Deutschlands Flüsse erreichen Rekordtiefs. Besonders der Frachtverkehr leidet unter den niedrigen Wasserständen. Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger beriet heute in Bonn mit Vertretern aus Schifffahrt, Häfen und Wirtschaft. Neue Sofortmaßnahme: Landtransporte sollen ausgeweitet werden.
Mit 67 Zentimetern wurde am Samstag am Kölner Pegel ein historischer Tiefstand erreicht. Auch andere deutsche Flüsse sind vielerorts so niedrig wie noch nie. Ursache sind anhaltende Hitze und ausbleibender Regen.
Für die Binnenschifffahrt hat das schwerwiegende Folgen: Viele Schiffe können derzeit nur bis zu einem Fünftel ihrer Kapazitäten beladen werden. Das erhöht die Transportkosten und belastet Unternehmen, die auf Gütertransporte über Wasserstraßen angewiesen sind.
Vom heutigen Niedrigwasser-Spitzentreffen in Bonn erhoffen sich Industrie- und Schifffahrtsverbände daher konkrete Maßnahmen, um die Folgen des Niedrigwassers für den Güterverkehr zu begrenzen.
Industrie und Schiffahrt erhöhen Druck auf Bundesregierung
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert eine beschleunigte Umsetzung geplanter Rheinvertiefungen: "Die Niedrigwasserkonferenz in Bonn muss den Startschuss für die beschleunigte Umsetzung der punktuellen Rheinvertiefungen geben", sagte der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer, Holger Lösch, der "Rheinischen Post".
Auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) fordert von der Bundesregierung konkrete Schritte. Geschäftsführer Jens Schwanen kritisierte vor allem den aus seiner Sicht schleppenden Ausbau wichtiger Wasserstraßen. "Der Ausbau von Mittel- und Niederrhein steht seit 1992 im Bundesverkehrswegeplan als vordringlicher Bedarf. Es ist beschämend, dass der Bund sich seit 34 Jahren vornimmt, etwas für die Güterschifffahrt und ihre Kunden zu tun, ohne dass allzu viel passiert ist", erklärte Schwanen der "Rheinischen Post".
Langfristige Lösungen für eine wachsende Klimakrise
Auch aus der Umweltpolitik kommt Kritik. Die frühere Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) forderte einen grundsätzlichen Kurswechsel im Umgang mit Deutschlands Flüssen. Deutschland müsse mehr Wasser in der Landschaft speichern: "Auen und Feuchtgebiete müssen wieder hergestellt sowie Entwässerungsgräben und Rohre zurückgebaut werden", betonte Lemke im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Sie warnte vor einem "politischen Großversagen", sollte die Politik die langfristigen Folgen der häufiger werdender Wetterextreme nicht angehen.
Bilger setzt auf Straßen und Schienen
Beim Verkehrsminister stehen zunächst kurzfristige Maßnahmen im Fokus, "die Unternehmen jetzt helfen können". Im Anschluss an das Krisentreffen mit Branchenvertretern sprach sich Bilger für den Ausbau von Landtransporten aus, um die Folgen des Niedrigwassers für den Güterverkehr abzumildern.
Konkret plädierte er für mögliche "Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für besonders betroffene Güter". Darüber habe er bereits mit ersten Ländern gesprochen.
"Das Gleiche gilt auch für notwendige Schwertransporte, die auf die Straße verlagert werden müssen", erläuterte der CDU-Politiker.
Darüber hinaus kündigte der Minister an, dass die Deutsche Bahn einen Sonderkorridor einrichten werde, um Transporte in den betroffenen Regionen zu beschleunigen.
Trotz der aktuellen Herausforderungen sei ein "Blick nach vorne" entscheidend, um die Folgen des Klimawandels zu bewältigen und die Wirtschaft widerstandsfähiger zu machen.