Portugal liefert rund die Hälfte des Weltkorks. Corticeira Amorim, größte Korkfirma, verwandelt Naturkork in Hightech-Material und erschließt neue Märkte. Der Bericht zeigt den Weg von Ernte bis Produktion.
In den Korkeichenwäldern von Corticeira Amorim (Quelle auf Englisch) beginnt die Arbeit bei Tagesanbruch. Die Korkernte läuft von Ende Mai bis August, vieles davon erledigen die Arbeiter noch per Hand.
„Im Schnitt liefert ein Baum rund 170 bis 200 Jahre lang Kork, das erlaubt uns 15 bis 17 Schälgänge“, erklärt Carlos Abreu aus der Kommunikationsabteilung von Amorim Florestal.
Eine Korkeiche braucht mindestens neun Jahre, um ihre Rinde zu erneuern, und etwa 25 Jahre bis zur ersten Ernte. Diese langen Zyklen passen nur schwer zu den Bedürfnissen der kleinen und mittleren Betriebe, die rund 90 Prozent der Zulieferer von Amorim stellen.
„Mit unseren Projekten in den eigenen Wäldern wollen wir anderen Grundbesitzern zeigen, dass sich der Wald auch anders bewirtschaften lässt und trotzdem ein gutes Einkommen bringt“, sagt Nuno Oliveira, Forstdirektor bei Amorim Florestal.
Das Gut Rio Frio dient als Schaufenster für die neuesten Innovationen von Amorim. Die von Menschenhand angelegten Korkeichenwälder gehören zu den größten der Welt und fungieren als Freiluftlabor. Forschende testen hier, wie sich die erste Ernte beschleunigen lässt, wie man die besten Pflanzen auswählt und die Produktivität steigert, ohne das Ökosystem aus dem Gleichgewicht zu bringen. Gesunde Bäume liefern auch hochwertigen Kork.
Die Ernte ist nur der erste Schritt. Noch komplexer ist es, den Rohstoff in eine ständig wachsende Produktpalette zu verwandeln. Ich fahre in den Norden Portugals, in die historischen Werke von Amorim, wo der Kork in eine der modernsten Industrien der Welt einfließt.
Amorim entstand 1870 als Familienbetrieb. Heute ist das Unternehmen ein multinationaler Konzern mit rund 4.000 Beschäftigten, aktiv in mehr als 100 Ländern und mit einem Jahresumsatz von über 1 Milliarde Euro.
Heute kommt Kork in mehr als 30 Branchen zum Einsatz – vom Bau und der Dämmung bis zu Bodenbelägen und Dichtungssystemen. Die Raumfahrt zählt zu den am schnellsten wachsenden Bereichen und ist zugleich stark von Betriebsgeheimnissen abgeschirmt. Im Showroom lassen sich die Hightech-Materialien trotzdem anfassen. Eduardo Soares, Direktor für Innovation und Geschäftsentwicklung, zeigt mir eines der Vorzeigeprodukte.
„P50 ist eines unserer bekanntesten Materialien. Im Kern handelt es sich um einen Korkverbund, einen thermischen Schutzschild, der in mehreren Phasen eines Trägers eingesetzt wird – überall dort, wo Hitzeschutz nötig ist.“
Amorim gibt an, in den vergangenen 10 Jahren mehr als 90 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung gesteckt zu haben. Der Hightech-Ansatz hat auch das Kerngeschäft verändert: den Korken. Das Unternehmen erklärte schon vor Jahren, den Stoff TCA, der für Korkschmecker verantwortlich ist und Wein verderben kann, im Griff zu haben.
Für Portugal ist Kork mehr als nur ein Geschäft. Er gehört zum natürlichen und kulturellen Erbe des Landes. Neue Nutzungsmöglichkeiten zu finden, hilft dabei, dieses Erbe lebendig zu halten.