra warnte, dies werde wohl nicht die letzte Phase geopolitischer Unruhe sein, mit der Europa konfrontiert ist. Die EU schulde es ihren Bürgerinnen und Bürgern sowie ihren Unternehmen, sie in der nächsten Krise nicht erneut mit explodierenden Preisen zu belasten. „Ob das in drei Jahren, in fünf Jahren oder in zehn Jahren passiert, weiß niemand. Wir müssen das Problem jetzt angehen.“

Anfang Mai 2026 ist der Preis für Brent-Rohöl wegen der anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten auf über 100 Dollar (rund 85 Euro) je Barrel gestiegen.

Dieser Preissprung hat in Europa einen dritten Ölpreisschock ausgelöst. Energie und Strom werden deutlich teurer und setzen die Unternehmen massiv unter Druck.

Auch die Haushalte in Europa geraten wegen der steigenden Kraftstoffpreise stark unter Druck. Sie treiben nicht nur die Kosten für Benzin und Heizung nach oben, sondern schlagen sich praktisch in allen landwirtschaftlichen und industriell gefertigten Produkten nieder.

Hinzu kommt nach Einschätzung der Europäischen Kommission, dass die hohen Energiepreise das Risiko von Energiearmut verschärfen. Deshalb laufen inzwischen zahlreiche Initiativen, um Strom- und Gasrechnungen zu senken und besonders verletzliche Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen.

Hoekstra warnte jedoch, Europa müsse vorerst mit den bestehenden Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern leben.

„Gas wird noch viele Jahre ein Übergangsbrennstoff bleiben. Der Energiebedarf wird zudem steigen statt sinken, auch wegen der Entwicklungen bei der Künstlichen Intelligenz, und das trotz aller Effizienzmaßnahmen, die wir wahrscheinlich noch in petto haben“, sagte er.

Ladesäulen und Stromnetze: EU braucht Milliardeninvestitionen

Auf die schleppende Modernisierung der Infrastruktur in der EU angesprochen, räumte Hoekstra ein: „Wir haben noch einiges an Hausaufgaben vor uns.“

So seien weiterhin Milliardeninvestitionen nötig, etwa um das Ladenetz für Elektroautos auszubauen und die Stromnetze zu verstärken.

„Wir erfüllen den eigenen Anspruch noch nicht“, sagte er. „Darum sollten wir so ambitioniert sein wie möglich, denn jeder in diese Transformation investierte Euro ist gut angelegt, gerade weil wir so verwundbar sind.“

Mit Blick auf die internationale Klimapolitik bedauerte Hoekstra den vollständigen Rückzug der Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump aus der globalen Zusammenarbeit.

„In der Realität haben sich die Amerikaner aus diesem Themenfeld verabschiedet, und das ist sehr bedauerlich“, sagte er. „Aber ich muss die Welt nehmen, wie sie ist, nicht wie ich sie gern hätte.“

Europa habe seine Zusammenarbeit dagegen mit gleichgesinnten Ländern ausgebaut, von Norwegen und dem Vereinigten Königreich über Kanada bis Australien, betonte Hoekstra. Die EU arbeite zudem eng mit Staaten in Lateinamerika sowie mit einigen Ländern in Afrika und Asien zusammen, insbesondere mit Japan.

Auf der Klimakonferenz 2023 in Dubai sei es gelungen, eine Art Supermehrheit zu schmieden, die die Kluft zwischen Nord und Süd überbrücke, sagte Hoekstra. „Und genau darum wird es auch künftig gehen.“

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