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Huthi-Angriff auf Saudi-Pipeline lässt Dieselpreis in Europa weiter steigen

Ein von Vantor am Sonntag, 13. September 2026 veröffentlichtes Satellitenbild zeigt die Folgen des jüngsten Drohnenangriffs auf die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien.
Ein von Vantor am Sonntag, 13. September 2026 veröffentlichtes Satellitenbild zeigt die Folgen des jüngsten Drohnenangriffs auf die Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien. Copyright  AP Photo / Satellite image ©2026 Vantor
Copyright AP Photo / Satellite image ©2026 Vantor
Von Marta Pacheco
Zuerst veröffentlicht am
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Fallen saudische Lieferungen länger aus, müssen europäische Raffinerien teurere Alternativen suchen. Weniger Diesel verteuert Transport, Landwirtschaft und Konsum.

Europa stellt sich auf einen möglichen Schock in der Ölversorgung ein, nachdem Saudi-Arabien seine Ost-West-Pipeline, auch Petroline genannt, geschlossen hat. Zuvor hatten mit Iran verbündete Huthi-Milizen und irakische Kräfte Anfang des Monats Drohnenangriffe verübt.

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Das Energieministerium in Riad kündigte am zehnten September eine vorsorgliche Stilllegung an. Am Vortag hatte es Drohnenangriffe auf Abschnitte der Leitung in den Regionen Riad und Medina gegeben.

Die Angriffe legten eine der wichtigsten Alternativrouten des Königreichs zur inzwischen blockierten Straße von Hormus lahm. Über diese Meerenge läuft etwa ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen. Seit die USA und Israel am achtundzwanzigsten Februar militärische Angriffe auf Iran begonnen haben, ist dieser Engpass weitgehend unpassierbar.

Zuletzt transportierte die Pipeline rund vier bis fünf Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Das entspricht etwa vier bis fünf Prozent des globalen Angebots. Die Unterbrechung zeigt erneut, dass die Strategie der EU zur Diversifizierung ihrer Energiequellen nur eine zusätzliche, aber keine umfassende Sicherheit bietet.

Was ist mit der saudischen Ölpipeline passiert?

Die diplomatischen Gespräche zur Beendigung des Krieges in Iran kommen kaum voran. Teheran und seine Verbündeten in der Region setzen stattdessen auf eine koordinierte Strategie und greifen saudische Energieinfrastruktur an. Ziel ist es, die Ölausfuhren des Landes über seine Ost-West-Verbindung zum Roten Meer vollständig zu blockieren.

Der Angriff, der die 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline außer Betrieb setzte, traf die Route, über die Rohöl aus den östlichen Förderfeldern Saudi-Arabiens zum Rotmeerhafen Yanbu gelangt. Damit umgeht das Land die Straße von Hormus.

Saudi-Arabien ließ die Ost-West-Pipeline im Jahr 1981 nach der Islamischen Revolution im Iran bauen. Sie sollte eine alternative Exportstrecke schaffen, die nicht durch die Straße von Hormus führt.

Die Leitung verläuft von den ölreichen Regionen im Osten des Königreichs bis zum Hafen Yanbu am Roten Meer. So kann saudisches Öl die Weltmärkte erreichen, ohne den Engpass von Hormus zu passieren.

Ost-West-Rohölpipeline von Abqaiq nach Yanbu.
Ost-West-Rohölpipeline von Abqaiq nach Yanbu. International Energy Agency

Welche Folgen hat das für Europa?

Europäische Raffinerien müssen ihre Rohölversorgung neu ordnen, seit Saudi-Arabien begonnen hat, einzelne Öl-Ladungen aus Yanbu zu stornieren. Hintergrund ist der Ausfall der Ost-West-Pipeline.

Die Energie-Preisagentur Argus berichtete am fünfzehnten September, dass mindestens drei europäische Raffinerien betroffene Lieferungen für Ende September gestrichen oder verschoben bekamen, teils bis in den November. Argus berief sich auf nicht namentlich genannte Marktquellen.

Der polnische Konzern Orlen, einer der größten Abnehmer saudischen Öls, hat 16 zusätzliche Lieferungen aus Norwegen, Großbritannien, Algerien, Kasachstan, Aserbaidschan und aus Amerika gekauft, um seine Raffinerien bis Ende Oktober in Betrieb zu halten.

„Wir informieren, dass die Öllieferungen nach Polen und an die übrigen Raffinerien der Orlen-Gruppe laufend erfolgen und ihren Bedarf vollständig abdecken“, erklärte der Konzern am sechzehnten September auf der Plattform X.

Raffinerien wandeln Rohöl in Diesel, Benzin, Kerosin und andere Produkte um, die in der gesamten Wirtschaft benötigt werden. Diese Anlagen lassen sich jedoch nicht beliebig austauschen. Sie sind auf bestimmte Rohölsorten ausgelegt.

Warum braucht Europa saudisches Öl?

Europa ist auf saudisches Rohöl angewiesen, weil einige Sorten aus Saudi-Arabien genau zu den technischen Gegebenheiten europäischer Raffinerien passen. Das gilt besonders für mittlere und schwerere, relativ schwefelhaltige Qualitäten.

Ersetzen lässt sich dieses Öl zwar, doch vergleichbare Sorten in ausreichender Menge zu finden, ist teuer. Oft müssen die Betreiber ihre Anlagen anpassen. Das ist komplex und heikel, zumal der Kontinent ohnehin unter hohen Energiepreisen leidet.

Ohne saudisches Öl könnten Raffinerien gezwungen sein, mehrere Rohölsorten zu mischen, um die Eigenschaften der bisherigen saudischen Lieferungen nachzubilden.

„Europäische Raffinerien, die auf arabisches Rohöl über das Rote Meer angewiesen waren, müssen Alternativen finden. Aber Rohöl ist nicht gleich Rohöl“, sagte June Goh, leitende Ölanalystin beim Marktbeobachter Sparta Commodities.

Warum dürften die Preise erneut steigen?

Der Ölpreis entsteht auf globalen Märkten. Jeder Angebotsausfall kann sich deshalb weit über das betroffene Land hinaus auf die Preise auswirken.

Rechnen Händlerinnen und Händler mit einem knapperen Markt und sind freie Kapazitäten oder Lagerbestände begrenzt, steigen die Preise oft schon, bevor es zu einem realen Mangel kommt.

Vor dem Schaden an der saudischen Pipeline konnte sie mehrere Millionen Barrel pro Tag transportieren, Schätzungen zufolge etwa 5,5 Millionen. Sie gewann zusätzlich an Bedeutung, seit die Straße von Hormus faktisch blockiert ist.

Nun schätzen Energieanalysten, dass rund 3,5 bis 4 Millionen Barrel pro Tag gefährdet sind. Diese Lücke hat die Preise in die Höhe getrieben. Brent-Rohöl wurde zuletzt wegen der steigenden Angebotsrisiken über 113 US-Dollar je Barrel gehandelt.

Mehrere europäische Länder versuchen, den Anstieg der Dieselpreise abzufedern. Die höheren Kosten machen sich direkt an der Zapfsäule bemerkbar und stehen in engem Zusammenhang mit der Stilllegung der saudischen Pipeline.

Wie ernst könnte diese Krise werden?

Wie stark sich die Lage zuspitzt, hängt davon ab, ob Energieinfrastruktur verstärkt zum Ziel weiterer Angriffe wird und wie schnell Saudi-Arabien die Pipeline wieder auf ihre normale Kapazität bringen kann.

Nach Angaben der Marktanalysefirma Kpler sind kleinere Schäden an der Leitung inzwischen behoben. Die Reparatur der beschädigten Pumpstationen und die vollständige Wiederaufnahme des Betriebs könnte jedoch bis zu sechs Wochen dauern, erklärte Homayoun Falakshahi, Leiter der Ölanalyse bei Kpler.

Kpler berichtete am vierzehnten September, dass eine Umgehungsleitung an der beschädigten Pumpstation die Lücke vorübergehend schließt. Es handelt sich aber nur um eine kurzfristige Notlösung.

„Die Raffinerien an der saudischen Westküste senken ihre Auslastung und greifen stärker auf Lagerbestände zurück, während die Exporte aus Yanbu teilweise unterbrochen sind, einschließlich der Lieferungen nach Norden“, so Kpler.

Das Unternehmen schätzte die Rohölbestände am Terminal Yanbu auf rund neuntausend Barrel und die Bestände in den übrigen Raffinerien an der Westküste auf etwa 16.500 Barrel.

„Unter der Annahme, dass kein zusätzliches Öl durch die Pipeline gepumpt wird, reichen diese Vorräte aus, um das derzeitige Tempo der Verladungen und der Raffinerieproduktion für etwa drei beziehungsweise neun Tage aufrechtzuerhalten“, erklärte Kpler.

Saudi-Arabien erklärte am sechzehnten September, es erwarte, in den kommenden Tagen etwa die Hälfte der bisherigen Pipelinekapazität wiederherzustellen. Viele Analystinnen und Analysten bewerten die Lage deshalb etwas optimistischer. Die Infrastruktur bleibt jedoch verwundbar und könnte erneut angegriffen werden.

Bleiben die Schäden länger bestehen, drohen Europa höhere Preise für Rohöl und für verarbeitete Produkte. Damit würde auch der Inflationsdruck wieder zunehmen.

Solange die Pipeline nicht wieder normal arbeitet, bleibt ein regionales Logistikproblem ein mögliches Engpassrisiko für europäische Raffinerien. Für Regierungen wird es zu einem weiteren Test, wie weit sie Verbraucherinnen, Verbraucher und Industrie noch entlasten können.

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