Europa stellt künftig etwas mehr Milliardäre, Amerika verliert leicht an Anteil, obwohl die Zahl steigt. Euronews Business beleuchtet den Boom 2026 bis 2031.
Die Zahl der Dollar-Milliardäre nimmt weiter zu und ein Ende ist nicht in Sicht.Weltweit stieg ihre Zahl von 2.723 im Jahr 2021 auf 3.110 im Jahr 2026 – ein Plus von 14 Prozent in nur fünf Jahren.
Das Tempo dürfte weiter anziehen. Nach dem Wealth Report 2026 des Beratungsunternehmens Knight Frank soll die Zahl der Milliardäre in den kommenden fünf Jahren um 26 Prozent wachsen und bis 2031 auf 3.915 steigen.
Europa gilt als einer der wichtigsten Treiber dieses Wachstums. Die Zahl der europäischen Milliardäre dürfte von 780 im Jahr 2026 auf 994 im Jahr 2031 klettern – ein Zuwachs um 27 Prozent.
„Wir erleben eine der bedeutendsten Verschiebungen der globalen Vermögensverteilung der modernen Geschichte“, sagte Liam Bailey, globaler Forschungschef bei Knight Frank.
Doch welche Länder verzeichnen den größten Zuwachs an Milliardären? Und wie schlägt sich Europas Wachstum im Vergleich zu Nord- und Südamerika?
Der Bericht listet die 20 Länder mit den höchsten erwarteten Zuwachsraten auf. Acht davon liegen in Europa, dominiert von den nordischen Staaten.
Unter allen 20 Ländern steht Saudi-Arabien mit einem Plus von 183 Prozent an der Spitze: Die Zahl der Milliardäre dort soll bis 2031 von 23 auf 65 steigen.
Nordische Staaten dominieren Milliardärswachstum in Europa
Polen liegt in Europa vorn. Die Zahl der Milliardäre dürfte sich mehr als verdoppeln, von 13 auf 29 – ein Anstieg um 123 Prozent.
Schweden liegt europaweit auf Platz zwei und weltweit auf Rang drei: Dort wird ein Wachstum von 81 Prozent erwartet, von 32 auf 58 Milliardäre. Dänemark folgt mit einem Anstieg von zwölf auf 21 Milliardäre, also plus 75 Prozent.
Norwegen verstärkt die nordische Dominanz: Die Zahl der Milliardäre steigt von 17 auf 26, ein Plus von 53 Prozent. Drei der vier am schnellsten wachsenden europäischen Länder liegen damit im Norden.
Österreich dürfte einen Zuwachs um 50 Prozent sehen, von zwölf auf 18 Milliardäre. Spanien folgt mit einem Wachstum von 40 Prozent und könnte bis 2031 auf 53 Milliardäre kommen. Italien, eine weitere große Volkswirtschaft Europas, dürfte seine Milliardärszahl von 61 auf 82 erhöhen.
Die Türkei, Beitrittskandidat der EU, kommt laut Prognose auf ein Plus von 31 Prozent – von 35 auf 46 Milliardäre.
Die Rangliste richtet sich nach den Wachstumsraten über fünf Jahre. Deshalb tauchen große Volkswirtschaften wie das Vereinigte Königreich, Deutschland oder Frankreich nicht auf. Deutschland etwa lag 2025 mit 171 Milliardären europaweit vorn, wie das Magazin Forbes berichtet.
Werden dieselben 20 Länder nach der absoluten Zahl der Milliardäre im Jahr 2031 sortiert, liegt Indien mit 313 Milliardären vorn, gefolgt von Australien und Singapur mit jeweils 85.
Unter den europäischen Ländern in dieser Liste steht Italien mit 82 Milliardären an der Spitze. Schweden dürfte 58 erreichen und damit Spanien mit 53 überholen.
Bailey betonte, dass privates Kapital trotz massiver geopolitischer Schocks und hoher Inflation bemerkenswert widerstandsfähig bleibt. Die jüngsten Daten zeigen eine tiefgreifende strukturelle Beschleunigung der weltweiten Vermögensbildung.
Milliardärszahlen: Europa und die Amerikas im Vergleich
Die Region Asien-Pazifik liegt bei der Zahl der Milliardäre vorn. Dort leben 1.116 Milliardäre, sie stellen im Jahr 2026 rund 36 Prozent der weltweiten Superreichen.
Es folgen die Amerikas mit zusammen 34 Prozent, aufgeteilt in Nordamerika mit 31 Prozent und Lateinamerika mit drei Prozent. Europa vereint etwa ein Viertel der globalen Milliardäre auf sich.
Bis 2031 dürfte die Zahl der europäischen Milliardäre von 780 auf 994 steigen und damit nahe an die Marke von 1.000 heranrücken. Ihr globaler Anteil erhöht sich leicht auf 25,4 Prozent.
Nordamerika gewinnt zwar Milliardäre hinzu, von 995 auf 1.089. Sein Anteil sinkt jedoch von 31 auf 27,8 Prozent – als einzige Region der Welt.
„Vor Ort sehen wir, dass die Vermögensbildung zunimmt, obwohl das globale wirtschaftliche Umfeld immer komplexer wird“, sagte Rory Penn, Vorsitzender des Private Office von Knight Frank.
„Die Ultrareichen werden deutlich mobiler. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der Märkte, in denen sie sich beim Investieren oder beim Ansiedeln ihrer Familien wirklich wohl fühlen.“
Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit
Der Bericht betont, dass vermögende Familien ihr Kapital zunehmend auf mehrere Standorte verteilen – meist über die Amerikas, Europa und Asien-Pazifik. Diese Streuung folgt einem starken Bedürfnis nach Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit.
„Trotz hoher Steuern und politischer Unbeständigkeit im Vereinigten Königreich ziehen einige prominente Familien weiterhin nach London. ‚Der Rechtsstaat gilt dort noch‘, heißt es, auch wenn andere globale Investoren Europa zunehmend als ‚Museum, nicht als Investitionsstandort‘ betrachten“, wie es ein australischer Bergbau-Milliardär formulierte.