Im April ging keine neue Energielieferung ab; das zeige eine wachsende Krise, die Energieversorgung und Wirtschaft weltweit stärker treffen dürfte, so IEA-Chef Fatih Birol.
Der April könnte sich für die Energiemärkte und die Weltwirtschaft wegen des Kriegs im Nahen Osten als schwieriger erweisen als der März. Das sagte der Chef der Internationalen Energieagentur am Montag in Washington beim Atlantic Council.
Im März trafen noch Lieferungen aus der Region ein, die „lange vor Beginn der Krise verladen worden waren“. IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol betonte jedoch: „Im April ist bislang nichts verladen worden.“
Die Ölpreise spiegeln das Ausmaß der beispiellosen Versorgungskrise durch den Iran-Krieg noch nicht wider, fügte er hinzu.
„Ich denke, wir werden bald sehen, dass sich das angleicht. Das ist natürlich ein äußerst sensibles Thema für die Weltwirtschaft“, sagte er.
Birol warnte: „Mit Stand heute haben wir 13 Millionen Barrel pro Tag verloren. Morgen könnten es noch mehr sein. Beim Gas haben wir durch Russlands Invasion in die Ukraine rund 75 Milliarden Kubikmeter verloren, und heute liegen wir deutlich über diesem Wert.“
Er bezeichnete den Iran-Krieg und seine Folgen als die größte Energiekrise aller Zeiten.
„Je länger die Störung anhält, desto gravierender wird das Problem“, sagte er vor Journalistinnen und Journalisten nach einem Treffen beim Internationalen Währungsfonds.
Birol ergänzte, die IEA sei „einsatzbereit“ und könne bei Bedarf zusätzliche Reserven freigeben.
Seine Äußerungen fielen, als er sich mit Spitzenvertreterinnen und -vertretern von IWF und Weltbank traf. Die Runde wurde kürzlich gegründet, um die Reaktionen auf die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs zu koordinieren.
Birol sagte, die Agentur überwache die Energieanlagen in der Region. Von mehr als 80 betroffenen Standorten seien mehr als ein Drittel schwer beschädigt. Ihre Wiederinbetriebnahme könne bis zu zwei Jahre dauern.
Er bekräftigte, dass die Welt vor einer großen Herausforderung für die Energiesicherheit steht, und fügte hinzu: „Kein Land ist gegen dieses Problem immun.“
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa sagte am Montag, es sei wichtig, das volle Ausmaß der durch den Krieg verursachten Schäden an der Infrastruktur und ihrer Folgen zu verstehen.
Weltbank-Präsident Ajay Banga sagte, die Institutionen bereiteten sich auf verschiedene Szenarien vor, je nachdem, wie lange der Konflikt dauere und wie heftig er werde.
Der IWF hat nach früheren Angaben bis zu 50 Milliarden Dollar (42,5 Milliarden Euro) an Finanzierung bereitgestellt. Die Weltbank ist bereit, bis zu 25 Milliarden Dollar (21,25 Milliarden Euro) zu mobilisieren.
Banga ergänzte am Montag, die Bank könne bei anhaltenden Kampfhandlungen in den kommenden sechs Monaten insgesamt bis zu 60 Milliarden Dollar (51 Milliarden Euro) bereitstellen.
US-israelische Angriffe auf Ziele im Iran, die am 28. Februar begannen, lösten eine Vergeltungsaktion Teherans aus. Die Regierung in Teheran blockierte die Straße von Hormus faktisch, eine zentrale Wasserstraße für Energie- und andere Frachten.
Am vergangenen Mittwoch einigten sich die USA und der Iran auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand, um Verhandlungen zu ermöglichen. Gespräche am Wochenende in Islamabad scheiterten jedoch, woraufhin Trump eine Seeblockade der Straße von Hormus verhängte.
Die OPEC-Fördermenge ist im März um 7,89 Millionen Barrel pro Tag auf 20,79 Millionen Barrel gefallen, teilte das aus zwölf Staaten bestehende Kartell am Montag mit. Die Schließung der Straße habe die Produktion massiv beeinträchtigt.
„Störungen des Schiffsverkehrs in der Region haben die anhaltenden Sorgen um die regionalen Lieferströme verstärkt. Zugleich haben kräftige Käufe kurzfristig verfügbarer Spot-Mengen, Produktionskürzungen und Force-Majeure-Erklärungen die Aufwärtsbewegung der Preise zusätzlich gestützt“, teilte die OPEC mit.
Die Organisation erklärte, die Nachfrage wirke in diesem Jahr bislang stabil, senkte jedoch ihre Prognose für das laufende Quartal und verwies zur Begründung auf den Krieg.