Die US-Inflation lag im August bei drei Komma vier Prozent und damit wie erwartet. Die Preise stiegen zum Vormonat um null Komma vier Prozent – der kräftigste Anstieg seit Mai kurz vor dem Zinsentscheid der Fed.
Der letzte wichtige Datenpunkt vor der anstehenden Fed-Sitzung liegt vor. Gleichzeitig zahlten Amerikaner an den Zapfsäulen Rekordpreise.
Das US-Arbeitsministerium meldete am Freitagnachmittag, dass die jährliche Inflationsrate stabil blieb. Die Kerninflation, die Lebensmittel und Energie ausklammert, sank von zwei Komma fünf auf zwei Komma vier Prozent.
Alle Werte entsprachen den Erwartungen der Ökonomen. Im Monatswert zeigt sich jedoch, wo der Druck entsteht.
Die Verbraucherpreise stiegen im August um null Komma vier Prozent, nach null Komma eins Prozent im Juli. Das bedeutet eine Vervierfachung der Dynamik und das höchste Tempo seit drei Monaten. Die Jahresrate blieb nur deshalb unverändert, weil sie mit dem starken Sommer 2025 verglichen wird.
Fed-Sitzung: Was die Zahlen bedeuten
Die Märkte hatten sich weitgehend festgelegt, noch bevor die Zahlen veröffentlicht wurden.
Das FedWatch-Tool der Terminbörse CME bezifferte die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts um einen Viertelpunkt bei der Sitzung am 16. September auf 67,4 Prozent. Zuvor lag sie vor der Jackson-Hole-Rede von Vorsitzendem Warsh Ende August bei rund 40 Prozent.
Nach Veröffentlichung der Inflationsdaten sprang die Wahrscheinlichkeit auf 91,6 Prozent.
Warshs erste Grundsatzrede als Vorsitzender markierte den Wendepunkt. Er argumentierte, die US-Wirtschaft habe an Stärke gewonnen, der Arbeitsmarkt entspreche Vollbeschäftigung und er „würde sich schwertun, die allgemeinen Finanzbedingungen als restriktiv zu beschreiben“.
Beim Thema Inflation fand Warsh deutliche Worte: „Wir müssen sicher sein, dass die zugrunde liegende Inflation klar und mit ausreichender Geschwindigkeit auf unser Ziel zusteuert. Andernfalls haben wir noch Arbeit vor uns.“
Nach diesem Maßstab wirken die Zahlen vom Freitag zweideutig.
Die Kerninflation ist nun den zweiten Monat in Folge gefallen und liegt nur noch einen halben Punkt über dem Zwei-Prozent-Ziel. Damit bewegt sich die zugrunde liegende Teuerung in die gewünschte Richtung. Die Beschleunigung im Monatsvergleich weist jedoch in die entgegengesetzte Richtung.
Warsh lehnte es zudem ab, genau zu sagen, was einen Zinsschritt auslösen würde. Er wies die Praxis der sogenannten Forward Guidance zurück und sprach von einem Instrument, das „seine Zeit hinter sich hat“. Die Fed hält ihren Leitzins seit Dezember in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Im Juli stimmten jedoch drei regionale Notenbankchefs dagegen und forderten eine Anhebung – so viele Abweichler in eine Richtung gab es zuletzt 2016.
Energieschock ohne absehbares Ende
Der Druck kommt aus dem Energiesektor, und er nimmt zu.
US-Rohöl-Futures überschritten in dieser Woche die Marke von 100 Dollar je Barrel, da sich die Kämpfe zwischen amerikanischen und iranischen Streitkräften in der Straße von Hormus zuspitzten. Washington griff nach versuchten Raketenangriffen auf ein US-Kriegsschiff fünf iranische Tanker an.
Am härtesten trifft es Diesel.
Der landesweite Durchschnittspreis überschritt am Freitag nach Angaben des Automobilverbands AAA erstmals in der US-Geschichte die Marke von sechs Dollar pro Gallone, zumindest nominal. Lkw-Fahrer und Landwirte zahlen damit rund 63 Prozent mehr als vor einem Jahr.
In Kalifornien liegt der Durchschnitt nahe bei acht Dollar. Benzin kostet landesweit durchschnittlich 4,22 Dollar pro Gallone, vor Kriegsbeginn waren es 2,98 Dollar.
Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien veranlassten Moskau, Diesel-Exporte zu verbieten. Dadurch verschwanden rund 800.000 Barrel pro Tag vom Markt, die Störungen rund um Hormus kosteten weitere 1,2 Millionen Barrel.
Raffinerien mit einer Kapazität von etwa fünf Millionen Barrel pro Tag stehen wegen der beiden Kriege still, insgesamt sind derzeit fast acht Prozent des weltweiten Dieselangebots gestört.
Einige Einzelhändler erheben bereits Lieferzuschläge. Die Wirkung auf die Lebensmittelpreise setzt erfahrungsgemäß verzögert ein, was bedeutet, dass der Energieschock in den Zahlen vom Freitag die vollen Auswirkungen wohl noch nicht zeigt.