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Gen Z setzt wieder auf Retro-Technik: von iPods bis Kabelkopfhörern

Vier junge Leute sitzen in einem Raum im Retro-Stil.
Vier junge Menschen sitzen in einem Retro-Zimmer. Copyright  RDNE Stock Project/Pexels
Copyright RDNE Stock Project/Pexels
Von Indrabati Lahiri
Zuerst veröffentlicht am
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Immer mehr junge Menschen aus der Gen Z legen soziale Medien beiseite und greifen zu Retro-Technik wie Klapphandys und Schallplatten.

Soziale Netzwerke und die digitale Welt bestimmen seit einigen Jahren immer stärker unseren Alltag. Besonders stark trifft das die jüngeren Generationen wie Gen Z und Gen Alpha, die praktisch komplett im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind.

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Endlose Bildschirmzeit, dauernde Benachrichtigungen und die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), führen dazu, dass immer mehr Menschen „chronisch online“ sind – und dass Probleme wie Depressionen, Angstzustände und ein geringes Selbstwertgefühl zunehmen.

Immer mehr Werbung und Tracking‑Funktionen sowie wachsende Sorgen um Datenschutz und Sicherheit verstärken zudem das Unbehagen gegenüber Plattformen wie Instagram, TikTok und Facebook.

Darauf reagieren viele Angehörige der Gen Z, indem sie wieder zu Retro‑Technik greifen: Klapphandys, iPods oder analoge Kameras dienen ihnen als digitale Entgiftungskur und als Pause von sozialen Medien.

Warum Retro‑Technik bei jungen Menschen boomt

Immer mehr Menschen aus der Gen Z interessieren sich für Technik aus den frühen und mittleren 2000er‑Jahren. Sie suchen damit einen Ausweg aus dem Dauerstrom an Benachrichtigungen, Druck und Nervosität, der viele soziale Medien begleitet.

Manche sehen „Dumbphones“, also einfache Handys, als Chance, die täglichen Stunden am Smartphone und den algorithmischen Lärm zu reduzieren. Sie wünschen sich ein langsameres, friedlicheres digitales Leben.

Solche einfachen Geräte mit nur einem Zweck lenken weniger ab. Es fehlen Werbung, Tracking und ständige Hinweise. Nutzer können sich besser auf wichtige Ziele konzentrieren oder einfach ganz bei Freunden und Familie sein. Manchmal bedeutet das auch, schlicht schwerer erreichbar zu sein.

Retro‑Technik und physische Medien vermitteln außerdem das Gefühl echter Besitzrechte, statt endloser Streaming‑Abos, deren Regeln oder Preise sich jederzeit ändern können. Das schafft eine bewusstere, haptische Erfahrung. Alben gehören wirklich den Nutzerinnen und Nutzern – ohne das Risiko, sie plötzlich durch auslaufende Lizenzen zu verlieren.

Für manche aus der Gen Z wirken Retro‑Geräte wie alte Kameras und ihre körnigen Fotos authentischer als hoch kuratierte, gefilterte Feeds. Viele dieser Gadgets sind auch begehrt, weil ihre Formen und Farben auffallen – im Gegensatz zu der immer minimalistischer werdenden modernen Technik.

Nicht zuletzt gelten Vintage‑Geräte als spielerisches Stilmittel und persönliches Statement für junge Leute, die die Kultur der 2000er‑Jahre lieben.

Welche Retro‑Technik Gen Z gerade begeistert

Mehrere alte Geräte erleben dank des Interesses der Gen Z ein Comeback. Einige Modelle stechen besonders hervor.

Digitalkameras und Camcorder aus den frühen 2000ern

Frühe Digitalkameras liegen wieder im Trend, obwohl ihre Bilder körnig, übersättigt und technisch längst nicht perfekt sind. Für viele bieten sie die ideale Flucht vor überbearbeiteter Smartphone‑Fotografie und fangen eine rohe, unverstellte Ästhetik ein.

Gen‑Z‑Nutzer mögen das Vintage‑Farbprofil und den harten Blitz dieser Y2K‑Kameras ebenso wie den Überraschungseffekt, weil sie kein makelloses Live‑Preview zeigen. Handliche Camcorder mit Band sind große Favoriten, um Nächte und Festivals mit einem nostalgischen Look zu filmen.

Beliebt sind etwa die Reihen Canon PowerShot, deren ältere Modelle wie PowerShot ELPH und die G‑Serie durch virale Trends und Auftritte von Prominenten einen deutlichen Schub erhalten.

Der schlanke, farbenfrohe Sony Cyber‑shot aus der Mitte der 2000er‑Jahre gilt weiter als Klassiker: wegen seines markanten Retro‑Blitzes. Auch die Nikon‑Coolpix‑Modelle sind gefragt – für ihr farbiges Bildrauschen und die frühe Farbgebung.

Dumbphones und Klapphandys

Einfache Handys nur mit Grundfunktionen feiern ebenfalls ein großes Comeback, meist als Zweitgerät für Wochenenden oder Abende mit Freunden. Viele wechseln dafür ihre SIM‑Karte in ein altes Klapphandy, um bewusst offline zu gehen.

Solche Telefone beschränken den Zugang zu Apps und Hinweisen, die vom eigentlichen Zusammensein ablenken. Telefonieren und SMS funktionieren trotzdem.

Das reduziert Bildschirmzeit und endloses Scrollen und kann der psychischen Gesundheit gut tun.

Manche halten den Trend für eine kurze Modeerscheinung. Andere glauben, dass künftig mehr Menschen werktags ihr Smartphone nutzen und für Freizeitpläne bewusst auf ein Dumbphone umsteigen.

Marken wie Nokia/HMD gewinnen stark an Popularität zurück. Das Modell Nokia 2660 Flip etwa gilt wegen seines starken Akkus, des niedrigen Preises und des handlichen Formats als Favorit.

Handhelds und klassische Konsolen

Geräte wie der Nintendo Game Boy oder die PlayStation Portable (PSP) gehören zu den Retro‑Gadgets, die derzeit besonders gefragt sind. Sie ermöglichen Spielen ohne ständige Updates und ohne Mikrotransaktionen, wie sie heutige Konsolen oft voraussetzen.

Das schafft eine offline, stressarme Umgebung für Menschen, die vollständige Spiele ohne Zusatzkäufe schätzen. Zugleich fällt der Druck weg, sich mit Online‑Ranglisten, täglichen Aufgaben und Wettbewerbs‑Multiplayer zu messen.

Im Unterschied zu digitalen Bibliotheken, die an verfallende Abos gekoppelt sind, fühlt sich eine eigene Handheld‑Konsole oder ein physisches Modul viel dauerhafter und echter an – und kostet meist deutlich weniger.

Das Sammeln älterer Systeme wie Game Boy, PS2 oder SNES ist für viele zu einem angesagten Hobby geworden. Geschätzt werden dabei auch die robuste Bauweise und die lange Lebensdauer.

Kabel‑Kopfhörer und In‑Ears

Auch Kabel‑Kopfhörer erleben einen Aufschwung. Y2K‑Mode macht die herabhängenden Kabel zum Stilstatement, verstärkt durch Influencer, Stars und Pop‑Ikonen.

Viele halten sie zudem für praktischer: Sie müssen nicht geladen werden, liefern verzögerungsfreien Ton beim Video‑Schauen, Spielen oder Musikhören und sind deutlich günstiger als hochwertige Funk‑Modelle. Durch das Kabel gehen sie seltener verloren.

Für manche unterstützt das eine bewusstere Nutzung von Technik. Musik wird zu einer gezielten Aktivität und nicht zu einem kaum wahrnehmbaren Dauerhintergrund.

Vinyl und CDs

Vinyl‑Schallplatten, CDs und Retro‑Kassettenplayer bieten beim Musikhören ein haptisches Ritual, das Streaming‑Dienste wie Spotify nicht kennen. Cover anfassen, Hüllen öffnen, Tapes in ein Deck schieben – all das lässt Musik realer und besonderer wirken.

Statt alle zehn Sekunden den Track zu wechseln, legt man ein ganzes Album auf und hört es von Anfang bis Ende. Das lädt zu intensivem Zuhören ein.

Wie Dumbphones und Handheld‑Konsolen stehen auch diese Tonträger für dauerhaften Besitz – etwas, das heute selten geworden ist. Gleichzeitig schenken sie eine Pause von Bildschirmmüdigkeit und digitalem Lärm.

Ältere, individuell gestaltete Technik setzt zudem persönliche Akzente im Schlafzimmer oder im Wohnraum. Sie erlaubt jungen Menschen, ihren eigenen Stil und Musikgeschmack sichtbar zu machen.

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