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Agentin für Moskau? Anklage gegen Marketing-Unternehmerin aus Berlin

Staatsgeheimnisse können zum Ziel von Agenten werden.
Staatsgeheimnisse können zum Ziel von Agenten werden. Copyright  Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen eine Berliner Marketing-Unternehmerin erhoben, die einem russischen Geheimdienstmitarbeiter über Jahre Zugang zu politischen und militärischen Kreisen verschafft haben soll.

Die Bundesanwaltschaft hat am 7. September 2026 vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts Berlin Anklage gegen die deutsch-ukrainische Staatsangehörige Ilona W. erhoben.

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Ihr wird geheimdienstliche Agententätigkeit vorgeworfen. Die Frau betrieb eine Marketingagentur und stand zugleich einem Lobbyverein vor, wodurch sie weit in militärische und politische Kreise vernetzt war. Laut Anklageschrift unterhielt sie spätestens seit Oktober 2023 Kontakt zu einem hauptamtlichen Mitarbeiter eines russischen Geheimdienstes an der russischen Botschaft in Berlin.

Sie versorgte ihn über Jahre mit Hinweisen zu hochrangigen Veranstaltungen, die er teils unter falschem Namen besuchen konnte, um dort ein eigenes Agentennetzwerk aufzubauen. Sie selbst nahm ebenfalls an solchen Events teil, um mögliche Zielpersonen zu identifizieren. Zudem versuchte sie, Personen aus dem Verteidigungsministerium und der Rüstungsindustrie anzusprechen, und beschaffte im Auftrag ihres Kontaktmanns Informationen zur deutschen Verteidigungspolitik. Ilona W. wurde bereits am 21. Januar 2026 festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Immer wieder Festnahmen von mutmaßlichen Agenten

Solche Fälle häufen sich. Im April hatte die Bundesanwaltschaft in Berlin einen Mann kasachischer Staatsangehörigkeit festnehmen lassen, der Kontakt zu einem russischen Geheimdienst gepflegt und Informationen über deutsche Rüstungs- und Drohnenhersteller sowie Fotos von Militärkonvois weitergegeben haben soll. Bereits im März waren zwei mutmaßliche Agenten festgenommen worden, die einen deutschen Drohnenhersteller ausgespäht haben sollen, im Februar zudem ein Mann mit Verbindung zu Belarus.

Sanktionen nach Drohnenvorfall in Leipzig

Die Bundesregierung hat im September zudem auf einen mutmaßlich russischen Sabotageakt reagiert. Am 4. August war am Flughafen Leipzig/Halle eine sprengstoffbeladene Drohne in der Nähe ukrainischer Frachtflugzeuge entdeckt worden. Innenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul machten am 1. September Russland offiziell verantwortlich. BKA-Ermittlungen hatten laut Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung zwei Tatverdächtige identifiziert.

Als Reaktion kündigte Berlin mehrere Maßnahmen an. Das letzte verbliebene russische Generalkonsulat in Bonn wird zum 18. September geschlossen, mehrere Diplomaten werden ausgewiesen.

Der Vertrag mit dem "Russischen Haus" in Berlin wird gekündigt. Zudem gelten verschärfte Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige, und Deutschland geht härter gegen die russische Schattenflotte vor. Auf EU-Ebene bereitet Außenbeauftragte Kaja Kallas ein weiteres Sanktionspaket gegen rund 1.600 Personen und Unternehmen mit Verbindung zum russischen militärisch-industriellen Komplex vor.

Moskau wies die Vorwürfe als Provokation zurück, schloss im Gegenzug alle drei Goethe-Institute in Russland. Außenminister Sergej Lawrow warf Deutschland vor, einen Krieg gegen Russland zu führen.

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