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„Die Natur liefert jede Farbe“: Firma braut Alternative zu giftigen Chemikalienfarben

Orr Yarkoni, Geschäftsführer und Mitgründer von Colorifix
Orr Yarkoni, Geschäftsführer und Mitgründer von Colorifix Copyright  Denis Loctier/
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Von Denis Loktev
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Giftige Chemiefarben der Mode landen oft im Meer: Können Hersteller Farben künftig direkt aus der Natur gewinnen?

Die Modebranche gehört zu den größten Umweltverschmutzern der Welt. Vor allem das Färben von Stoffen trägt dazu bei. Der Prozess verschlingt enorme Mengen Wasser, Energie und Chemikalien und hinterlässt langfristige Spuren in der Umwelt.

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„Die Branche setzt im Färbeprozess mehr als siebzig hochgiftige Chemikalien ein“, sagt Orr Yarkoni, CEO und Mitgründer von Colorifix, gegenüber Euronews Earth.

Er erklärt, dass diese Zahl nicht nur die Farbstoffe selbst umfasst, sondern auch zusätzliche Chemikalien, die die Farbe an den Stoff binden. „Über dreißig davon lassen sich nicht wieder aus dem Wasser zurückholen. Egal, wie man das Wasser nach der Nutzung behandelt, sie bleiben darin und landen schließlich im Ozean.“

Laut Yarkoni reicht die Abhängigkeit der Branche von synthetischen Farbstoffen ins 19. Jahrhundert zurück. Damals wandten sich Hersteller von natürlichen Alternativen ab.

„Die Branche setzte auf billige und sehr wirksame Chemie, die sich leider als ziemlich toxisch für alles Leben erwiesen hat – auch für Menschen“, sagt er. Der Ausstieg aus diesen Stoffen kommt nur langsam voran, vor allem weil lange tragfähige Alternativen für den Einsatz im großen Maßstab fehlten.

Colorifix entwickelt Farbstoffe mithilfe von Biologie statt klassischer Chemie
Colorifix entwickelt Farbstoffe mithilfe von Biologie statt klassischer Chemie The Earthshot Prize

Farben brauen wie Bier

Colorifix orientiert sich direkt an den Methoden der Natur zur Pigmentproduktion, ohne Farbstoffe aus Pflanzen oder Tieren zu extrahieren. „Wir nutzen die Information darüber, wie Pigmente oder Farbstoffe in der Natur hergestellt werden“, sagt Yarkoni Euronews Earth.

Das Unternehmen schleust diesen genetischen Code in Bakterien ein, die es anschließend in Fermentationstanks vermehrt. „Das läuft sehr ähnlich wie bei der Herstellung von Bier. Nur dass wir statt Alkohol die Farbe brauen“, erklärt er.

Sind die Bakterien geerntet, ersetzt der biologische Farbstoff – zusammen mit der Biomasse, die beim Anbinden an den Stoff hilft – die synthetischen Chemikalien, die üblicherweise im Färbeprozess zum Einsatz kommen.

Yarkoni zufolge bringt das deutliche Umweltvorteile, am Beispiel von Polycotton: „Wir erreichen Einsparungen von bis zu 77 Prozent beim Wasser, 51 Prozent bei der Energie und 31 Prozent bei den Emissionen, wenn wir den Prozess biologisch gestalten.“

Er betont jedoch, dass ein natürlicher Ursprung ein Produkt nicht automatisch sicher macht. „Natürlich bedeutet nicht nicht giftig“, sagt er. Colorifix teste jeden Farbstoff auf Zytotoxizität, Hautreizung und Allergierisiko und gehe damit über die Standardprüfungen für synthetische Farbstoffe hinaus.

„Wir wollen nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen und etwas vorantreiben, das zunächst vielversprechend aussieht, später aber schwerwiegende Probleme verursacht.“

Eine weitere Hürde: Die Farbstoffe müssen die hohen Anforderungen der Textilindustrie erfüllen. Die Farben dürfen im Sonnenlicht nicht ausbleichen, müssen viele Waschgänge überstehen und dürfen nicht auf die Haut abfärben.

„Wir haben Hunderte von Farben entwickelt“, sagt Yarkoni. Colorifix bietet inzwischen eine komplette Farbpalette für synthetische Fasern wie Polyester und eine noch begrenzte, aber wachsende Auswahl für Baumwolle und andere zellulosische Stoffe.

Bakterien können ein breites Farbspektrum erzeugen
Bakterien können ein breites Farbspektrum erzeugen The Earthshot Prize

Vom Labor in die Industrie

Colorifix ist inzwischen über die Forschung hinaus und in die kommerzielle Anwendung gegangen. Laut Yarkoni setzen bereits große Modemarken auf die Technologie. Das Unternehmen verschickt seine Farbstoffe inzwischen auch als gebrauchsfertige Konzentrate, anstatt von Herstellern zu verlangen, eigene Fermentationsanlagen aufzubauen.

„Wir bringen diese Produkte jetzt als Konzentrate auf den Markt. Das bedeutet, wir können das Produkt so liefern, dass es direkt in der Färbemaschine eingesetzt werden kann – ohne zusätzliche Verarbeitung vor Ort“, sagt er.

Yarkoni schreibt die wachsende Bekanntheit von Colorifix auch der Anerkennung als Earthshot Prize-Finalist zu. „Das hat unsere Lösung sehr sichtbar gemacht und mehr Aufmerksamkeit bei Marken und Herstellern geschaffen“, sagt er. „Seit dieser medialen Präsenz erreichen uns Anfragen aus der ganzen Welt.“

Mit Blick nach vorn plädiert Yarkoni dafür, Petrochemikalien nur dort einzusetzen, wo es keine natürlichen Alternativen gibt – und nicht flächendeckend in Branchen wie der Mode. „Farbe ist eines der ungeeignetsten Dinge, die man aus Petrochemikalien herstellt, denn die Natur erzeugt jede denkbare Farbe – und trotzdem bleiben die Flüsse sauber.“

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