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Hitzewelle in Deutschland: Wer schützt – und wann die Bundeswehr eingreift

Im Rahmen der Amtshilfe unterstützt die Bundeswehr die Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk.
Im Rahmen der Amtshilfe unterstützt die Bundeswehr die Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk. Copyright  Copyright 2006 AP. All rights reserved.
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Von Maja Kunert
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Temperaturen bis 42 Grad, tropische Nächte, steigende Waldbrandgefahr: Wer kümmert sich um gefährdete Menschen und Umwelt bei extremer Hitze?

Am kommenden Wochenende könnte Hitzehoch "Hartmut" weite Teile Deutschlands unter eine Hitzeglocke zwingen – mit Spitzenwerten von regional bis zu 42 Grad.

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Damit rückt der bisherige Allzeitrekord von 41,2 Grad, gemessen am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl, in greifbare Nähe. Selbst nachts sinken die Temperaturen in Städten wie Frankfurt vielerorts nicht mehr unter 20 Grad. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht dann von einer "tropischen Nacht". Eine Belastung, die vor allem für ältere Menschen, Kranke und Kleinkinder gefährlich werden kann.

Klimaforscher warnen seit Jahren: Solche Extremereignisse treten durch den Klimawandel häufiger, intensiver und früher im Jahr auf. Der DWD gibt bereits Warnungen vor gesundheitsgefährdender Hitze heraus. Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) verschickt über die Warn-App NINA Hinweise zu "extremen Wärmebelastungen".

"Vermeiden Sie nach Möglichkeit die Hitze, trinken Sie ausreichend Wasser und halten Sie die Innenräume kühl", empfiehlt die Behörde. Doch wer greift im Ernstfall ein, wenn die Hitze kippt, Wälder brennen und Kommunen an ihre Grenzen stoßen?

Wer schützt die Bevölkerung im Ernstfall?

In Deutschland liegt der Schutz der Bevölkerung nicht bei einer zentralen Behörde, sondern in einem föderalen System aus Kommunen, Ländern und Bund. Es funktioniert nach dem Subsidiaritätsprinzip: Erst wenn eine Ebene überfordert ist, springt die nächsthöhere ein.

Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt Bevölkerungsschutz als "Oberbegriff für sämtliche nicht-polizeilichen und nicht-militärischen Aufgaben sowie Maßnahmen der Kommunen, Länder und des Bundes zum Schutz der Bevölkerung vor Katastrophen, schweren Notlagen, Kriegen und bewaffneten Konflikten".

Archiv: Sanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes versorgen während einer Katastrophenschutzübung einen simulierten Verletzten.
Archiv: Sanitäter des Bayerischen Roten Kreuzes versorgen während einer Katastrophenschutzübung einen simulierten Verletzten. Copyright 2009 AP. All rights reserved.

Die wichtigste Ebene bilden Gemeinden und Landkreise. Sie sind für Brandschutz, Rettungsdienst und technische Hilfe zuständig, koordiniert über Rettungsleitstellen. Zum Einsatz kommen vor allem die meist ehrenamtlich organisierten Feuerwehren sowie Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe und der Malteser Hilfsdienst.

Wird die Lage größer, können Landräte oder Oberbürgermeister den Katastrophenfall ausrufen. Dann übernimmt die zuständige Behörde die Einsatzleitung, richtet einen Krisenstab ein und erhält weitreichende Befugnisse: Eigentum kann beschlagnahmt, Evakuierungen können angeordnet werden.

Der Bund darf grundsätzlich erst dann direkt eingreifen, wenn ein überregionaler Notstand mehrere Länder betrifft.

Das BBK: Warnen, Koordinieren, Vernetzen

Zentrale Bundesbehörde ist das Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit Sitz in Bonn. Es erstellt Risikoanalysen, warnt die Bevölkerung und verbreitet Meldungen über das Modulare Warnsystem MoWaS – etwa per App, Sirene oder Cell Broadcast. Außerdem koordiniert das BBK die Zivil-Militärische Zusammenarbeit, also das Netzwerk zwischen zivilen Behörden, Hilfsorganisationen und der Bundeswehr. Mehr als 470 Bezirks- und Kreisverbindungskommandos sowie 16 Landeskommandos der Bundeswehr dienen dabei als feste Ansprechpartner für zivile Stellen.

Dass diese Strukturen derzeit weiterentwickelt werden, zeigte sich bereits unmittelbar vor der aktuellen Hitzewelle: Am 24. Juni vertiefte die Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen ihre Kooperation mit dem Katastrophenschutz im Kreis Pinneberg, wie die tagesschau berichtete. Neu ist, dass künftig auch der umgekehrte Fall geübt werden soll: Situationen, in denen die Bundeswehr auf Kompetenzen des Katastrophenschutzes angewiesen ist.

Flutkatastrophe 2021: Ein Transporthubschrauber der Bundeswehr nimmt große Ballastsäcke auf, um sie am Ufer abzustauen.
Flutkatastrophe 2021: Ein Transporthubschrauber der Bundeswehr nimmt große Ballastsäcke auf, um sie am Ufer abzustauen. AP

Die Bundeswehr: Helfer in der Not

Wenn zivile Kapazitäten erschöpft sind, kann die Bundeswehr auf Antrag sogenannte "Amtshilfe" leisten. Allerdings immer unter ziviler Führung und ohne hoheitliche Befugnisse. Rechtliche Grundlage ist Artikel 35 des Grundgesetzes. Die Streitkräfte stellen Personal und technisches Gerät bereit, übernehmen aber keine polizeilichen Aufgaben. In der Vergangenheit reichte das Spektrum von Schneeräumungen auf Krankenhausdächern in Bayern über die Unterstützung bei der Unterbringung von Geflüchteten bis zur Hochwasserhilfe.

Den bislang größten Inlandseinsatz leistete die Bundeswehr während der Flutkatastrophe im Juli 2021 im Ahrtal und an der Erft. Zeitweise rund 2.000 Soldaten halfen beim Räumen von Straßen, bei der Trinkwasserversorgung und bei der Beseitigung von Schlamm und Trümmern.

Soldaten der Bundeswehr räumen nach der Flutkatastrophe im Jahr 2021 eine Straße frei.
Soldaten der Bundeswehr räumen nach der Flutkatastrophe im Jahr 2021 eine Straße frei. (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Waldbrandgefahr: Hubschrauber als letzte Rettung

Besonders sichtbar wird die Amtshilfe der Bundeswehr bei Waldbränden. Mit jedem Hitzesommer wächst ihre Bedeutung. Der Deutsche Feuerwehrverband warnte bereits Mitte Juni 2026 vor erhöhter Vegetationsbrandgefahr. In Brandenburg steigt das Risiko mit jedem trockenen Tag: Schon im Mai 2026 brannte ein munitionsbelastetes Gebiet bei Jüterbog. Bereits 2023 war die Bundeswehr dort im Einsatz. Zwei NH-90-Hubschrauber warfen in 56 Einsätzen rund 102.000 Liter Löschwasser ab und trugen dazu bei, die Großschadenslage zu beenden.

Ähnliche Einsätze gab es 2019 in Thüringen und Niedersachsen, wo Hubschrauber bei Vegetationsbränden in schwer zugänglichem Gelände halfen.

Neben Löschhubschraubern verfügt die Bundeswehr über Bergepanzer, Räumfahrzeuge, spezialisierte Pioniereinheiten und umfangreiche Logistikkapazitäten. Solche Ressourcen können im Ernstfall entscheidend sein.

Die Amtshilfe der Bundeswehr wird in den Lagezentren der Landeskommandos koordiniert.
Die Amtshilfe der Bundeswehr wird in den Lagezentren der Landeskommandos koordiniert. Bundeswehr/Sebastian Kelm

Wo die Grenzen liegen: Grundgesetz statt Polizeirecht

Was die Bundeswehr im Inneren nicht darf: eigenständig polizeilich handeln, Streife laufen oder auf eigene Initiative tätig werden. Das Grundgesetz setzt hier klare Grenzen. Nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 20. März 2013 muss Amtshilfe "unterhalb der Einsatzschwelle" bleiben. Das heißt: Das "Droh- und Einschüchterungspotential" der Streitkräfte darf nicht genutzt werden, der Einsatz von Kriegswaffen ist ausgeschlossen.

Die Hürden sind bewusst sehr hoch gesetzt. "Es ist sicherzustellen, dass die Streitkräfte niemals als innenpolitisches Machtinstrument eingesetzt werden", erklärt das Bundesverfassungsgericht formuliert.

Kernauftrag der Bundeswehr bleibt Landes- und Bündnisverteidigung

Dabei ist die Amtshilfe für die Bundeswehr mehr als bloße Pflichterfüllung. Generalleutnant a.D. Jürgen Weigt, ehemaliger Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis, formulierte es bei einer Expertenrunde im Bundesverteidigungsministerium im Jahr 2022 so: Ein Einsatz in der Katastrophenhilfe appelliere "genauso an soldatische Werte, verlange Mut und Opferbereitschaft und ermögliche das Erleben des soldatischen Werts des selbstlosen Handelns."

Doch derselbe Konsens der Expertenrunde hält damals auch fest: Der Kernauftrag der Bundeswehr bleibt die Landes- und Bündnisverteidigung. Katastrophenhilfe ist wichtig, aber sie bleibt ein Zusatzauftrag im Rahmen freier Kapazitäten. Je häufiger Extremhitze, Dürre und Vegetationsbrände den zivilen Schutz herausfordern, desto dringlicher wird die Frage, ob Kommunen, Länder und Bund ihren Bevölkerungsschutz so stärken, dass sie im Ernstfall nicht auf die Bundeswehr angewiesen sind.

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