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Wählen mit 16: Was junge Wähler bei den Wahlen im Herbst bewirken können

Neue Stimmen, wenig Gewicht? Was junge Wähler bei den Wahlen 2026 bewirken können
Neue Stimmen, wenig Gewicht? Was junge Wähler bei den Wahlen 2026 bewirken können Copyright  AP
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Von Franziska Müller
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16- und 17-Jährige dürfen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern erstmals mitwählen, in Sachsen-Anhalt nicht. Die junge Generation bekommt so zumindest teilweise eine Stimme – aber wie viel Gewicht hat sie tatsächlich?

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte ein Präzedenzfall werden. Sollten sich die Umfragewerte der AfD tatsächlich auch entsprechenden Wahlergebnissen niederschlagen, könnte die Partei zum ersten Mal an einer Landesregierung beteiligt sein.

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Auch in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin ist der Wahlausgang noch ungewiss. Doch die Ausgangslage ist eine andere. Denn in diesen beiden Bundesländern können 2026 zum ersten Mal junge Menschen ab 16 wählen.

Was Erstwähler und Erstwählerinnen bewirken können

Welchen Effekt das hat? Vermutlich einen geringen, denn der Anteil junger Menschen ist auf dem Tiefstand - in den östlichen Bundesländern noch mehr als im bundesweiten Durchschnitt.

"Die 18-20-Jährigen machen ungefähr zwei Prozent aus. In Mecklenburg-Vorpommern kommen jetzt noch ein bis zwei Prozent hinzu", in Form der 16-17-Jährigen, erklärt Arndt Leininger, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. "Das ist fast eine Verdoppelung, aber eine Verdoppelung von fast nichts ist immer noch sehr wenig". Das werde ihm zufolge keine riesige Verschiebung bewirken. In Berlin werden es laut Landeswahlamt 55.000 potenzielle neue Stimmen sein, in Mecklenburg-Vorpommern schätzt die Landeswahlleitung die Zahl der wahlberechtigten 16- und 17-Jährigen auf etwa 25.000.

Denn der Anteil der unter-20-Jährigen ist gemessen an der Gesamtwählerschaft dennoch klein – und wird in Wahlauswertungen nicht gesondert gezählt. Bei der Bundestagswahl, bei der man ab 18 wählen durfte, machte die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen etwa 13 Prozent aus. Fast doppelt so hoch ist der Anteil der über 70-Jährigen (24 Prozent). "Wenn wir eine kleine Gruppe mit wenig Einflussmöglichkeiten haben, ergibt es durchaus Sinn, zu sagen: Wir versuchen, die mehr mit hinein zu holen und die Beteiligungsrechte auszuweiten", erklärt Leininger.

Die jungen Wähler sind eine sehr kleine Gruppe und eine sehr volatile Gruppe mit geringen Auswirkungen
Die jungen Wähler sind eine sehr kleine Gruppe und eine sehr volatile Gruppe mit geringen Auswirkungen Copyright 2009 AP. All rights reserved.

Einen besonderen Ausschlag erwartet der Politikwissenschaftler nicht. Was die Wahlergebnisse angeht, so handle es sich um eine sehr kleine Gruppe und eine sehr volatile Gruppe mit geringen Auswirkungen.

"Die einzige Ausnahme ist beispielsweise jetzt in Sachsen-Anhalt die Fünf-Prozent-Hürde", so Leininger. Die AfD lag in Umfragen mit Werten über 40 Prozent weit vorne, darauf folgen die CDU mit etwa der Hälfte an Prozentpunkten und die Linke. Für SPD, Grüne und BSW ist der Einzug in den Landtag weniger gewiss.

Wo es an einigen Tausend Stimmen liegen könnte, ob eine Partei in den Landtag einzieht oder nicht, könnten die Stimmen der jungen Wähler plötzlich entscheidend werden, so Leininger. Auf das Gesamtergebnis dürften die neuen Erstwähler also kaum einen großen Einfluss haben. Auf einzelne Mandate könnte es dagegen durchaus ankommen. Wenn 16- und 17-Jährige insgesamt wenig verändern, können sie in einem engen Rennen trotzdem relevant sein.

Generation mit Meinung, aber ohne Stimme?

"Das Wahlalter zu senken signalisiert: Okay, Leute, wir vertrauen euch", sagt Lucie Luther aus Rostock der Nachrichtenagentur dpa. Für die 20-Jährige ist es die erste Landtagswahl, obwohl sie bereits bei der Bundestags- und Europawahl wählen durfte. "Junge Menschen sind mit 12 oder 16 durchaus in der Lage, Politik mitzugestalten", sagt Luther, die selbst Vorstandsmitglied im Dachverband der Kinder- und Jugendgremien MV ist, der dpa.

Für den 18-jährigen Josef Köppe aus der Nähe von Greifswald ist es dagegen tatsächlich die erste Wahl überhaupt. "Es ist schon ein besonderes Gefühl, bisher habe ich am Wahltag im Auto gewartet", erzählt Köppe dem Medium. Dass Menschen schon ab 16 wählen dürfen, sei für ihn logisch. Schließlich dürften sie in diesem Alter ins Berufsleben starten. Es sei deshalb unsinnig zu behaupten, sie könnten nicht selbstverantwortlich wählen.

Doch gerade bei der politischen Vorbereitung sehen Jugendliche noch Lücken. "Ich bin hier, weil ich finde, dass es nicht genug politische Bildung, auch jetzt vor der Wahl, gibt", sagt der 17-jährige Toni Förster der taz beim Schüler:innenkongress "Medien.Macht.Meinung" in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Dort können sich Erstwähler und Erstwählerinnen mit den bildungspolitischen Sprechern der Parteien austauschen.

Auch die 16-jährige Sofia Aleksin fühlt sich nach eigener Aussage nicht ausreichend vorbereitet. Sie sagt der taz, im Gegensatz zur symbolischen U16-Wahl sei es nun ernst: Jetzt könne sie mit ihrer Stimme tatsächlich politisch etwas verändern. Sie informiere sich deshalb unter anderem in "kleinen Diskussionsrunden am Frühstückstisch" mit ihrer Familie. Auch andere Jugendliche forderten mehr politische Aufklärung an Schulen.

Viele junge Menschen haben aktuell nicht das Gefühl, von Politik und Parteien ausreichend gehört zu werden, heißt es.
Viele junge Menschen haben aktuell nicht das Gefühl, von Politik und Parteien ausreichend gehört zu werden, heißt es. ROTHERMEL/AP

"Viele junge Menschen haben aktuell nicht das Gefühl, von Politik und Parteien ausreichend gehört zu werden", sagt Ina Bösefeldt, Geschäftsführerin des Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern, der dpa. Junge Menschen seien von vielen politischen Entscheidungen unmittelbar betroffen.

Das Gefühl, politisch nicht ausreichend berücksichtigt zu werden, findet sich auch bei Jugendlichen in Sachsen-Anhalt – wo 16- und 17-Jährige in diesem Jahr noch nicht wählen dürfen. "Ich glaube, dass es Frust ist. Dass man merkt: Ich habe Zukunftsängste, und die bisher regierenden Parteien machen nichts für mich", sagt auch die 18-jährige Mette Golembek, aus Coswig in Sachsen-Anhalt dem MDR. Die Kreisvorsitzende der Jungen Union Wittenberg verweist auf die vielen Unsicherheiten, mit denen junge Menschen konfrontiert seien.

Wer junge Menschen zum Wählen bringt

"Diese Institutionen nennen wir in der Politikwissenschaft Sozialisationsagenten", so Leininger. Unter 20, das sei ein Alter, in dem man zum guten Teil noch in der Schule oder in der Berufsschule ist oder noch bei den Eltern wohnt. Diese Umfelder haben Leininger zufolge einen wesentlichen Einfluss darauf, was die jungen Menschen so machen und wie sie sich entwickeln. Ein Einfluss, den diese Sozialisationsagenten nehmen können, sei, für eine Wahlteilnahme zu werben.

Diese erste Wahl sei ganz entscheidend, betont der Politikprofessor. "Da wird so eine Art Gewohnheit gesetzt: Geh ich hin, wenn Wahlen sind oder bleibe ich dem eher fern? Je mehr Leute wir bei der allerersten Wahl erwischen, desto besser mit Blick auf die langfristige Wahlbeteiligung." Denn Erstwähler können noch nicht auf eine Wahlhistorie zurückgreifen und haben so keinen anderen Referenzpunkt.

Diese erste Wahl sei ganz entscheidend, betont der Politikprofessor Leininger. "Da wird so eine Art Gewohnheit gesetzt".
Diese erste Wahl sei ganz entscheidend, betont der Politikprofessor Leininger. "Da wird so eine Art Gewohnheit gesetzt". Copyright 2005 AP. All rights reserved.

Wenn sich die sozialen Umstände durch einen Umzug für das Studium beispielsweise ändern, könne es hingegen durchaus vorkommen, dass man vergisst, sich umzumelden und das nächste Wahlverfahren verpasst. Auch wenn ihr Anteil an den Gesamtwählern gering ist, so zeige sich bei den Erstwählern und Erstwählerinnen unter anderem deshalb eine höhere Wahlbeteiligung als bei der Gruppe der 20- bis 30-Jährigen. Dennoch ist sie Leininger zufolge niedriger als die Beteiligung der Boomer-Generation.

Der Einfluss der jungen Wähler besteht möglicherweise nicht nur darin, wen sie 2026 wählen. Entscheidend könnte auch sein, ob sie überhaupt lernen, wählen zu gehen.

Besonders polarisiert, besonders volatil

Die Gruppe der jungen Wähler sei schwer vorhersehbar. "Man kann das grundsätzlich eigentlich schlecht voraussagen und sagen, die jungen Menschen wählen grundsätzlich die eine oder die andere Richtung", erklärt Leininger. Denn die Bindung an Parteien, aber auch an Gewerkschaften oder Kirchen sinke seit Jahrzehnten. Junge Menschen seien Leininger zufolge nicht mehr in klar politisch geordneten Milieus unterwegs.

"Und entsprechend sind die jungen Generationen in ihrer Wahlsache deutlich volatiler als andere Generationen. Das hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt", so Leininger.

Einen Hinweis darauf, wie junge Menschen politisch ticken, liefert die bundesweite U18-Wahl. Dabei handelt es sich um eine symbolische Wahl, bei der Jugendliche ihre Stimme abgeben können.

Bei der U18-Bundestagswahl im Februar 2025 haben beispielsweise bundesweit über 116.400 junge Menschen mitgemacht. Am meisten Stimmen hat die Linke mit 20,8 Prozent bekommen, darauf folgte die SPD mit 17,9 Prozent. Die Union stand mit 15,7 Prozent knapp vor der AfD mit 15,5 Prozent. Die Grünen erhielten 12,5 Prozent. Fünf Jahre zuvor waren die Grünen noch die stärkste Kraft, AfD und Linke erzielten einstellige Ergebnisse.

"Was man sagen kann, ist, die jungen Menschen reagieren noch viel stärker als die älteren Generationen auf das tagespolitische Klima", so Leininger. Plötzlich sei die Linke vorne bei den jungen Menschen, aber auch die AfD ist mittlerweile sehr stark. Leininger erwartet eine starke Polarisierung in den Wahlentscheidungen. So hat sich auch bei der Bundestagswahl 2025 bei jungen Menschen einen Tendenz zu den Parteien auf entgegengesetzten Seiten des Spektrums ergeben.

Während Jugendliche in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern in diesem Jahr erstmals selbst über die Zusammensetzung des Landtags beziehungsweise Abgeordnetenhauses mitentscheiden, bleiben 16- und 17-Jährige in Sachsen-Anhalt außen vor. Politisch macht das einen Unterschied, wenn auch vermutlich keinen großen für das Gesamtergebnis.

Und gerade weil viele von ihnen erstmals an einer Wahl teilnehmen, könnte ihre Bedeutung über den Wahltag hinausgehen. Ob sie wählen gehen, wie sie sich informieren, könnte ihre politische Beteiligung langfristig prägen.

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