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Blockierte Straße von Hormus lässt Ölpreise weiter steigen

Ein Öltanker liegt an der Chevron-Richmond-Raffinerie in Richmond, Kalifornien, am dritten März 2026.
Ein Öltanker liegt an der Chevron-Raffinerie im kalifornischen Richmond, Aufnahme vom dritten März 2026. Copyright  AP PhotoAP Photo/Godofredo A. Vásquez
Copyright AP PhotoAP Photo/Godofredo A. Vásquez
Von Doloresz Katanich mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Die Ölpreise ziehen weiter an, wenn auch langsamer. Der Krieg der USA und Israels gegen Iran dauert nun den fünften Tag. Die Sorge um die Sicherheit der für die weltweite Energieversorgung zentralen Straße von Hormus bleibt groß.

Die weltweiten Ölpreise steigen weiter, allerdings nicht mehr so rasant wie die kräftigen Zuwächse von fünf bis acht Prozent in den vergangenen Tagen. Die Märkte stellen sich auf einen möglichen Energieschock durch die Krise im Nahen Osten ein.

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WTI-Öl lag am Mittwochmittag rund zwei Komma sieben Prozent im Plus und kostete etwa fünfundsiebzig Dollar je Barrel. Brent verteuerte sich um mehr als drei Prozent und schwankte zwischen dreiundachtzig und neunundachtzig Dollar je Barrel.

Die jüngste Rally der Erdgaspreise legte am Mittwoch eine Pause ein. Der europäische Referenzkontrakt, die niederländischen TTF-Terminkontrakte, fiel auf Tiefststände von rund fünfzig Euro je Megawattstunde zurück, ein Minus von zwei Prozent, nachdem er kurzzeitig bis auf sechsundfünfzig Euro je Megawattstunde gestiegen war.

Der Rückgang folgt auf eine außergewöhnliche Phase extremer Schwankungen, in der sich die Preise innerhalb von achtundvierzig Stunden nahezu verdoppelt hatten.

Auslöser des Preissprungs waren Sorgen um die Versorgung mit Flüssigerdgas (LNG), nachdem die Produktion in Katar nach Berichten über Angriffe auf Energieanlagen zum Stillstand gekommen war. Das schürt Befürchtungen einer angespannten weltweiten Versorgung und neuen Druck auf die europäischen Märkte.

Zwar haben die Preise inzwischen etwas nachgegeben. Im Vergleich zum Niveau vor Ausbruch des Konflikts liegen sie aber weiterhin deutlich höher – ein Hinweis darauf, wie sensibel die Märkte auf geopolitische Störungen reagieren.

Seit Beginn der Operation „Epic Fury“, einer koordinierten US-israelischen Offensive gegen die iranische Führung und die Nuklearinfrastruktur, gilt die Straße von Hormus praktisch als Sperrzone. Durch diese strategisch wichtige Engstelle verläuft rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgaslieferungen.

Iran kontrolliert die schmale Verbindung vom Persischen Golf zum Golf von Oman. Seit Beginn der koordinierten Angriffe am Samstag, dem 28. Februar, ist der Durchgangsverkehr dort massiv eingebrochen.

Mehrere Tankschiffe sollen in der Nähe der Meerenge von Geschossen getroffen worden sein. Das schreckt Reeder zusätzlich davon ab, die Passage zu wagen.

Laut dem Energieanalyse-Unternehmen Vortexa passierten am Sonntag, dem ersten März, nur noch vier Rohöltanker die Straße von Hormus, im Vergleich zu durchschnittlich 24 pro Tag seit Januar. Drei dieser vier Schiffe fuhren unter iranischer Flagge.

Nach Daten von Lloyd’s List Intelligence sitzen im Golf derzeit rund 200 international eingesetzte Rohöl- und Produktentanker faktisch fest, weil die Durchfahrt durch die Meerenge als hochgefährlich gilt.

US-Präsident Donald Trump erklärte am Dienstag, er habe die US International Development Finance Corporation angewiesen, politische Risikoversicherungen und Finanzgarantien für den Seeverkehr bereitzustellen.

„Falls nötig, wird die US-Marine so bald wie möglich damit beginnen, Tankschiffe durch die Straße von Hormus zu eskortieren“, schrieb Trump in einer vom Weißen Haus auf X veröffentlichten Botschaft.

Die weiter steigenden Preise deuten jedoch darauf hin, dass das Versprechen des Präsidenten die Märkte kaum beruhigt hat.

„Trumps Zusicherung, die USA würden Versicherungen für die Schifffahrt gegen Risiken des Nahost-Konflikts absichern und notfalls sogar Marineeskorten stellen, mildert die anhaltenden Aufwärtsrisiken für den Ölpreis nur ab – sie beseitigt sie aber nicht“, erklärte die Mizuho Bank in einer Analyse.

Die Bank ergänzte, dass höhere Versicherungskosten den Ölpreis um fünf bis fünfzehn Dollar je Barrel in die Höhe treiben könnten. Die „Kriegsprämie“ sei daher fest eingepreist.

Weitreichende Folgen der Krise im Nahen Osten

Die Sorge, der Konflikt könne eskalieren und sich – so Trumps Einschätzung – über einen Monat oder noch länger hinziehen, verunsichert die weltweiten Finanzmärkte. Viele befürchten, dass anhaltend hohe Energiepreise das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne belasten.

„Ich glaube, die Iran-Situation gerät außer Kontrolle, und ich denke, dass US-Präsident Donald Trump sich gewaltig verkalkuliert hat“, sagte Francis Lun, Vorstandschef von Venturesmart Asia.

„Die Lage ist sehr düster.“

Unterdessen hat Goldman Sachs am Mittwoch seine Ölpreisprognose für das zweite Quartal angehoben.

Das Institut rechnet nun damit, dass der internationale Referenzpreis Brent im zweiten Quartal 2026 im Schnitt zehn Dollar höher liegen wird als bislang prognostiziert, bei sechsundsiebzig Dollar je Barrel. Die Prognose für WTI erhöht Goldman Sachs um neun Dollar auf ein Niveau von einundsiebzig Dollar.

Die Berechnungen stützen sich auf die Annahme, dass die Exporte durch die Straße von Hormus noch etwa fünf Tage lang sehr niedrig bleiben und sich dann im Laufe des folgenden Monats allmählich erholen. Sollte der Schiffsverkehr in der Meerenge allerdings für fünf Wochen massiv gestört bleiben, könnte der Ölpreis laut Goldman Sachs bis auf hundert Dollar je Barrel steigen.

Dauerhaft höhere Ölpreise setzen die Zinspolitik der großen Notenbanken unter Druck, darunter auch die US-Notenbank Federal Reserve. Teure Energie treibt die Inflation an und lässt den Spielraum für Zinssenkungen in den kommenden Monaten schrumpfen.

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