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Frankreich: Rendite auf Staatsanleihen steigt auf höchsten Stand seit 2002

Das französische Wirtschaftsministerium (Archivbild).
Das französische Wirtschaftsministerium (Archivbild). -  Copyright  AP Photo/Jacques Brinon
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Von Nathan Joubioux
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Frankreichs Rendite für zehnjährige Staatsanleihen steigt erneut und nähert sich fünf Prozent. Anleger trauen der rasant wachsenden Staatsverschuldung immer weniger.

Für die Regierung häufen sich die schlechten Nachrichten. Die Rendite für französische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit stieg an diesem Donnerstag, dem 1. Oktober, um zehn Uhr auf 4,94 %, nach 4,85 % zum Börsenschluss am Mittwoch. Ein vergleichbares Niveau gab es zuletzt 2002, als französische Staatsanleihen am Sekundärmarkt 4,91 % abwarfen.

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Noch bemerkenswerter: Die Zinsen legten im abgelaufenen Quartal so stark zu wie seit fast vierzig Jahren nicht mehr. Auch im Monatsvergleich verzeichnen sie den kräftigsten Anstieg seit 2022.

Der erneute Anstieg zeigt, wie sehr Investoren der französischen Staatsverschuldung zunehmend misstrauen. Gleichzeitig legt die Regierung an diesem Donnerstag die Grundzüge eines möglichen Staatshaushalts für 2027 vor. Für Premierminister Sébastien Lecornu wird das zur Kraftprobe, zumal Frankreich seit 1973 keinen ausgeglichenen Haushalt mehr verabschiedet hat.

Der Rekordanstieg kommt dennoch nicht überraschend. Bereits am Vortag beklagte der Hausherr von Matignon, die Warnsignale seien im öffentlichen Streit „fast unbemerkt“ geblieben. „Die Spannungen auf den Energiemärkten treiben die Zinsen in vielen Ländern nach oben. In Frankreich verstärkt die politische Unsicherheit vor der Präsidentschaftswahl diesen Druck“, schrieb der Premierminister auf X. „Wir sollten diese Schwierigkeiten nicht noch durch zusätzliche Instabilität verschärfen.“

„Mehr Zinsen bedeuten weniger Spielraum für die Prioritäten des Landes. Diese Realität betrifft alle: Regierung, Parlament, Präsidentschaftskandidaten. Die Wirklichkeit holt uns ein“, betonte Sébastien Lecornu, der bereits angekündigt hat, 54 Milliarden Euro einzusparen.

Die Brisanz zeigt sich auch im Abstand zu Deutschland, dessen Zinsniveau in Europa als Referenz gilt. An diesem Donnerstag liegt die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen bei 3,61 %, also rund 1,30 Prozentpunkten weniger als in Frankreich. Der sogenannte deutsch-französische Spread weitet sich immer weiter aus und erreicht den höchsten Stand seit vierzehn Jahren.

Die Börsen reagierten umgehend. Am Donnerstagmorgen eröffneten alle großen europäischen Handelsplätze im Minus. In den ersten Minuten gab der Leitindex in Paris um 0,56 % nach, in Frankfurt um 0,48 %, in Mailand um 0,49 % und in London um 1,10 %.

Édouard Philippe, Präsidentschaftskandidat der Partei Horizon, warnte auf LCI vor einem „Würgegriff“, falls die Schulden weiter steigen und die Zinsen immer höher klettern. In einem solchen Szenario gebe es keine „Handlungsspielräume“ mehr. „Und fast noch schlimmer wäre eine Kombination aus dieser Lage und einem zusätzlichen Schock – einem äußeren Ereignis, politischer Instabilität, irgendetwas, das das System durcheinanderbringt und eine Finanzkrise auslösen kann“, sagte er.

Auch Bruno Retailleau, der für die Republikaner ins Élysée einziehen möchte, sieht eine „Finanzkrise direkt vor uns“. „Ich fordere Emmanuel Macron auf, noch vor Jahresende ein Referendum abzuhalten, um eine Schuldenbremse als Haushaltsregel in unserer Verfassung zu verankern“, erklärte er auf BFMTV.

Frankreichs Schuldenstand: 3 596 Milliarden Euro

Umso größer ist der Druck auf die Regierung, denn die Staatsverschuldung hat in den zwei Amtszeiten von Präsident Emmanuel Macron einen Rekord erreicht. Das verunsichert Investoren und macht die Schuldenfrage zu einem der zentralen Themen vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr.

Die Schulden summieren sich auf 3 596 Milliarden Euro und entsprechen inzwischen 119 % des Bruttoinlandsprodukts. Vieles spricht deshalb dafür, dass die angeschlagenen Staatsfinanzen die Wahlkampagne prägen werden.

Ein Vorschlag zur Lösung des Schuldenproblems sorgt besonders für Streit. Der Kandidat von La France insoumise, Jean-Luc Mélenchon, will die von der Europäischen Zentralbank gehaltenen französischen Staatsanleihen streichen, um Mittel für öffentliche Ausgaben freizumachen. Aus seiner Sicht würde das zusätzliche Ressourcen für Investitionen schaffen.

Diese Idee wies EZB-Präsidentin Christine Lagarde rasch zurück. Sie hält den Vorstoß für eine „klare Verletzung“ der europäischen Verträge, die es Zentralbanken verbieten, Staaten direkt zu finanzieren. Sie warnte, dass Frankreich im Fall eines Schuldenschnitts bei künftigen Anleiheemissionen mit überzogenen Bedingungen rechnen müsste – oder damit, dass Investoren schlicht nicht mehr bereit sind, dem Land Geld zu leihen.

Nach Angaben des französischen Wirtschaftsministeriums halten sehr unterschiedliche Anleger die Staatsanleihen des Landes. Ein Viertel liegt in den Händen französischer Investoren, ein weiteres Viertel bei Anlegern aus der Eurozone und ein Viertel bei Investoren außerhalb der Eurozone. Die restlichen 25 % hält die Banque de France im Rahmen der Anleihekäufe für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

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