Neben den Tausenden getöteten US-Bürgern starben am 11. September auch viele Europäer. Auch nach 25 Jahren stehen einige mutmaßliche Drahtzieher noch nicht vor Gericht.
Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit entführte Flugzeuge New York, Washington und den US-Bundesstaat Pennsylvania trafen. Die Anschläge vom 11. September 2001 sind im kollektiven Gedächtnis der USA so fest verankert wie kaum ein anderes Ereignis der vergangenen 25 Jahre.
Eine neue Ipsos-Umfrage zeigt: Rund die Hälfte der erwachsenen US-Bevölkerung nennt "9/11" ohne Vorgabe als eines der prägendsten Ereignisse ihres Lebens - noch vor der Covid-19-Pandemie, den Wahlen von Barack Obama und Donald Trump oder Hurrikan Katrina im Jahr 2005. Neun von zehn Menschen sind der Ansicht, die Anschläge hätten das Land "sehr stark" oder "deutlich" verändert.
Die meisten Amerikaner wissen zudem noch genau, wo sie waren, als sie von den Ereignissen hörten. Trotz dieser bleibenden Wunde plant jedoch nur etwa einer von zehn Menschen, den 25. Jahrestag aktiv zu begehen. Wer dies tut, hält meist einen Moment inne oder hisst die Flagge.
Das Vertrauen in die Fähigkeit der Regierung, einen weiteren Anschlag zu verhindern, ist seit den Rekordwerten in den Tagen nach 2001 stetig gesunken.
25. Jahrestag: So wird erinnert
Gedenkveranstaltungen sind an allen drei Orten geplant, an denen die Anschläge verübt wurden.
In New York sollen Angehörige der Opfer auf der Memorial Plaza zusammenkommen und die Namen der Getöteten verlesen. Die Lesung soll von sieben Schweigeminuten unterbrochen werden - eine mehr als in früheren Jahren, um auch derjenigen zu gedenken, die später an Erkrankungen im Zusammenhang mit 9/11 gestorben sind.
Auch am Pentagon in Arlington und am Flight 93 National Memorial in Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania sind Zeremonien geplant.
US-Präsident Donald Trump nimmt in diesem Jahr nicht an der Zeremonie in New York teil, sondern wird bei der Gedenkveranstaltung am Pentagon sprechen.
Vizepräsident JD Vance wird am Ground Zero in New York erwartet. Auch die früheren US-Präsidenten Joe Biden, Barack Obama, Bill Clinton und George W. Bush sollen an der dortigen Gedenkveranstaltung teilnehmen.
Warum heißt es 9/11?
Für manche mag die Abkürzung "9/11" zunächst rätselhaft wirken. Der 11. September ist der elfte Tag des neunten Monats. Da in den USA bei Datumsangaben der Monat vor dem Tag steht, wird daraus "9/11". Die Schreibweise erinnert zugleich an die US-Notrufnummer 911.
Wie viele Europäer starben bei den Anschlägen vom 11. September?
Nahezu 3.000 US-Bürger kamen bei den Anschlägen ums Leben, darunter aber auch Hunderte ausländische Staatsangehörige. Schätzungen gehen von rund 372 nicht-amerikanischen Opfern aus etwa 60 Ländern aus.
Großbritannien verzeichnete nach den USA die höchste Zahl an Todesopfern: 67 Briten starben. Auch Deutschland, Italien, Irland und andere europäische Staaten verloren Bürger, viele von ihnen Beschäftigte der Finanzbranche, die im World Trade Center arbeiteten oder das Gebäude besuchten.
Die US-Finanzfirma Cantor Fitzgerald belegte die Etagen 101 bis 105 im Nordturm des World Trade Centers, direkt über der Einschlagszone von American-Airlines-Flug 11.
Das Unternehmen beschäftigte zahlreiche Europäer. Insgesamt starben dort 658 Mitarbeiter – der größte Verlust an Menschenleben bei einer einzelnen Firma.
Die Zahl der durch die 9/11-Anschläge getöteten Europäer:
- Vereinigtes Königreich — 67
- Deutschland — elf
- Italien — zehn
- Irland — sechs
- Polen — sechs
- Portugal — fünf
- Frankreich — vier
- Rumänien — vier
- BR Jugoslawien (Serbien und Montenegro) — zwei
- Schweden — zwei
- Schweiz — zwei
- Belarus, Belgien, Litauen, Moldau, Niederlande, Russland, Spanien, Ukraine – jeweils ein Opfer
Was geschah mit den Tätern?
Alle 19 Attentäter starben bei den Anschlägen. 15 stammten aus Saudi-Arabien, zwei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie jeweils einer aus Ägypten und dem Libanon.
Hinter ihnen stand das Terrornetzwerk al-Qaida, das die Verantwortung für die Anschläge übernahm. Osama bin Laden, der damalige Anführer der Gruppe, entzog sich fast ein Jahrzehnt lang der Festnahme, bevor er 2011 von US-Spezialkräften in Pakistan getötet wurde.
Sein späterer Nachfolger Ayman al-Zawahiri kam 2022 bei einem US-Drohnenangriff in Kabul ums Leben.
Khalid Sheikh Mohammed, der sich selbst als "Mastermind" des Plans bezeichnete, wurde 2003 in Pakistan gefasst und sitzt seit 2006 im Gefangenenlager Guantánamo Bay. Ihm wird der Mord ersten Grades an 2.977 Menschen vorgeworfen.
Eine US-Militärrichterin hat seinen seit Langem verzögerten Prozess inzwischen für Juni 2028 angesetzt. Er soll gemeinsam mit mehreren mutmaßlichen Mitverschwörern stattfinden, nachdem eine Vereinbarung aus dem Jahr 2024 gescheitert war. Die Männer hätten sich demnach schuldig bekannt, wenn im Gegenzug die Todesstrafe als mögliches Strafmaß entfallen wäre.
Das Verfahren zieht sich seit mehr als zwei Jahrzehnten hin. Grund dafür sind unter anderem anhaltende Streitigkeiten über Beweise, die durch Folter - darunter Waterboarding - an geheimen CIA-Standorten erlangt wurden.