Loader
Finden Sie uns
Werbung

Party im ausgetrockneten Donau-Bett: Für manche eher eine Naturkatastrophe

Feier auf dem ausgetrockneten Donaubett in Budapest, unter der Margaretenbrücke
Budapest: Party im ausgetrockneten Donau-Flussbett unter der Margaretenbrücke Copyright  Facebook/Zsebők Zsanett
Copyright Facebook/Zsebők Zsanett
Von Ács Gábor
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Wie auf der Titanic, wo Musiker weiterspielten, als das Schiff sank, wird in Budapest das trockene Donaubett zur improvisierten Partyzone.

Die Fotografin Zsanett Zsebők hat auf Facebook ein Video von einer spontanen Pop-up-Party am Samstagabend geteilt und damit eine Kommentarflut ausgelöst. Für Menschen mit gelassenerem Blick ist so eine spontane Party "cool", auch wenn sie mitten im ausgetrockneten Flussbett der Donau stattfindet. Andere sehen darin vor allem eine erschreckende Naturkatastrophe, die die Sommer in Europa, besonders in Ungarn, immer stärker verändert.

WERBUNG
WERBUNG

In Budapest gilt das Auftauchen des sogenannten Ínség-Felsens an der Freiheitsbrücke als Zeichen dafür, dass der Donau zu viel Wasser fehlt. Der Flussbereich unter dem Mittelpfeiler der Margaretenbrücke fällt inzwischen immer häufiger trocken, und die freiliegende Fläche wächst von Jahr zu Jahr.

Im Jahr 2018 ließ sich erstmals auch die Fortsetzung der Sandbank der Margareteninsel auf der anderen Seite der Margaretenbrücke in Richtung Parlament betreten. Seither passiert das immer öfter, über längere Zeiträume und auf größerer Fläche.

Der Baudenkmal-Architekt László Wild, der die jüngste Rekonstruktion der Margaretenbrücke leitete, sagte in einem früheren Interview, im Budapester Donauabschnitt herrsche im Flussbett ein unglaubliches Durcheinander. In früheren Jahren tauchten dort immer wieder Metallmülleimer auf, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Budapest verbreitet waren. Sichtbar sind sogar Überreste der Pfeiler eines Gerüsts, das vermutlich noch das Team des Architekten Ernest Goüin bis 1876 während der Bauarbeiten nutzte.

Je größer die trockengefallene Fläche wird, desto mehr Menschen spazieren von der Margareteninsel hinüber. Von dort aus sehen sie die Stadt aus einer neuen Perspektive, was im Abendlicht besonders ansprechend wirkt. Die Sorge über die globale Erwärmung sorgte bei den ersten Besuchern nur für einen Moment der Nachdenklichkeit. Inzwischen erscheinen dort auch die Partygänger.

Der Legende nach spielte auf der sinkenden Titanic nicht nur die Kapelle bis zur letzten Minute. Einige Gäste sollen sogar gescherzt haben, sie wollten Eis für ihre Cocktails direkt aus dem Eisberg holen. Auch das Niedrigwasser der Donau ruft diese Ambivalenz hervor: Manche reagieren mit Sorge und Angst, andere erleben noch stärker ein Gefühl von „Carpe diem“.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Rekordtief: Donau legt Sandbänke frei, Schiffe sitzen in Serbien fest

Donaupegel steigt in letzter Minute: Ungarns AKW entgeht knapp dem Aus

„Es wird noch schlimmer“: Rekordhitze in der fast kältesten Hauptstadt der Welt