Bei VivaTech 2026 betonten Topmanager von L'Oréal bis PwC: Persönliche Vitalität und organisationale Resilienz sind kein Luxus mehr, sondern Wettbewerbsfaktor.
Jedes Unternehmen bekommt irgendwann Falten – und was tun wir dann dagegen? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine lebhafte Euronews-Runde auf der VivaTech, die sich mit Langlebigkeit im privaten und im beruflichen Leben befasste.
Das Gespräch wurde schnell persönlich. Delphine Viguier, Chief Innovation and Prospective Officer bei L’Oréal, witzelte: „Ich habe viel mehr Falten als mein Businessplan.“
Sie sagte, wenn sich Alterserscheinungen zeigen – auf der Haut oder in der Unternehmensstrategie –, falle die Antwort ähnlich aus: Gewohnheiten ändern. Für sie bedeutet das Nahrungsergänzungsmittel, Sonnenschutz, Anti-Aging-Produkte. Für Unternehmen heißt es: Innovation stärken, externe Ideen zulassen und Kreativität neu entdecken.
Für Pauline Adam-Kalfon, Chief Innovation and Impact Officer bei PwC Frankreich und Maghreb, braucht ein alterndes Unternehmen eine klare, direkte Kur.
„Neuerfindung beginnt mit Weglassen“, sagte sie. Ihr Rat: Alles streichen, was im Unternehmen keinen echten Mehrwert mehr bringt, statt einfach nur neue Projekte oben drauf zu setzen.
Beide waren sich einig: Daten schützen davor, jedem kurzfristigen Hype hinterherzulaufen. Viguier erklärte, die schiere Menge an Daten bei L’Oréal, inzwischen mit Hilfe von KI ausgewertet, ermögliche ihrem Team, Muster zu erkennen – was funktioniert hat und was nicht. So lasse sich vermeiden, „immer wieder die gleichen Fehler zu machen“.
Ihre Faustregel in einem schnelllebigen Schönheitsmarkt: Kurzfristige Erfolge mit Trendprodukten sind in Ordnung. Entscheidend ist, dabei die langfristigen Produktlinien nicht aus den Augen zu verlieren, die das Fundament des Unternehmens bilden.
Adam-Kalfon brachte Zahlen aus PwC-Erhebungen zur Nutzung von KI durch Unternehmen mit. Demnach schöpfen nur 20 Prozent der befragten Firmen 74 Prozent des durch KI entstehenden Werts ab. Die besten Akteure verzeichnen Produktivitäts- oder Umsatzsprünge, die mehr als siebenmal höher liegen als bei allen anderen.
Diese Lücke zu schließen, sagte sie, erfordere eine klare Vorgehensweise. KI sollte Wachstum antreiben, nicht nur Effizienzgewinne bringen. Und wenn Experimente funktionieren, müsse man sie rasch hochskalieren.
Ein weiterer Rat, den beide Expertinnen gaben: mit Menschen zusammenarbeiten, die aus anderen Milieus kommen, und diese Perspektiven verstehen – im Privatleben ebenso wie im Geschäftsalltag.
Für Viguier ist Vielfalt der Kern einer guten Präventionsstrategie. „Es ist wie in der Biologie“, sagte sie. „Wenn Herkunft gemischt ist, steigt die Vitalität.“
Wenn etwas schiefläuft, so Adam-Kalfon, ist das Problem selten nur kosmetisch. Meist liege es in drei Bereichen: Das Angebot verliert für Kundinnen und Kunden an Relevanz. Die Margen im Geschäftsmodell erodieren. Und Entscheidungen dauern zu lange, was das Unternehmen träge macht.
Die Session auf der VivaTech blieb entsprechend sehr praktisch. L’Oréal präsentierte eine LED-Gesichtsmaske, die die Haut auf Zellebene verjüngen soll. PwC zeigte eine KI-Fitness-App, die Unternehmen einen schnellen Gesundheitscheck liefert – und anzeigt, wo sie beim größten Technologietrend der Gegenwart stehen.
Keine der beiden Gäste behauptete, dass Langlebigkeit einfach sei.
Wundermittel gab es nicht – weder Cremes noch KI-Abkürzungen. Stattdessen stand eine gemeinsame Überzeugung im Mittelpunkt: Wer seine Daten, Gewohnheiten und Energie genau im Blick behält, bleibt länger leistungsfähig – als Mensch und als Unternehmen.