Die Rettungsarbeiten kamen am Montag wegen heftiger Regenfälle nur schleppend voran. Die zum Monsun gehörenden Niederschläge lösen oft Sturzfluten aus.
Nach den tödlichen Sturzfluten im Grand Canyon gilt nur noch eine Person als vermisst. US-Parkranger konnten inzwischen mit über einem Dutzend zuvor vermissten Menschen Kontakt aufnehmen.
Ein monsunartiger Regen über der Nordseite des gewaltigen Canyons schickte am Samstag Wassermassen, Felsbrocken und Geröll durch eine beliebte Wanderroute. Zeltplätze im Bright Angel Canyon und rund um die historische Phantom Ranch wurden weggerissen.
Zwei Männer kamen bei der plötzlich einsetzenden Flut ums Leben. Einsatzkräfte bargen ihre Leichen, während befürchtet wurde, dass noch deutlich mehr Menschen an einem der spektakulärsten Touristenorte der Vereinigten Staaten mitgerissen worden sein könnten.
Am späten Montagabend erklärte Dave Black vom National Park Service, fast alle Menschen, von denen bekannt war, dass sie sich im Canyon aufhielten, seien nun gefunden worden.
„Es gibt aktuell eine Person, deren Verbleib wir noch nicht geklärt haben“, sagte er vor Journalistinnen und Journalisten im Grand Canyon Village in Arizona.
Black zufolge retteten Einsatzkräfte am Samstag und Sonntag 82 Menschen, nachdem eine groß angelegte Operation anlief. Ranger prüften zudem das Genehmigungssystem für Übernachtungs-Camps, um herauszufinden, wer sich zum Zeitpunkt der Katastrophe im Park aufgehalten haben könnte.
„Sie haben Genehmigungen, Kennzeichen und alle verfügbaren Angaben abgeglichen, mit Familien gesprochen und sich vergewissert, dass die Leute den Canyon wieder verlassen haben“, sagte er.
Am Montag erschwerten weitere heftige Regenfälle die Rettungsarbeiten. Für Dienstag rechnete Black mit besserem Wetter. Das solle die Suche nach der noch vermissten Person erleichtern – und nach Tageswanderern, die ebenfalls in die Flut geraten sein könnten. Für Tageswanderungen ist im Canyon keine Genehmigung nötig.
„Wir suchen weiterhin intensiv. Wir hoffen absolut, dass diese Person noch am Leben ist“, sagte Black.
Wasserleitung im Grand Canyon beschädigt
Die Fluten beschädigten oder zerstörten 40 Prozent der Transcanyon-Wasserleitung, einer zentralen Versorgungsleitung für den Grand-Canyon-Nationalpark, teilte der Parkdienst am Montag mit.
Die Behörde verhängte Wasserbeschränkungen im meistbesuchten Parkbereich und untersagte Holz- und Kohlefeuer in Zonen, in denen fehlendes Wasser die Brandbekämpfung erschweren könnte.
Die 20 Kilometer lange Leitung führt nach Angaben der Parkverwaltung vom Quellgebiet Roaring Springs am North Rim zum South Rim. Sie liefert Trinkwasser und wird zur Brandbekämpfung genutzt.
Die Überschwemmungen hatten demnach „erhebliche Auswirkungen auf die Infrastruktur“. Fußgängerbrücken wurden zerstört, Wandernde konnten den Bright Angel Creek nicht mehr überqueren.
Der Grand Canyon blieb trotz der Tragödie für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Am Montag drängten sich Dutzende Menschen, viele davon aus dem Ausland, unter Regenschirmen oder in Regenponchos am South Rim, machten Selfies und versuchten, den tief unten verlaufenden Colorado River zu erkennen.
Auch die von der Südseite in den Canyon hinabführenden Wege waren begehbar. Mitarbeitende warnten jedoch vor möglichen Gefahren, da jederzeit überraschende Regenschauer niedergehen konnten.
Ein Abstieg in das wilde Innerste des Canyons von einem beliebten Startpunkt dauert nach Angaben eines Mitarbeiters für viele Besucherinnen und Besucher rund vier Stunden. Für den Rückweg müssen sie meist weitere sechs Stunden einplanen.
Sturzfluten sind im Norden Arizonas häufig, weil die trockenen, spärlich bewachsenen Landschaften kaum Regenwasser aufnehmen können, heißt es auf der Website des Parks. Besucherinnen und Besucher werden dort aufgerufen, von Juli bis Mitte September besonders vorsichtig zu sein.