Vielleicht liegt die Zukunft der deutschen Auto-Industrie in der Elektrobranche. Eine Transformation, die Experten zufolge lange genug verhindert wurde. Jetzt hat die Bundesregierung ein neues Förderprogramm für E-Autos vorgestellt. Das sind die Bedingungen.
Wer sich privat ein Elektro-Auto kaufen will, der kann zukünftig auf staatliche Prämien zählen. So klingt es zumindest am Montag, als Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) das neue Programm zur Förderung von E-Autos vorstellt.
"Wir wollen mit diesem Förderprogramm etwas für die Umwelt tun, für unsere europäische Autoindustrie und für die Haushalte, die sich ohne Unterstützung noch kein Elektroauto leisten konnten", sagte Schneider.
Geplant ist eine sozial gestaffelte Förderung bei Kauf und Leasing von elektrobetriebenen Fahrzeugen. Dafür stellt die Bundesregierung insgesamt drei Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds zur Verfügung.
Je nach Wagen, Einkommen und Familiengröße unterscheidet sich die Summe von 1.500 bis 6.000 Euro. Nach Darstellung des Umweltministeriums könnte dies für "geschätzt 800.000 Fahrzeuge in den nächsten drei bis vier Jahren" reichen.
Das sind die Förderbedingungen
Wer ein reines Elektroauto kaufen möchte, kann die Basisförderung von 3.000 Euro beantragen. Je nach Haushaltsnettoeinkommen gibt es Zusätze. Für Haushalte mit maximal 60.000 Euro Einkommen beläuft sich die Fördersumme auf 4.000 Euro, Haushalte mit einem Maximaleinkommen von 45.000 Euro erhalten 5.000 Euro.
Legt sich eine Familie mit Kind ein neues Elektroauto zu, erhält der Haushalt zusätzlich 500 Euro zur Förderung hinzu, bei weiteren Kindern kann die Subvention um insgesamt höchstens 1.000 Euro steigen. Die Förderung gilt sowohl für den Kauf als auch das Leasing.
Auch Plug-In-Hybride qerden gefördert. Autos, die sowohl mit Storm als auch mit Treibstoff fahren können, werden mit 1.500 Euro Basisförderung bezuschusst.
Beantragen kann man die Förderung voraussichtlich ab Mai, wenn das entsprechende Internetportal bereit ist. Doch die Fördermittel gelten rückwirkend ab 1. Januar. "Das ist ein starker Anschub für die Elektromobilität in Deutschland", sagte Schneider. "Und es ist ein Anschub für unsere heimische Automobilwirtschaft, die starke Elektroautos im Angebot hat."
Förderung von E-Autos 2023 gestoppt
Die Ampel-Koalition hatte eine frühere Förderung von E-Autos Ende 2023 gestoppt, um die Gelder für den Haushalt zu verwenden. Eigentlioch hätte die Prämie erst Ende 2024 auslaufen sollen.
"Wenn ich einen Fehler benennen sollte, den die Politik gemacht hat, dann war das sicherlich der Stop des Kaufprogrammes für Elektroautos Ende 2023", erklärte Wirtschaftswissenschaftler Jens Südekum im Oktober im Interview mit Euronews.
Die Politik habe damit ein fatales Signal gesendet, dass die Transformation zur Elektromobilität nicht so ernst zu nehmen sei. Danach ist der Kauf von Eleoktroautos spürbar zurückgegangen. Der Verkauf von reinen Elektroautos sank 2024 um etwa 27 Prozent auf rund 380.000 Neuzulassungen.
Der Anteil der reinen Elektroautos an allen PKW-Neuzulassungen sank auf 13,5 Prozent im Vergleich zu 18,4 Prozent im Vorjahr. "Erst in die eine Richtung, dann in die andere Richtung zu gehen. Das ist natürlich Gift für die Industrie", kritisierte auch E-Mobilitätsexperte Achim Kampker damals vor dem Auto-Krisengipfel. 2025 erholte sich der Markt und wurde wieder dynamischer mit etwa 19 Prozent Marktanteil von E-Autos.
Das Henne-Ei-Problem der Elektromobilität
"Es ist nicht vorstellbar, wie Deutschland Autoland bleiben will oder Europa diesen Autofokus behalten, wenn wir nicht selber Batteriezellproduktion machen", so Südekum im Oktober zu Euronews. "Ich sehe schon noch die Chance, dass die nächste Generation von Batterien in Europa oder in Deutschland entwickelt werden kann." Für Südekum ist die Batteriezellforschung einer der Punkte, über den Deutschland auch wieder Innovationsführer werden könnte, wie es beispielsweise beim Airbag war.
Ein weiterer Punkt, in dem sich der Top-Ökonom und E-Mobilitätsexperte einig waren, ist die breite Anwendung von Elektromobilität. Während Geschäftswagen oftmals bereits hybride oder Elektro-Modelle sind, zögern Privatpersonen beim Kauf.
Für beide stehe jetzt der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität im Vordergrund. "Das ist ein Henne-Ei-Problem", wirft Südekum ein. "Viele private Anbieter wollen die Ladesäulen nicht aufbauen, weil es noch nicht genug Elektroautos gibt. Und weil es nicht genug Ladesäulen gibt, kaufen die Leute keine Elektroautos."