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China erreicht Wachstumsziel von fünf Prozent, doch schwache Nachfrage zeichnet ein anderes Bild

Archivbild: Eine Frau hebt am 15. Januar 2026 in Beijing, China, ein Kind in die Höhe.
Archivbild. Eine Frau hebt in Peking, China, am 15. Januar 2026 ein Kind hoch. Copyright  Ng Han Guan/AP
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Von Euronews mit AP
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Chinas Wirtschaft erfüllte im vergangenen Jahr die offiziellen Ziele. Ökonominnen und Ökonomen warnen: Exportabhängigkeit könnte 2026 das Wachstum nicht tragen.

China hat sein offizielles Wachstumsziel 2025 erreicht. Treiber waren starke Exporte, trotz der Zölle von US-Präsident Donald Trump. Doch die abnehmende Dynamik von Quartal zu Quartal und eine schwache Binnennachfrage nähren Zweifel an der grundlegenden Stärke der Wirtschaft.

Im Schlussquartal verlangsamte sich das Wachstum auf 4,5 Prozent, wie die Regierung am Montag mitteilte. Es ist das niedrigste Quartalstempo seit Ende 2022, als China begann, strenge Corona-Beschränkungen zu lockern.

Im Vorquartal hatte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auf Jahressicht 4,8 Prozent zugelegt.

Chinas Führung versucht, nach dem Einbruch am Immobilienmarkt und den Verwerfungen der Pandemie wieder mehr Schwung in die Konjunktur zu bringen.

Wie erwartet lag das Jahreswachstum im vergangenen Jahr im Rahmen des offiziellen Ziels von rund fünf Prozent.

Von Oktober bis Dezember wuchs die Wirtschaft zum Vorquartal um 1,2 Prozent.

Starke Ausfuhren kompensierten schwache Konsumausgaben und Investitionen der Unternehmen. Das trug zu einem Rekordhandelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar (1,032 Billionen Euro) bei.

Laut Regierungsdaten legte Chinas Wirtschaft 2024 um fünf Prozent zu, 2023 waren es 5,2 Prozent.

Auch die ehrgeizigen offiziellen Wachstumsziele wurden in den vergangenen Jahren nach unten angepasst: 2019 lagen sie bei sechs bis 6,5 Prozent, 2025 bei rund fünf Prozent.

Für 2026 wird ein langsameres Jahreswachstum erwartet. Die Deutsche Bank prognostiziert rund 4,5 Prozent.

Andere Länder erwägen Zölle

Die chinesischen Exporte in die USA litten, nachdem Trump Anfang vergangenen Jahres ins Amt zurückgekehrt war und Zölle breitflächig anhob, vor allem auf Importe aus China.

Diese Rückgänge glich China mit Lieferungen in den Rest der Welt aus. Der sprunghafte Anstieg der Importe chinesischer Waren veranlasst einige Regierungen, ihre heimische Industrie zu schützen, teils durch höhere Einfuhrabgaben.

Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping einigten sich darauf, den Waffenstillstand in ihrem erbitterten Zollstreit zu verlängern. Das nahm Chinas Exporten etwas Druck. Dennoch sanken Chinas Ausfuhren in die USA im vergangenen Jahr um 20 Prozent.

„Die entscheidende Frage ist, wie lange dieser Wachstumsmotor der wichtigste Treiber bleiben kann“, schrieb Lynn Song, Chefökonom für Großchina bei ING, in einer aktuellen Notiz.

„Sollten weitere Volkswirtschaften die Zölle auf China anheben, wie Mexiko es getan hat und wie die EU es angedroht hat, dürfte der Druck weiter steigen.“

Chinas Führung betont seit Langem, die Binnennachfrage stärken zu wollen. Die Wirkung bleibt bislang begrenzt.

Eintauschprogramme für Geräte

Ein Programm, das Autofahrer dazu motivieren soll, ältere Wagen gegen sparsamere Modelle zu tauschen, hat in den vergangenen Monaten an Schwung verloren.

„Eine Stabilisierung, nicht zwingend eine Erholung, des heimischen Immobilienmarkts ist der Schlüssel, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu stärken und damit den privaten Konsum sowie die privaten Investitionen wachsen zu lassen“, sagte Chi Lo, Senior Market Strategist für Asien-Pazifik bei BNP Paribas Asset Management.

China gewährt zudem Eintauschprämien für Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Fernseher.

Wichtige Maßnahmen zur Stützung des Konsums aus 2025, darunter solche Prämien, sollen 2026 zwar weiterlaufen, könnten aber zurückgefahren werden, schrieb Weiheng Chen, Global Investment Strategist bei JP Morgan Private Bank, in einer jüngsten Notiz.

Investitionen in Künstliche Intelligenz und andere Spitzentechnologien bleiben eine Priorität der regierenden Kommunistischen Partei. China will unabhängiger werden und den USA Konkurrenz machen.

Herausforderungen für kleine Unternehmen

Unterdessen kämpfen viele Menschen und kleine Firmen in China mit harten Zeiten und großer Unsicherheit bei Jobs und Einkommen.

Die 53-Jährige Liu Fengyun, Inhaberin eines Nudelrestaurants in einem kleinen Kreis in der südwestchinesischen Provinz Guizhou, sagt, das Geschäft sei derzeit sehr schwierig.

Manche ihrer Kundinnen und Kunden sagen ihr: „Geld zu verdienen ist gerade schwer“ und „Frühstück zu Hause ist billiger“.

„Alle sagen: ‚Das Umfeld ist im Moment nicht gut. Was kann man da schon erwarten? Die Leute haben kein Geld mehr. Nichts ist jetzt leicht.‘“, sagt Liu.

Kang Yi, Leiter des Nationalen Statistikamts, sagte am Montag vor Journalistinnen und Journalisten, Chinas Wirtschaft habe 2025 trotz vieler Belastungen „stetige Fortschritte“ gemacht und verfüge über „solide Grundlagen“, um Risiken zu begegnen.

Manche Ökonominnen, Ökonomen und Analysten glauben, dass das tatsächliche Wachstum 2025 geringer ausfiel, als die offiziellen Zahlen nahelegen.

Die Rhodium Group, ein Thinktank, erklärte im vergangenen Monat, sie rechne für das vergangene Jahr nur mit 2,5 bis 3 Prozent Wachstum.

Eine starke und stabile Wirtschaft gilt als entscheidend für die soziale Stabilität, eine zentrale Priorität der chinesischen Führung. China könnte diese Stabilität wohl auch bei niedrigeren Wachstumsraten halten. Dennoch „soll die Wirtschaft weiter wachsen“, sagt Neil Thomas, Fellow am Center for China Analysis des Asia Society Policy Institute.

Um bis 2035 das weiche Ziel von 20.000 US-Dollar Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zu erreichen, braucht China wohl dauerhaft rund vier bis fünf Prozent jährliches Wachstum, so Thomas.

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