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Nike unter Anti-Weiß-Verdacht: Trumps Bürgerrechtschefin lädt Sportgiganten vor

Archivbild: Carolina-Panthers-Profi Kawann Short läuft vor einem NFL-Spiel in pinken Schuhen, als Zeichen des Brustkrebsmonats. 16. Oktober 2016.
ARCHIV - Kawann Short von den Carolina Panthers läuft vor einem NFL-Spiel in rosafarbenen Schuhen auf, um den Brustkrebsmonat Oktober zu würdigen, 16. Oktober 2016. Copyright  AP Photo
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Von Una Hajdari mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Die US-Gleichbehandlungsbehörde EEOC will sich per Gericht Zugang zu Unterlagen von Nike sichern. Die Regierung Trump verschärft zugleich ihr Vorgehen gegen Diversity-Programme in Unternehmen.

Eine US-Bundesbehörde zum Schutz der Bürgerrechte von Beschäftigten hat am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie den Sportartikelriesen Nike untersucht. Der Vorwurf: Die Diversity-Strategie des Konzerns benachteilige weiße Beschäftigte.

Die Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) legte das Verfahren in einem Antrag bei einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Missouri offen. Die Behörde fordert darin, dass Nike einer Vorladung vollständig nachkommt und sämtliche angeforderten Informationen herausgibt.

Trumps Kampf gegen DEI

Die Vorwürfe der EEOC sind ein weiteres Beispiel dafür, wie das Weiße Haus die Bürgerrechtsbehörde gegen Diversity-Programme von Unternehmen in Stellung bringt. Die Regierung Trump und EEOC-Chefin Andrea Lucas haben die Prüfung möglicher Diskriminierung im Namen von Diversity, Equity and Inclusion (DEI) ausdrücklich zur Priorität erklärt.

Die Beschwerde kam nicht von Nike-Beschäftigten selbst, anders als es bei EEOC-Verfahren sonst üblich ist.

Stattdessen erhob im Mai 2024 die damalige Kommissarin Andrea Lucas die Vorwürfe. US-Präsident Donald Trump beförderte sie inzwischen zur Vorsitzenden der EEOC.

Ihre Anzeige stützte sich auf frei zugängliche Daten zur Personalpolitik. Dazu gehörten Nikes jährliche „Impact Reports“ und Angaben auf der Unternehmenswebsite.

So verwies sie etwa auf ein Ziel, das Nike im Jahr 2021 öffentlich formulierte: Bis 2025 sollten Menschen aus rassischen und ethnischen Minderheiten fünfunddreißig Prozent der Belegschaft in der Konzernzentrale stellen.

Viele US-Konzerne gaben nach den landesweiten Protesten für Rassengerechtigkeit im Jahr 2020 ähnliche Versprechen ab. Die Demonstrationen hatten auf die Tötung des unbewaffneten Schwarzen George Floyd durch einen Polizisten reagiert.

Voreingenommenheit bei der Auswahl?

Unternehmen betonen, es handele sich dabei nicht um starre Quoten, sondern um Zielmarken. Diese wollten sie etwa durch breitere Rekrutierung und Maßnahmen gegen Vorurteile im Einstellungsverfahren erreichen.

Die Regierung Trump hat den Kampf gegen Diversity, Equity and Inclusion zu einem Grundmotiv ihrer Bundespolitik gemacht. Sie argumentiert immer wieder, DEI untergrabe das Leistungsprinzip und führe zu einer Art umgekehrter Diskriminierung.

DEI steht in den USA als Sammelbegriff für Programme in Unternehmen und Behörden, die benachteiligte oder marginalisierte Gruppen besser schützen und einstellen sollen. Ziel ist es, Hürden etwa aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Behinderung oder anderen Merkmalen abzubauen.

Konservative Kritiker stellen DEI weniger als Versuch dar, historische Benachteiligung zu überwinden, sondern als „positive Diskriminierung“. Ihrer Ansicht nach geraten dadurch bestimmte Bewerberinnen und Bewerber, darunter auch weiße Beschäftigte, ins Hintertreffen.

Solche Erzählungen greifen rechtsextreme Gruppen in den USA und Teilen Europas immer wieder auf.

Dieses Framing dient auch als Begründung für Verfügungen, mit denen Bundesbehörden ihre DEI-Stellen und -Programme zurückfahren sollen. Zugleich ordnet die Regierung Änderungen bei Einstellung, Fortbildung und Auftragsvergabe im gesamten Staatsapparat an.

Weitere DEI-Kontroversen

Das Weiße Haus bringt DEI zudem immer wieder mit prominenten Konflikten in Verbindung.

Nach einem tödlichen Flugzeugabsturz im Großraum Washington, D.C., gleich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit deutete Trump an, DEI-Vorgaben bei der Personalpolitik der Luftfahrtbehörde FAA könnten eine Rolle gespielt haben – Belege legte er nicht vor. Er ordnete eine Untersuchung der Luftfahrt an, die sich ausdrücklich mit den Folgen von „DEI- und woke-Politiken“ befassen sollte.

Verbündete Trumps wiederholten den Vorwurf, DEI habe die Standards in der Flugsicherung gesenkt. Faktenchecker und Branchenexperten widersprachen: Die Schilderungen verzerrten die geltenden Einstellungsregeln und belegten keinen Zusammenhang mit dem Unfall.

Parallel dazu drängt die Regierung darauf, DEI-Aspekte bei den Streitkräften zu streichen – offiziell im Namen der Einsatzbereitschaft. Behörden wie die Umweltbehörde EPA berufen sich auf dieselbe Linie, wenn sie große Förderprogramme streichen.

Auch der breiter angelegte Versuch des Pentagons, DEI-bezogene Inhalte zu löschen, sorgt für Kritik. Verantwortliche mussten einräumen, dass dabei versehentlich auch historisch bedeutsame Materialien entfernt oder im Archiv versteckt wurden.

EEOC nimmt Nike ins Visier

Laut Gerichtsunterlagen verlangt die EEOC von Nike unter anderem die Kriterien, nach denen der Konzern Beschäftigte für Entlassungsrunden auswählt. Sie will zudem wissen, wie das Unternehmen Daten zu ethnischer Zugehörigkeit und „Rasse“ seiner Mitarbeitenden erfasst und nutzt. Hinzu kommen Informationen über Programme, die mutmaßlich Mentoring, Führungstrainings oder Karriereförderung nur für bestimmte Gruppen nach „Rasse“ anbieten.

Nike erklärte in einer Stellungnahme, man habe eng mit der EEOC kooperiert. Die nun beantragte Zwangsvorladung wirke wie „eine überraschende und ungewöhnliche Eskalation“.

„Wir haben der EEOC bereits Tausende Seiten mit Unterlagen und ausführlichen schriftlichen Antworten übermittelt und liefern derzeit weitere Informationen nach“, hieß es in der an die Nachrichtenagentur Associated Press übermittelten Erklärung.

Nike ist bislang das bekannteste Unternehmen, gegen das die EEOC eine offiziell bestätigte Untersuchung wegen angeblicher DEI-Verstöße führt. Bereits im November hatte die Behörde eine ähnliche Vorladung an den Finanzdienstleister Northwestern Mutual geschickt.

„Wenn es starke Anhaltspunkte gibt – einschließlich Eingeständnissen in umfangreichen öffentlichen Unterlagen –, dass DEI-Programme eines Arbeitgebers gegen das bundesweite Verbot von Diskriminierung nach ‚Rasse‘ oder andere rechtswidrige Benachteiligungen verstoßen könnten, ergreift die EEOC alle nötigen Schritte“, erklärte Lucas. Dazu gehörten auch Vorladungen, um eine umfassende Untersuchung zu ermöglichen.

Bürgerrechte für weiße Beschäftigte

Die Offenlegung kommt zwei Monate nach einem Aufruf von Lucas in sozialen Netzwerken. Darin ermunterte sie weiße Männer, sich zu melden, wenn sie am Arbeitsplatz Diskriminierung wegen Hautfarbe oder Geschlecht erlebt haben.

In ihrem Beitrag forderte sie Betroffene auf, die Behörde „so schnell wie möglich“ zu kontaktieren. Sie verlinkte zudem auf ein Merkblatt der EEOC zu Diskriminierung im Zusammenhang mit DEI.

Lucas’ Anzeige folgte nur wenige Monate, nachdem die konservative Juristengruppe America First Legal der EEOC einen Brief geschickt hatte. Die Organisation, gegründet vom langjährigen Trump-Berater Stephen Miller, listete darin Vorwürfe gegen Nike auf und drängte die Behörde, eine sogenannte „Commissioner’s Charge“ einzureichen.

America First Legal hat die EEOC in den vergangenen Jahren mit ähnlichen Schreiben überzogen und immer wieder Untersuchungen der DEI-Praxis großer US-Konzerne gefordert.

Unklar ist, gegen wie viele weitere Unternehmen die EEOC auf diesem Weg Ermittlungen eingeleitet hat.

Die Behörde darf Anzeigen – egal ob von Beschäftigten oder von Kommissarinnen und Kommissaren – nur dann öffentlich machen, wenn daraus Bußgelder, Vergleiche, Klagen oder andere sichtbare Schritte folgen.

Titel VII des Civil Rights Act verbietet Arbeitgebern ausdrücklich, „Rasse“ als Kriterium bei Einstellungen oder anderen Personalentscheidungen zu nutzen.

Lucas warnt seit Langem, viele Unternehmen liefen Gefahr, gegen dieses Gesetz zu verstoßen. Der Civil Rights Act wurde nach langen Kämpfen der US-Bürgerrechtsbewegung verabschiedet, um verletzliche Gruppen wie Schwarze und Latino-Beschäftigte zu schützen. Lucas argumentiert nun, Firmen könnten das Gesetz auch verletzen, wenn sie aus ihrer Sicht nicht genug weiße Angestellte einstellen.

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