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Heftigere Stürme durch Hitze: Welche Länder sind am stärksten gefährdet

Ein Mann geht durch eine überflutete Straße während eines Nor'easter-Sturms am 27. September 2026 in Sea Bright, New Jersey, USA.
Ein Mann geht am Sonntag, 27. September 2026, in Sea Bright (New Jersey, USA) eine überflutete Straße entlang. -  Copyright  AP Photo/Andres Kudacki
Copyright AP Photo/Andres Kudacki
Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am
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Von Farbsehschwäche bis Frauenkleidung: Frühwarnsysteme müssen alle erreichen und auch besonders gefährdete Gruppen nicht zurücklassen.

„Der Klimawandel macht Stürme heftiger und gefährlicher, verschiebt ihre Zugbahnen und bringt immer mehr Menschen in ihre Reichweite“, heißt es im aktuellen WorldRiskReport (Quelle auf Englisch).

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Nach Feststellung des Berichts verursachen Stürme unter allen extremen Naturereignissen die höchsten wirtschaftlichen Schäden, ärmere Volkswirtschaften werden deutlich stärker getroffen als wohlhabende Industriestaaten. Beim Thema Todesopfer liegen sie auf Platz drei, hinter Erdbeben sowie extremer Hitze oder Kälte.

Macht der Klimawandel Stürme gefährlicher?

Der jährliche Bericht der deutschen NGO-Allianz Bündnis Entwicklung Hilft und des Institute for International Law of Peace and Armed Conflict (IFHV) an der Ruhr-Universität Bochum richtet den Fokus in diesem Jahr auf Stürme, eine der häufigsten und zerstörerischsten Naturgefahren weltweit.

„Wir sehen einen Anstieg des Anteils besonders starker Stürme“, sagt die Klimaforscherin Friederike Otto, Mitgründerin von World Weather Attribution (WWA), die in dem Bericht zu Wort kommt.

Nach ihren Worten ist der menschengemachte Klimawandel durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen verantwortlich: Treibhausgase heizen Atmosphäre und Ozeane auf.

„Wenn sich ein tropischer Wirbelsturm unter diesen wärmeren Bedingungen bildet, steht ihm mehr Energie zur Verfügung. Dadurch nehmen Windgeschwindigkeiten und Niederschlagsmengen zu“, sagt Dr Otto.

Angetrieben von warmem Meerwasser breiten sich tropische Wirbelstürme in bislang sturmfreien Regionen aus und verlagern sich Richtung Pole, wie 2017 zu sehen war, als Hurrikan Ophelia die Iberische Halbinsel und Irland traf.

Steigende Wassertemperaturen begünstigen zudem eine rasche Verstärkung von Stürmen. Das erschwert laut Bericht die Umsetzung von Warnungen.

Höhere Temperaturen machen Stürme nicht nur zerstörerischer, sie bringen zusätzliche Gefahren mit sich: ein erhöhtes Risiko für Überschwemmungen, Erosion und Erdrutsche in Küstengebieten infolge des Meeresspiegelanstiegs.

Konvektive Sturmsysteme, von Gewittern bis zu langlebigen Superzellen, bringen durch den Klimawandel mehr Regen, weil wärmere Luft mehr Feuchtigkeit speichern kann.

Welche Länder sind am stärksten vom Sturmrisiko betroffen?

Nur zehn Staaten tragen den Großteil der weltweiten Sturmexposition: die Philippinen, Mexiko, Madagaskar, Mauritius, Japan, China, Mikronesien, die USA, Südkorea und Australien. Zu diesem Ergebnis kommt der Sturmrisiko-Index des Berichts, der 193 Länder bewertet.

Nur zwei europäische Länder liegen unter den Top 100 mit der höchsten Kombination aus physischer Gefährdung und gesellschaftlicher Verwundbarkeit: Portugal (Rang 69) und die Ukraine (Rang 96).

Tropische Wirbelstürme sind in Europa selten, dafür treten außertropische Zyklonen häufiger auf. Sie entstehen über dem Meer und sind deutlich schwächer, beeinflussen aber dennoch das Wetter an Land: „Vor allem in Nordeuropa beobachten wir mehr dieser Stürme. Dadurch sind die Winter deutlich nasser geworden“, sagt Dr Otto.

Arbeiter errichten eine Barriere, um ihre Stadt vor eindringendem Wasser zu schützen, während sich der Hurrikan Polo Puerto San Carlos im Bundesstaat Baja California Sur in Mexiko nähert, Sonntag, 27. September 2026.
Arbeiter errichten eine Barriere, um ihre Stadt vor eindringendem Wasser zu schützen, während sich der Hurrikan Polo Puerto San Carlos im Bundesstaat Baja California Sur in Mexiko nähert, Sonntag, 27. September 2026. AP Photo/Eduardo Verdugo

Das Sturmrisiko ist ungleich verteilt, besonders gefährdet sind Küstenstädte und Inseln. „Städte wie New York und Boston oder Peking und Tokio werden künftig tropische Wirbelstürme erleben“, sagt Dr Otto.

Im umfassenderen World Risk Index, der das Gesamtrisiko durch alle Naturgefahren misst, finden sich 13 europäische Länder in den Top 100. Türkiye ist als einziges europäisches Land unter den Top 50 und liegt auf Rang 38.

Ebenfalls in den Top 100 liegen Italien (Rang 51), Griechenland (56), Spanien (58), Frankreich (78), Albanien (81), Polen (82), Portugal (86), das Vereinigte Königreich (89), Kroatien (92), Belgien (94), die Niederlande (96) und Deutschland (99).

Frühwarnsysteme: Bedeutung und Grenzen

„Die künftige Bedeutung von Stürmen liegt nicht nur in ihrer physikalischen Intensität, sondern auch darin, wie gut sich Gesellschaften anpassen, mit widerstandsfähiger Infrastruktur, verbesserten Vorhersagen, Frühwarnsystemen und Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels“, sagt Dr Otto.

Damit Warnungen wirksam sind, müssen sie klar formuliert sein, marginalisierte Gruppen erreichen und Haushalte berücksichtigen, die für eine Evakuierung aktive Unterstützung brauchen.

„Systeme zur Sturmwarnung müssen Verwundbarkeiten verringern, nicht nur Gefahren verfolgen“, heißt es in dem Bericht. Er plädiert für den Einsatz von All-Vulnerability Warning Systems (AVWS), die „alle Gefahren, alle Zeitskalen und alle Menschen berücksichtigen“. Solche Systeme können etwa eingeschränkte Mobilität durch gesellschaftliche Kleidungsvorschriften für Frauen einbeziehen oder das Risiko, dass Menschen mit Farbsehschwäche Karten falsch lesen.

Der Bericht weist außerdem darauf hin, dass Warnsysteme meist den Wind in den Mittelpunkt stellen und damit die größten Gefahren für Menschen übersehen: Überschwemmungen und Sturmfluten. Da Stürme oft kurz vor der Küste plötzlich an Stärke gewinnen, lassen sich diese Phänomene schwer vorhersagen. Mehrgefahren-Frühwarnsysteme (Multi-Hazard Early Warning Systems, MHEWS), die Lufttemperatur, Niederschlagsart, Niederschlagsmenge, Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Vereisung, Blitze und Tornados erfassen, können helfen.

Wie Staaten sich auf heftigere Stürme vorbereiten können

Staatliche, landesweite Schutzmaßnahmen sind entscheidend, um die Verwüstung durch Stürme zu begrenzen. Ergänzend schließt eine gemeindebasierte Katastrophenvorsorge Lücken, etwa wenn Menschen keinen Zugang zu einem Radio oder einem Mobiltelefon haben.

Versicherungen spielen nach einem Sturm ebenfalls eine zentrale Rolle. Im Globalen Norden decken sie inzwischen etwa die Hälfte aller Sturmschäden ab, im Globalen Süden sind sie für viele Menschen jedoch nicht verfügbar oder unbezahlbar. Das bremst den Wiederaufbau und kann laut Bericht zu einer „Armutsspirale“ führen, die sich über Generationen fortsetzt.

In solchen Situationen springt häufig eine informelle Teilung von Ressourcen ein, doch diese stößt in einer Krise schnell an ihre Grenzen.

Neben besseren Warnsystemen und einer wirksamen Katastrophenhilfe kann auch die Reduzierung von Emissionen dazu beitragen, dass sich Stürme im Zuge des Klimawandels weniger stark verstärken.

„Die Auswirkungen erreichen heute bereits die Grenzen dessen, woran sich Gesellschaften anpassen können, wie wir mit Hurrikan Melissa im Jahr 2025 gesehen haben“, sagt Dr Otto. „Deshalb ist es entscheidend, die Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, damit Gesellschaften überhaupt eine Chance zur Anpassung bekommen.“

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