US-Emissär mit Polit- und Businessnetzwerk: Nach umstrittenem Immobiliendeal in Albanien wächst der Wirbel um Jared Kushner.
Jared Kushner steht im Zusammenhang mit einem albanischen Immobilienprojekt, das landesweite Proteste ausgelöst hat. Seine Investmentfirma Affinity Partners unterstützt mehrere Luxus-Tourismusprojekte an der Adriaküste.
Die Pläne im Volumen von 1,4 Milliarden Euro sehen vor, einen Teil der Insel Sazan in ein Luxusresort zu verwandeln – mit Hotels, Villen, Apartments, einem Yachthafen und weiteren gehobenen Einrichtungen.
Dagegen regt sich Widerstand von Umweltverbänden und lokalen Initiativen. Sie warnen, das Projekt gefährde sensible Ökosysteme und kritisieren mangelnde Transparenz über die Rolle der Geldgeber.
Kushner ist US-Unternehmer und Berater von US-Präsident Donald Trump. Bekannt wurde er vor allem als Trumps Schwiegersohn. Im Weißen Haus spielte er in Trumps erster Amtszeit von 2017 bis 2021 eine zentrale Rolle und entwickelte sich zu einer der einflussreichsten und umstrittensten Figuren der Regierung.
Kushner war an einer Reihe diplomatischer Initiativen zu Iran, der Ukraine und Russland beteiligt. Er nahm an Gesprächen teil, die Spannungen abbauen und mögliche Friedensvereinbarungen voranbringen sollten.
In den vergangenen Monaten arbeitete er eng mit dem ranghohen Trump-Gesandten Steve Witkoff zusammen. Beide verhandelten über Irans Atomprogramm und den Krieg in der Ukraine.
Im Februar 2026 ernannte Präsident Donald Trump Kushner offiziell zum Sondergesandten für Frieden. Damit erhielt er eine fest verankerte Rolle in den Vermittlungsbemühungen der Regierung im Ausland.
Vom Immobiliengeschäft in die Politik
Kushner wurde am 10. Januar 1981 in Livingston im US-Bundesstaat New Jersey geboren und stammt aus einer wohlhabenden Immobilienfamilie. Sein Vater Charles Kushner gründete die Firma Kushner Companies, einen Projektentwickler und Immobilieninvestor.
Jared Kushner schloss ein Studium an der Harvard University ab und erwarb anschließend an der New York University Abschlüsse in Jura und Betriebswirtschaft.
Bevor er in die Politik einstieg, baute Kushner das Immobilienimperium der Familie weiter aus und kaufte 2006 mit 25 Jahren die Zeitung New York Observer. Später wurde er Geschäftsführer von Kushner Companies und verantwortete bedeutende Immobilieninvestitionen in New York und anderen Städten.
2009 heiratete Kushner Ivanka Trump, die Tochter von Donald Trump.
Nach Trumps Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 zog Kushner als einer der wichtigsten Berater ins Weiße Haus ein. Obwohl er zuvor nie im Staatsdienst gearbeitet hatte, erhielt er ein breites Aufgabenfeld: Strafrechtsreform, Handelspolitik, Modernisierung der Verwaltung und Diplomatie im Nahen Osten.
Verbindungen nach Moskau
Jared Kushner spielte im Mueller-Bericht eine prominente Rolle, jener US-Ermittlung zu russischer Einflussnahme auf die Präsidentschaftswahl 2016 und möglichen Absprachen von Trumps Wahlkampflager mit russischen Vertretern oder Mittelsleuten.
Er wurde von Ermittlern befragt und tauchte nach mehreren Treffen mit russischen Mittelsleuten an vielen Stellen im Abschlussbericht auf. Ein Strafverfahren gegen ihn gab es jedoch nicht.
Zu seinen wichtigsten politischen Projekten zählt seine Rolle bei den Abraham-Abkommen. Diese Vereinbarungen normalisierten die Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten, darunter den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain.
Unterstützer schreiben ihm zu, die Diplomatie in der Region neu ausgerichtet zu haben. Kritiker zweifeln dagegen am langfristigen Nutzen der Abkommen.
Sein großer Einfluss und die enge familiäre Verbindung zum Präsidenten sorgten jedoch immer wieder für Kritik. Gegner warfen ihm vor, die Grenze zwischen öffentlichem Amt und familiären Interessen zu verwischen.
Sein Vater Charles erhielt am Ende von Trumps erster Amtszeit eine präsidiale Begnadigung. Er war 2004 wegen Steuerhinterziehung und illegaler Wahlkampfspenden verurteilt worden und hatte dafür zwei Jahre im Gefängnis gesessen.
2025 ernannte Trumps zweite Regierung Charles Kushner zum US-Botschafter in Frankreich und Monaco.
Unterstützung aus Saudi-Arabien
Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung 2021 gründete Jared Kushner die Beteiligungsgesellschaft Affinity Partners. Sie konzentriert sich auf Investitionen in den USA, Israel und der Golfregion.
Besondere Aufmerksamkeit erregte das Unternehmen, als der saudi-arabische Staatsfonds Public Investment Fund erhebliche Mittel zusagte.
Kushner ist weiterhin eine einflussreiche Figur in Politik und internationaler Wirtschaft. In den täglichen Wahlkampf mischt er sich zwar meist nicht ein, doch seine Nähe zu Trump und sein dichtes Netzwerk im Nahen Osten halten ihn auf der weltpolitischen Bühne präsent.