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El Niño ist da: Forschende warnen vor teurem Extremwetter

ARCHIV - Ein Feuerwehrmann beobachtet die Flammen des Hughes-Feuers am Castaic Lake bei Castaic in Kalifornien am 22. Jan. 2025.
ARCHIV: Ein Feuerwehrmann beobachtet die Flammen des Hughes-Feuers am Castaic Lake in Castaic, Kalifornien, am 22. Januar 2025. Copyright  AP Photo/Jae C. Hong, File
Copyright AP Photo/Jae C. Hong, File
Von Angela Symons mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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US-Wetterbehörde NOAA bestätigt offiziell Beginn von El Niño – Phänomen dürfte Erderwärmung durch fossile Brennstoffe weiter anheizen.

El Niño, die chaotische Klimatriebkraft der Natur, hat sich in einem aufgeheizten Pazifik gebildet und dürfte historische Stärke erreichen, erklärten Fachleute am elften Juni.

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Sie sagen, das Wetterphänomen El Niño sei ein natürlicher Erwärmungszyklus. Er werde die durch fossile Verschmutzung ohnehin aufgeheizte Erde weiter anheizen und extreme Wetterlagen weltweit voraussichtlich zusätzlich antreiben.

Meteorologinnen und Meteorologen prognostizieren, dass es mit dem Rekord-El Niño konkurriert oder ihn sogar übertrifft, der 1997 begann und Milliarden Dollar Schäden durch Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürren, Tornados und Waldbrände mit ausgelöst hat.

Die US-Behörde NOAA hat das Bestehen des El Niño nun offiziell bestätigt: eine Erwärmung des Pazifiks nahe des Äquators, die Wetterlagen rund um den Globus beeinflusst. In ihrer Mitteilung spricht NOAA von einer Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent, dass El Niño sich im späten Herbst und frühen Winter so stark entwickelt, dass es „zu den größten El-Niño-Ereignissen in der historischen Aufzeichnung seit 1950 zählen würde“.

Die warmen, tiefen Wassermassen eines El Niño verändern die Wetterlage, weil sie viel zusätzliche Wärme an die Oberfläche bringen. Das befeuert vielerorts extreme Ereignisse, erklärt die Klimawissenschaftlerin Abby Frazier von der Clark University.

Besonders im Pazifik könne es dadurch sehr schnell sehr ernst werden, sagt sie.

UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete El Niño als „dringliche Klima-Warnung“.

„Die El-Niño-Bedingungen werden in einer sich erwärmenden Welt wie Brandbeschleuniger wirken“, sagte Guterres in einer Videobotschaft.

Folgen von El Niño: Manche profitieren, andere verlieren

Die Auswirkungen des Phänomens unterscheiden sich je nach Region. El Niño dämpft häufig die Hurrikansaison im Atlantik, auch wenn sie nicht völlig ausfällt, verstärkt sie aber im Pazifik. Die US-Ostküste und der Golf von Mexiko könnten also etwas aufatmen, sagt Frazier. Für Hawaii und andere Inseln wächst dagegen die Gefahr.

Für den von Dürre geplagten Nahen Osten könnte El Niño Vorteile bringen, so Klimaforschende. In anderen Regionen steigt das Risiko. Teile West-Südamerikas, wo Meteorologen El Niño vor Jahrzehnten erstmals beschrieben, erleben häufig starke Regenfälle und Überschwemmungen sowie besonders warme Sommer. Indien muss mit heftigeren Hitzewellen rechnen, Australien mit Dürre, Waldbränden und Hitze.

Im Nordosten Afrikas droht laut Muhammad Azhar Ehsan, Klimaforscher an der Columbia University und El-Niño-Experte, ein Wetterumschwung von extremer Dürre zu gefährlich starken Regenfällen.

In den USA kann El Niño im Süden heftigere Stürme mit mehr Regen bringen. Insgesamt profitiert die amerikanische Landwirtschaft jedoch eher davon, sagt Jon Gottschalck, Leiter des operativen Bereichs im Climate Prediction Center der NOAA.

Meteorologe Michael Ferrari, Forschungschef beim Investment-Research-Unternehmen Moby, erwartet günstige Bedingungen für Getreide und Saaten, vor allem Sojabohnen, in 18 wichtigen Anbaustaaten. Für Milchvieh und Rinder zeichne sich dagegen ein gemischteres Bild ab.

Die nördlichen Rocky Mountains und der Südwesten der USA, die derzeit unter einer „extremen“ Schneearmut leiden, könnten im Sommer kräftige Regenfälle bekommen, so Gottschalck. Die größten Auswirkungen zeigen sich in den USA jedoch meist im Winter: Dann wird es im Süden nasser, im Pazifischen Nordwesten dagegen wärmer und trockener.

Aber insgesamt können die durch El Niño erhöhten Temperaturen das Wirtschaftswachstum in den USA bremsen, sagt der Klimaökonom Marshall Burke von der Stanford University. Mehrere Klimaforschende erwarten, dass 2027 wegen der verzögerten Effekte dieses El Niño, das im Herbst oder Winter seinen Höhepunkt erreichen dürfte, zum heißesten Jahr seit Beginn der Messungen wird.

„Wir haben ziemlich klare Belege dafür, dass die US-Wirtschaft langsamer wächst, wenn die Temperaturen über dem Durchschnitt liegen“, so Burke.

Deutliche Frühzeichen für El Niño

Die von El Niño ausgelösten Wetterextreme hängen auch davon ab, wann sich das Phänomen entwickelt.

Normalerweise bildet sich El Niño im Sommer, erreicht seinen Höhepunkt im späten Herbst oder frühen Winter und schwächt sich im folgenden Frühjahr wieder ab, erklären Forschende.

Doch das Team um Ehsan prognostiziert, dass dieses El-Niño-Ereignis einen oder zwei Monate früher seinen Höhepunkt erreicht. Grundlage sind sehr starke Signale aus den vergangenen Wochen. Laut dem Klimaforscher Gabriel Vecchi von der Princeton University neigen große El-Niño-Episoden zudem dazu, länger anzuhalten.

Die frühen Hinweise – darunter wärmeres Wasser, das an die Oberfläche des Pazifiks drängt – seien so ausgeprägt, dass Wetterdienste inzwischen nahezu einhellig ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis erwarten, sagt Vecchi. Zu dieser Jahreszeit gehen die Prognosen sonst oft weit auseinander.

Mit der weiteren Erwärmung der Erde durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas rechnen Forschende generell mit stärkeren El-Niño-Ereignissen, erläutert Frazier. Ob das aktuelle Phänomen bereits dazu gehört, lasse sich ihrer Ansicht nach aber noch nicht sagen.

Schon bevor sich das Ereignis offiziell ausbildete, bekam dieses El Niño Spitznamen – von „Super“ bis „Godzilla“.

„Statt Angst zu schüren, sollten wir die Menschen bitten, vorbereitet zu sein“, sagt Ehsan von der Columbia University.

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