Papst Leo XIV. hat bei seinem Besuch in Madrid Spanien für dessen Engagement für den Frieden gedankt. Höhepunkt am zweiten Tag seiner Spanienreise war ein Gottesdienst in der Hauptstadt mit anschließender Fronleichnamsprozession.
Papst Leo XIV. hat zu Beginn seines einwöchigen Besuchs in Spanien dem Land für dessen Engagement für den Frieden und die Einhaltung des Völkerrechts gedankt. Spanien hat sich zu einer der lautesten Stimmen Europas gegen den Krieg der USA und Israels im Iran entwickelt und die israelischen Angriffe im Gazastreifen angeprangert, Ministerpräsident Pedro Sánchez fiel deswegen beim amerikanischen Präsidenten in Ungnade. Am ersten Tag seines Besuchs lobte Leo XIV. in Madrid Spanien für seine "treue Achtung des Völkerrechts und des Multilateralismus".
Höhepunkt des zweiten Tages der Spanienreise war an diesem Sonntag ein großer Gottesdienst mit anschließender Fronleichnamsprozession mit mehr als einer Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Zentrum der Hauptstadt. Eine Woche verbringt Leo XIV. in Spanien, weitere Stationen sind Barcelona und die Kanarischen Inseln. Ein Schwerpunkt des Besuchs soll das Thema Migration sein.
Zum Auftakt der Reise rief der Papst am Samstag auch zum Ende "polarisierender Erzählungen" und "steriler Vereinfachungen" auf. Im Königspalast in Madrid, wo ihn König Felipe VI. und Königin Letizia empfingen, würdigte er Spaniens "aktives Engagement für Frieden und Solidarität zwischen den Völkern".
Der US-Amerikaner war vom amerikanischen Präsidenten wegen seiner pazifistischen Haltung scharf attackiert worden.
Leo XIV. erklärte, die Botschaft des Friedens erscheine manchen derzeit leider naiv, anderen provokativ. Sie müsse jedoch von all jenen aufgenommen werden, "die sich nicht in vorgefertigten Ideologien einschließen".
Im Unterschied zu vielen europäischen Partnern verfolgt die linksgerichtete Regierung Spaniens eine vergleichsweise liberale Einwanderungspolitik.
Aber sie steht unter Druck. Die konservative Volkspartei und die rechtsextreme, fremdenfeindliche Partei Vox, die drittstärkste Kraft im Land, machen gegen den Kurs mobil.
Später am Samstag traf Leo Bewohner eines von der katholischen Hilfsorganisation Caritas betriebenen Obdachlosenzentrums. Er lobte dessen Arbeit und stellte sie säkularen Ideologien entgegen, "die karitative Werke abtun oder lächerlich machen".
Am Samstagabend leitete der 70jährige Papst eine Gebetswache auf einem Platz neben dem Stadion Santiago Bernabéu von Real Madrid. Nach offiziellen Angaben kamen dort 500.000 überwiegend junge Menschen zusammen.
Die Gläubigen, darunter viele Familien mit Kindern, bereiteten ihm einen Empfang wie einem Rockstar, mit Sprechchören, Jubel und spanischen sowie vatikanischen Fahnen. Schon vor der Ankunft Leos des XIV. wurde ausgelassen getanzt.
Der Papstbesuch soll auch soziale Ungleichheit in den Mittelpunkt rücken. Geplant sind eine bislang so nie dagewesene Ansprache vor dem spanischen Parlament und ein Treffen mit Opfern sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche.
Seit 1940 sind in Spanien nach Angaben eines Berichts des nationalen Ombudsmanns aus dem Jahr 2023 schätzungsweise 200.000 Minderjährige solcherart sexueller Gewalt zum Opfer gefallen. Auf dem Flug nach Madrid sagte Leo XIV. vor mitreisenden Journalistinnen und Journalisten, der Missbrauch sei weiterhin "eine offene Wunde".
König Felipe lobte die "Klarheit und Entschlossenheit" des Papstes in dieser Frage. Beides sei "entscheidend für den Prozess der Heilung und Wiedergutmachung des zugefügten Leids".
Die Regierung von Pedro Sánchez und die katholische Kirche in Spanien haben im März ein Abkommen zur Entschädigung der Betroffenen unterzeichnet. Vorausgegangen waren Jahre der Zurückhaltung und Intransparenz in der kirchlichen Hierarchie.
Nach dem Auftakt in der Hauptstadt reist der Papst nach Barcelona. Dort will er am Mittwoch den Anfang des Jahres fertiggestellten neuen Turm der Basilika Sagrada Familia segnen, der nun als höchster Kirchturm der Welt gilt. Der Turm soll am 100. Todestag von Antoni Gaudí, dem Baumeister der Basilika, am 10. Juni eingeweiht werden.
Danach fliegt der Papst zu den Kanarischen Inseln, wo am Donnerstag ein zweitägiger Besuch beginnt. Dort will er Migranten treffen. Ministerpräsident Sánchez wird ihn begleiten, um Tausender Migrantinnen und Migranten zu gedenken, die auf dem Weg nach Europa ums Leben kamen.