Nach 13 Nächten mit US-Angriffen und iranischen Vergeltungsschlägen schweigen die Waffen vorerst. Washington und Teheran geben der Diplomatie Zeit, verlegen aber zugleich weitere militärische Kapazitäten in die Region.
Die Vereinigten Staaten und Iran haben ihre Angriffe am Sonntag bereits die dritte Nacht in Folge ausgesetzt. Beide Seiten wollen den Friedensgesprächen damit offenbar noch einmal eine Chance geben.
Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, sagte in US-Medien, Präsident Donald Trump gebe der Diplomatie "Spielraum" und "Zeit".
"Er gibt der Diplomatie eine Chance", erklärte Waltz in der CBS-Sendung "Face the Nation".
Zugleich machte er deutlich, dass Washington den militärischen Druck aufrechterhalte. "Wir werden in den nächsten Tagen sehen, wie es weitergeht. Aber machen Sie sich nichts vor: Weitere militärische Kapazitäten verlegen wir bereits in die Region", sagte er. Das iranische Regime solle dem Präsidenten glauben, wenn dieser sage, die Streitkräfte seien einsatzbereit und alle Optionen lägen auf dem Tisch.
Auch Teheran setzte seine "Vergeltungsoperationen" in der Region nach eigenen Angaben aus. Das erklärte ein Sprecher der iranischen Armee am Sonntag.
Zuvor hatten die USA 13 Nächte in Folge Ziele im Iran angegriffen. Nach Angaben des US-Militärs sollten die Schläge Irans Fähigkeit schwächen, die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus zu bedrohen.
Die Meerenge steht seit Langem im Zentrum der Spannungen zwischen Washington und Teheran. Sie war auch ein zentraler Punkt des "Memorandum of Understanding", auf das sich beide Seiten im Juni geeinigt hatten.
Nach der vorläufigen Vereinbarung sollte Iran die Wasserstraße wieder öffnen. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Engstellen für den weltweiten Öl- und Gastransport. Teheran verpflichtete sich zudem, keine Atomwaffen zu erwerben oder zu entwickeln. Im Gegenzug sagten die USA zu, die Seeblockade gegen Iran aufzuheben und die Sanktionen gegen Teheran zu beenden. Das Abkommen räumt beiden Staaten 60 Tage ein, um einen endgültigen Vertrag auszuhandeln.
Iranische Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus führten jedoch zu neuen US-Luftschlägen und einer erneuten Seeblockade iranischer Häfen. Damit stehen die Friedensbemühungen wieder auf der Kippe.
Nach Angaben des US-Zentralkommandos zwangen die Streitkräfte bis Samstag zwölf Handelsschiffe, die die Blockade umgehen wollten, zur Kursänderung. Zwei Schiffe, die den Anweisungen nicht folgten, wurden außer Gefecht gesetzt. Zwei weitere wurden geentert, um die vollständige Befolgung der Anordnungen sicherzustellen.
Als Reaktion auf die US-Militäraktionen griff Teheran US-Militärstützpunkte im gesamten Nahen Osten an. Betroffen waren Einrichtungen in Kuwait, Bahrain, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar.
Iran droht der Ukraine
Teheran befindet sich zudem in einem diplomatischen Konflikt mit Kyjiw. Auslöser ist ein ukrainischer Angriff auf ein iranisches Schiff im Kaspischen Meer am Samstag. Die Ukraine erklärte, das Schiff habe militärische Fracht zwischen Iran und Russland transportiert.
Irans Außenminister Seyed Abbas Araghchi erklärte, bei dem Angriff sei ein Matrose getötet worden. Er warnte, der Angriff könne "nicht unbeantwortet bleiben".
Auch Ebrahim Azizi, Vorsitzender der nationalen Sicherheitskommission im iranischen Parlament, drohte mit Konsequenzen. "Jeder Angriff auf Iran hat seinen Preis", erklärte er. "Auch die Ukraine wird vielleicht bald verstehen, dass Iran Taten nicht unbeantwortet lässt."