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Mexikos Verschwundenenkrise rückt bei WM ins Rampenlicht

Angehörige der Verschwundenen und Demonstrierende ziehen vor Beginn der Fußball-WM 2026 durch Mexiko-Stadt. Aufgenommen am elften Juni 2026.
Angehörige von Mexikos Verschwundenen und Demonstrierende marschieren vor dem Eröffnungstag der Fußball-WM 2026 in Mexiko-Stadt am elften Juni 2026. Copyright  AP Photo
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Von Simon Ormiston
Zuerst veröffentlicht am
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Während im Stadion die Eröffnungsfeier tobt, hoffen Betroffene mit einer Demonstration auf Aufmerksamkeit für die Krise der Verschwundenen. Neue mutmaßliche Hinrichtungsorte der Kartelle lenken den Blick erneut auf eine der tiefsten Wunden Mexikos.

Am Eröffnungstag der Fußball-WM 2026 lag in Mexiko-Stadt die ganze Breite an Gefühlen in der Luft. Die Stadt wirkte zerrissen zwischen Feierstimmung und Krise.

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Mexiko richtet das Turnier gemeinsam mit den USA und Kanada aus und eröffnete den Wettbewerb im Estadio Azteca mit einer glanzvollen Show, bei der Shakira, Andrea Bocelli und Burna Boy auftraten.

Im Stadion tanzten die Fans zur Musik. Vor den Toren sah es jedoch ganz anders aus. Dort hallten Trommeln als Ausdruck des Protests, nicht zum Feiern.

Mehr als 1.000 Angehörige von Vermissten in Mexiko zogen mit Kerzen und Fotos ihrer Liebsten, die oft ohne jede Spur verschwunden sind, in Richtung Arena.

Auf dem Rasen kämpfen 48 Teams um den WM-Pokal. Die Demonstrierenden verliehen dem Gastgeber gleichzeitig einen eigenen Titel: "México campeón en desaparición" – Mexiko, Meister des Verschwindens.

Ihre Botschaft ist klar: Wenn die Welt auf den Fußball blickt, soll die Krise um die Verschwundenen im Land nicht in Vergessenheit geraten.

Mehr als 130.000 Mexikaner gelten als vermisst

Nach offiziellen Zahlen gelten in Mexiko mehr als 130.000 Menschen als vermisst. Die Zahl ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten stetig gestiegen, parallel zur Ausbreitung der organisierten Kriminalität und der Eskalation des mexikanischen Drogenkriegs.

In vielen Fällen führen Spuren zu kriminellen Organisationen, die in Drogenhandel, Erpressung und Menschenhandel verstrickt sind. Opfer werden entführt, mit Gewalt angeworben, getötet oder in namenlosen Gräbern verscharrt.

Angehörige und Menschenrechtsorganisationen werfen den Behörden wiederholt vor, Vermisstenfälle nur unzureichend zu untersuchen und die Verantwortlichen nicht konsequent zu verfolgen.

Landesweite Aufmerksamkeit erhielt das Thema erneut, als im Jahr 2025 im westlichen Bundesstaat Jalisco ein mutmaßliches Gelände eines Drogenkartells entdeckt wurde. Zivile Suchgruppen meldeten dort Funde menschlicher Überreste, persönlicher Gegenstände und von Hinweisen, die darauf schließen lassen, dass der Ort zur Gefangennahme und Ermordung von Menschen diente.

Der Fund löste landesweite Empörung aus und verstärkte die Forderungen nach Aufklärung und Verantwortlichkeit.

Demonstrierende gingen auf die Straße, nachdem auf der Ranch Izaguirre in der Region Jalisco Skelettreste entdeckt worden waren. 16. März 2025.
Demonstrierende gingen auf die Straße, nachdem auf der Ranch Izaguirre in der Region Jalisco Skelettreste entdeckt worden waren. 16. März 2025. AP Photo

Mexikos "madres buscadoras"

Ein besonderes Merkmal der Vermisstenkrise in Mexiko ist die Rolle der Angehörigen, vor allem der Mütter. Sie haben freiwillige Suchkollektive gegründet. Diese als "madres buscadoras", als "suchende Mütter", bekannten Gruppen recherchieren selbst und organisieren Suchen in entlegenen Gegenden, verlassenen Gebäuden und mutmaßlichen Grabstätten.

Unterstützer betonen, dass die Gruppen Spuren und Überreste finden, die sonst wohl verborgen geblieben wären. Aktivisten berichten jedoch immer wieder von Drohungen durch kriminelle Banden und klagen über mangelnde Unterstützung und Schutz durch den Staat.

Als Reaktion auf die wachsende Verzweiflung in der Bevölkerung hat Präsidentin Claudia Sheinbaum Reformen vorgeschlagen, die die Suche nach Vermissten stärken sollen. Die Maßnahmen sollen die Identifizierung von Vermissten erleichtern, die Organisation und den Austausch von Falldaten verbessern, mehr Transparenz bei den offiziellen Zahlen schaffen und sicherstellen, dass Ermittlungen sofort beginnen, ohne vorgeschriebene Wartezeit.

Außerdem sollen die Reformen eine klarere rechtliche Trennlinie zwischen Entführungs- und Vermisstenfällen ziehen.

Bei der Vorstellung der Pläne im März sagte Sheinbaum: "Wir arbeiten mit drei staatlichen Stellen zusammen, das ist entscheidend, um Straflosigkeit zu verhindern. Es ist sehr wichtig, dass Familien das Verschwinden von Angehörigen melden … und es ist unsere Pflicht, ihnen Unterstützung zu leisten."

Die Proteste spiegeln die Frustration der Familien, die weiterhin nach Antworten auf das Schicksal ihrer Angehörigen suchen. Für viele geht es dabei nicht nur um kriminelle Gewalt, sondern auch um Wahrheit, Gerechtigkeit und Anerkennung für die Tausenden Verschwundenen.

Solange die Demonstrationen andauern, hoffen die Initiativen, die internationale Aufmerksamkeit auf eine Krise gerichtet zu halten, die seit zwei Jahrzehnten Gemeinden und Generationen in ganz Mexiko prägt.

Weitere Quellen • AP

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