Die Täter sollen mit eigens konstruierten Flugkörpern leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen geschossen haben, um Kurzschlüsse auszulösen. In zwei Fällen sei dies gelungen. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) sprach von einer gezielten Sabotageaktion.
Am Umspannwerk Turnow/Preilack nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Südbrandenburg hat es am Dienstag einen Zwischenfall gegeben. Die Polizei war am Morgen gegen 8 Uhr zunächst wegen des Verdachts auf eine Sachbeschädigung alarmiert worden.
Einsatzkräfte sollen dann vor Ort mehrere mutmaßlich selbstgebaute Vorrichtungen entdeckt und entschärft haben. Die Polizei spricht von „unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen".
Bei einer Pressekonferenz am Nachmittag hat Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) den Angriff auf die Energie-Infrastruktur als gezielte Sabotageaktion bezeichnet. Die Täter hätten eigens gebaute Flugkörper eingesetzt, um leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen zu schießen und dadurch Kurzschlüsse auszulösen. In zwei Fällen sei dies gelungen. Am Tatort stellten die Ermittler weitere Vorrichtungen sicher. Inzwischen liegt die Zahl der beschlagnahmten Brand- und Sprengvorrichtungen im zweistelligen Bereich.
Redmann widersprach deutlich der ursprünglichen Darstellung in den Medien, es habe sich um gewöhnliche Silvesterraketen gehandelt. Die Flugkörper seien speziell für den Angriff konstruiert worden, um leitfähiges Material zu den Leitungen zu transportieren. Die Herstellung habe erheblichen Aufwand erfordert. Ob dafür spezielles Fachwissen erforderlich war, sei noch Gegenstand der Ermittlungen.
Das mutmaßliche Ziel war offenbar, einen großflächigen Stromausfall rund um das nahegelegene Kohlekraftwerk herbeizuführen.
Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang offen. Ein Bekennerschreiben gibt es nicht. Die Ermittler schließen weder einen linksextremen Hintergrund noch eine Beteiligung ausländischer Saboteure aus.
Nach dem Vorfall hat sich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erleichtert darüber geäußert, dass es keine Verletzten gab. Woidke machte zugleich deutlich, dass Angriffe oder mögliche Anschläge auf kritische Infrastruktur nicht unterschätzt werden dürften. Die Häufung solcher Fälle sei ein Warnsignal. Einrichtungen dieser Art müssten daher besser geschützt werden.
Der Ministerpräsident lobte außerdem die Einsatzkräfte und die Mitarbeiter des Umspannwerks sowie des Kraftwerks Jänschwalde. Ihr schnelles und umsichtiges Eingreifen habe dazu beigetragen, dass die Situation nicht eskalierte.
Das Umspannwerk Turnow/Preilack liegt in der Gemeinde Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Die Anlage ist ein wichtiger Knotenpunkt im Stromnetz der Lausitz und steht in Verbindung mit dem nahegelegenen Braunkohlekraftwerk Jänschwalde.
Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde gehört zu den größten Kraftwerken Deutschlands. Mit einer Leistung von insgesamt 2.000 Megawatt rangiert es auf Platz vier. Jänschwalde liefert Strom für mehrere Millionen Haushalte und spielt zugleich eine Rolle bei der Fernwärmeversorgung der Stadt Cottbus. Rund fünf Kilometer Luftlinie nördlich des Kraftwerks liegt das Umspannwerk Turnow-Preilack.