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IEA warnt: Ölreserven schmelzen so schnell wie nie, Preise bleiben volatil

Archivbild: Der Rohöltanker „Chios“ entlädt seine Ladung in der Chevron-Products-Company-Raffinerie in El Segundo, Kalifornien, USA, 17. April 2026.
Archivbild: Rohöltanker "Chios" wird in die Raffinerie von Chevron Products in El Segundo, Kalifornien, USA, entladen. 17. April 2026 Copyright  AP Photo/Damian Dovarganes
Copyright AP Photo/Damian Dovarganes
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Internationale Energieagentur rechnet bis ins letzte Quartal mit einem Ölmarktdefizit. Störungen in der Straße von Hormus drosseln das Angebot und erhöhen das Risiko neuer Preisschwankungen.

Mehr als zehn Wochen nach Kriegsbeginn im Nahen Osten schwinden die weltweiten Ölreserven so schnell wie noch nie. Anhaltende Störungen der Transportrouten durch die Straße von Hormus verknappen das Angebot weiter, teilte die Internationale Energieagentur (IEA) am Mittwoch mit.

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Nach vorläufigen IEA-Daten sind die globalen Lagerbestände im März um 129 Millionen Barrel und im April um weitere 117 Millionen Barrel gesunken – nach US- und israelischen Angriffen auf den Iran und den anschließenden Störungen der Exporte aus dem Golf.

Am stärksten gingen die Bestände in den OECD-Staaten zurück. Dort schrumpften die Lager an Land um 146 Millionen Barrel. In Nicht-OECD-Ländern nahmen die sichtbaren Vorräte um 24 Millionen Barrel ab.

Den Angaben zufolge übersteigen die kumulierten Ausfälle bei der Rohöllieferung aus dem Golf inzwischen eine Milliarde Barrel. Mehr als vierzehn Millionen Barrel pro Tag können die Region derzeit nicht verlassen. Die IEA spricht von einem „beispiellosen Angebotsschock“.

Die Internationale Energieagentur erklärte im März, sie werde 400 Millionen Barrel aus den Notreserven der Mitgliedstaaten freigeben, um die globalen Märkte zu stützen. Rund 164 Millionen Barrel sind bereits abgerufen.

Die Ölmärkte schlagen unterdessen stark aus. Anlass ist die Unsicherheit über die diplomatischen Bemühungen der USA und Irans, die Meerenge wieder zu öffnen und den Konflikt zu beenden.

Der Preis für die Nordsee-Sorte North Sea Dated, eine wichtige Referenz für kurzfristige physische Lieferungen, fiel von einem Höchststand von 144 Dollar je Barrel auf unter 100 Dollar, bevor er wieder anzog.

Zugleich versuchen Förderländer, die Folgen für den Weltmarkt abzufedern. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate leiten einen Teil ihrer Exporte über Terminals außerhalb der Straße um. Produzenten im Atlantik-Becken, darunter die USA, haben ihre Lieferungen nach Asien ausgeweitet.

Auch russische Ausfuhren sind gestiegen. Wiederholte Angriffe auf Raffinerien im eigenen Land drückten die heimische Nachfrage, und befristete Ausnahmen von US-Sanktionen ließen zusätzliche russische Ladungen auf den Weltmarkt.

Schwächere Nachfrage, stärkere Preisschwankungen

Zudem dämpfen eine schwächere Konjunktur und hohe Kraftstoffpreise den Verbrauch. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sparen beim Tanken. Raffinerien senken deshalb ihre Auslastung und kürzen die Rohölimporte deutlich.

Die IEA rechnet nun damit, dass die weltweite Ölnachfrage im Jahr 2026 um 420.000 Barrel pro Tag auf 104 Millionen Barrel täglich sinkt. Das sind 1,3 Millionen Barrel pro Tag weniger, als die Agentur vor dem Krieg gegen den Iran erwartet hatte.

Besonders stark betroffen sind laut IEA die Petrochemie und der Luftverkehr. Höhere Preise und Sparmaßnahmen dürften den Kraftstoffverbrauch in den kommenden Monaten zusätzlich drücken.

Nach Einschätzung der IEA könnte sich die Nachfrage im weiteren Jahresverlauf wieder erholen, falls es ab dem dritten Quartal zu einer Vereinbarung kommt, die Durchfahrt durch die Straße von Hormus schrittweise wieder zu öffnen.

Das Angebot dürfte sich jedoch langsamer erholen. Der Markt bliebe dann bis ins Schlussquartal des Jahres unterversorgt.

In ihrem Ausblick geht die Agentur davon aus, dass die Nachfrage gegen Jahresende wieder wächst, falls ein Abkommen den Krieg beendet und die Transporte durch die Straße von Hormus – wie in diesem Bericht angenommen – ab dem dritten Quartal 2026 nach und nach anlaufen. Das Angebot werde dieser Entwicklung voraussichtlich hinterherhinken.

„Da die globalen Ölbestände schon jetzt in Rekordtempo schrumpfen, sind weitere Preisschwankungen vor der Nachfragespitze im Sommer wahrscheinlich“, erklärte die IEA.

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