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Methan verursacht dreißig Prozent der Erderwärmung: Warum die EU Methanregeln bremst

EU erwägt Aufschub für neue Methanverordnung
EU erwägt Aufschub für neue Methanverordnung -  Copyright  Photo by Chris LeBoutillier on Unsplash
Copyright Photo by Chris LeBoutillier on Unsplash
Von Ruth Wright
Zuerst veröffentlicht am
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„Methan ist derzeit unser schnellstes Mittel, um die Erwärmung zu bremsen. Bevor Minister es lockern, sollten sie genau prüfen, was es wirklich kostet.“

Die EU will neue Vorschriften zur Begrenzung klimaschädlicher Methanemissionen verschieben. Nach ihrer Begründung würde eine spätere Einführung den Druck auf die Energiemärkte „entspannen“ und damit Öl- und Gaspreise senken.

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EU-Energiekommissar Dan Jorgensen steht unter Druck aus Frankreich und von Branchenverbänden. Er schlägt vor, die Regeln um ein Jahr zu verschieben. Anfang der Woche beriet er darüber mit den Energieministern der 27 Mitgliedstaaten.

Methan ist für rund 30 Prozent des Anstiegs der globalen Temperaturen seit der Industriellen Revolution verantwortlich. Es hat erheblich zu den Rekord-Hitzewellen beigetragen, die Europa in diesem Sommer erfasst haben und mindestens 35.000 zusätzliche Todesfälle verursachten.

Was steckt hinter der neuen Methan-Regulierung? Treibt sie Öl- und Gaspreise tatsächlich nach oben – und wie schädlich sind Methanemissionen?

Wie die EU Methanemissionen senken will – und warum die Industrie dagegenhält

Seit 2024 müssen die EU-Mitgliedstaaten Methanemissionen erfassen, melden und überprüfen. Zudem sind sie verpflichtet, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, etwa Lecks aufzuspüren und zu reparieren.

Die neue Regelung, deren Start nun zur Debatte steht, verpflichtet Energieimporteure, dass eingeführte fossile Energieträger denselben Standards genügen. „Die Vorschrift, deren Aufschub sich die Industrie wünscht, betrifft Gas, das entweicht, abgefackelt oder abgelassen wird – also verkaufbares Gas, das verloren geht“, erklärt die Climate Crisis Advisory Group (CCAG). Aus ihrer Sicht würde die Regulierung langfristig mehr Gas verfügbar machen, nicht weniger. „Die Internationale Energieagentur schätzt das Volumen, das sich einfangen und verkaufen ließe, auf rund 200 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Wenn Produzenten verpflichtet werden, diese Verluste zu finden und zu stoppen, gelangt nach und nach zusätzliches Gas auf den Markt. Wer die Regel verschiebt, verschiebt auch diesen Effekt.“

Eigentlich sollte die Verordnung ab dem 1. Januar 2027 gelten. Einige Branchenverbände und Mitgliedstaaten verlangen einen Aufschub um drei Jahre, die EU schlägt jedoch nur ein zusätzliches Jahr vor.

Kritiker warnen, dass Exporteure Europa meiden könnten, falls sie die neuen Vorgaben nicht einhalten können. Das würde die Zahl der Gaslieferanten in einer sensiblen Phase verringern und die Preise steigen lassen. Der Branchenverband Eurogas und 20 weitere Unternehmen und Organisationen fordern deshalb einen Aufschub. „Wichtige Rahmen für Akkreditierung, Verifizierung und Zertifizierung sind noch nicht vollständig etabliert, Lösungen für die Einhaltung entstehen erst, und die Unsicherheit bleibt groß“, heißt es zur Begründung.

Treibt die neue Methan-Regelung die Gasrechnungen hoch?

„Das Argument für den Aufschub lautet, die Regeln würden den Gaspreis erhöhen. Das tun sie nicht. Der Nachweis, wie das importierte Gas gemessen wird, kostet nur einen winzigen Bruchteil des Verkaufspreises. Selbst wenn man jeden Cent davon weiterreicht, würden Haushalte es kaum bemerken“, sagt Sir David King, Vorsitzender der CCAG und früherer Chef-Wissenschaftler der britischen Regierung.

Nach Berechnungen der CCAG liegen die Kosten zur Einhaltung der neuen Methan-Regeln bei etwa 0,07 Euro pro MMBtu. Das entspricht rund 0,3 Prozent des aktuellen Gaspreises, basierend auf Modellen von Rystad Energy für die Clean Air Task Force.

Die Analyse der CCAG führt aus: „Bei den 76 Milliarden Kubikmetern US-Gas, die die EU im vergangenen Jahr gekauft hat, summiert sich das auf rund 190 Millionen Euro. Würde man jeden Cent davon an die Verbraucher weitergeben, würde eine typische Haushaltsgasrechnung um etwa 3 Euro pro Jahr steigen. Schon der Versand einer US-Lieferung nach Asien statt nach Europa kostet allein an Fracht 3,50 Dollar (3 Euro) pro MMBtu mehr.“

„Die Regeln holen zudem Gas zurück auf den Markt, das derzeit einfach in die Luft entweicht.“

Gehen Europas Gasvorräte wirklich zur Neige?

Daten zeigen, dass Europa über genügend Gas für den Winter verfügt. Das gilt auch, wenn die Methan-Verordnung wie geplant greift.

Eine neue Analyse von Data Desk (Quelle auf Englisch) kommt zu dem Schluss: „Zentral- und osteuropäische Staaten haben kurzfristig kleinere Probleme wegen ihrer Abhängigkeit von russischem Gas. Doch keine der ermittelten Engpässe ist so gravierend, dass sie die Methan-Verordnung in ihrer aktuellen Form infrage stellen würde.“

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP sind die Gasspeicher in der EU im Schnitt zu rund 70 Prozent gefüllt, mit deutlichen Unterschieden zwischen den Ländern. In Frankreich liegen die Füllstände bei 82 Prozent, in Deutschland nur bei 57 Prozent.

Wo in Europa entstehen die meisten Methanemissionen?

Nach dem Global Methane Tracker der Internationalen Energieagentur stammen rund 55 Prozent der fossilen Methanemissionen in Europa aus dem Öl- und Gassektor, vor allem aus nachgelagerten Aktivitäten. 45 Prozent gehen auf Kohlebergwerke zurück, vor allem in Polen und der Ukraine.

In Rumänien und dem Vereinigten Königreich sind vor allem die Förderbetriebe für die meisten Emissionen verantwortlich. Norwegen und die Niederlande weisen laut IEA weltweit die niedrigsten Methanintensitäten im Förderbereich auf. Die meisten anderen Länder der Region bewegen sich etwa im globalen Durchschnitt.

Stillgelegte unterirdische Kohleminen sind eine bedeutende, oft übersehene Quelle von Methanemissionen.

Methangas entsteht, wenn organisches Material zu Kohle wird und tief in Flözen eingeschlossen bleibt. Durch den Bergbau entstehen Wege an die Oberfläche, über die ein großer Teil dieses Methans entweicht. Wenn diese Zugänge nicht verschlossen werden, können die Emissionen noch über Jahrzehnte nach der Stilllegung einer Mine anhalten.

Weltweit schätzt die IEA, dass stillgelegte Kohleminen im Jahr 2024 fast 5 Megatonnen Methan ausgestoßen haben. Aus aufgegebenen Öl- und Gasbohrungen kamen etwas mehr als 3 Megatonnen hinzu. Zusammengenommen wären diese Quellen der viertgrößte Emittent fossilen Methans – nach China, den USA und Russland und noch vor Iran, Turkmenistan und Indien.

Da der Großteil der Emissionen aus erst vor Kurzem aufgegebenen Minen und Bohrungen stammt, drängt die IEA auf rasches Handeln. Mögliche Maßnahmen sind das Verstopfen und Überwachen ungenutzter Bohrlöcher, das Abdichten stillgelegter Kohleminen und die Nutzung der Methanströme zur Energiegewinnung.

Insgesamt verantwortet der Energiesektor – mit Öl, Erdgas, Kohle und Bioenergie – mehr als 35 Prozent der menschengemachten Methanemissionen.

Auch Landwirtschaft und Abfallwirtschaft sind große Methanquellen. Das größte Potenzial für schnelle Reduktionen sieht die IEA jedoch im fossilen Energiesektor.

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