Die USA und zentralasiatische Staaten wollen Investitionen in kritische Mineralien vorantreiben, Lieferketten breiter aufstellen und ihre Abhängigkeit von China verringern.
US-Sondergesandter für Südasien und Zentralasien Sergio Gor hat sich mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan getroffen. Es war das erste persönliche Treffen des Dialogs zu kritischen Rohstoffen im C5+1-Format, das die fünf zentralasiatischen Staaten mit den Vereinigten Staaten an einen Tisch bringt.
Das Treffen folgte auf Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und zentralasiatischen Staats- und Regierungschefs bei einem C5+1-Gipfel in Washington im vergangenen Jahr. Damals vereinbarten beide Seiten, die Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen und den dazugehörigen Investitionen zu vertiefen.
„Als Präsident Trump im vergangenen Herbst das C5-Format in Washington empfing, hat er klar gesagt, dass Zentralasien von den Vereinigten Staaten nicht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die die Region verdient, und dass er fest entschlossen ist, das zu ändern“, sagte Gor.
Bei einem separaten Treffen mit Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew sagte Gor, der kasachische Staatschef habe „einen Freund im Weißen Haus“.
Der Rohstoffreichtum Zentralasiens weckt zunehmend Interesse in westlichen Hauptstädten, die nach alternativen Bezugsquellen für kritische Rohstoffe suchen. Kasachstan verfügt über die größte und vielfältigste Rohstoffbasis der Region mit mehr als 9.500 identifizierten Lagerstätten, darunter über 100 mit Seltenen Erden und anderen strategischen Mineralien.
Eine große Herausforderung bleibt der Transport. Als Binnenstaaten sind die zentralasiatischen Länder auf Land- und Seehandelsrouten angewiesen, um die Weltmärkte zu erreichen.
Eine Schlüsselroute ist der sogenannte Mittlere Korridor, der Zentralasien über das Kaspische Meer und den Südkaukasus mit Europa verbindet und dort an weitere Transportwege anschließt.
„Die zentralasiatischen Länder und die US-Seite arbeiten gemeinsam daran, Lösungen für die Erkundung, Förderung und Lieferung dieser Rohstoffe auf die westlichen Märkte zu entwickeln“, sagte Azamat Panbajew, Vorsitzender des Industrieausschusses im kasachischen Ministerium für Industrie und Bau.
„Ein Transportweg führt über das Kaspische Meer entlang des Mittleren Korridors, der derzeit ein dynamisches Wachstum beim Güterverkehr verzeichnet und sich rasant entwickelt.“
Über den Transport hinaus suchen die Regierungen Investoren für die gesamte Wertschöpfungskette – von der geologischen Erkundung über die Förderung bis zur Verarbeitung der Rohstoffe.
Viele Lagerstätten in der Region wurden bereits in der Sowjetzeit erstmals erkundet und müssen weiter untersucht werden.
Kasachstan, das in den neunziger Jahren hohe US-Investitionen in seinen Öl- und Gassektor anzog, will diese Erfahrung nun im Bergbau und bei Mineralien wiederholen.
„Aus geopolitischer Sicht sorgen amerikanische Unternehmen für ein größeres Gleichgewicht“, sagte Said Sultanow, Gründer eines in Astana ansässigen Unternehmens für geologische Erkundung und Bergbaudienstleistungen.
„China ist da, Europa ist da, Russland ist da – und nun kommen auch US-Unternehmen auf den Markt. Das stärkt den Wettbewerb und verbessert das Marktumfeld.“
Kasachstan hat vorgeschlagen, die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten über gemeinsame Projekte zu kritischen Rohstoffen, Verarbeitungsanlagen, Technologietransfer, Forschungskooperationen und Ausbildungsprogramme auszubauen.
„Kasachstan ist daran interessiert, nicht nur Rohstoffe zu exportieren, sondern auch gemeinsame Produktionsstätten aufzubauen, Technologie zu übertragen, Fachkräfte auszubilden und die wissenschaftliche Zusammenarbeit zu vertiefen“, sagte Industrie- und Bauminister Jerassin Nagaspajew.
Nach Angaben kasachischer Vertreter hat das Land bei Gesprächen in Washington im vergangenen Jahr Vereinbarungen im Wert von 17 Milliarden Dollar unterzeichnet, darunter ein Memorandum of Understanding zur Zusammenarbeit bei Uran, Wolfram und Seltenen Erden.
Die Behörden erwarten, dass die Abkommen den Aufbau heimischer Verarbeitungskapazitäten stützen und Technologietransfers erleichtern. Kasachstan hat bereits Vereinbarungen mit Cove Capital über die Erschließung der Wolframlagerstätten Sewernyi Katpar und Werchni Kairakty getroffen.
Die Regierung hat außerdem Investitionsbedingungen eingeführt, die ausländischen Investoren in einigen Projekten Mehrheitsbeteiligungen ermöglichen. Als Beispiel nennen Beamte ein jüngstes Wolframabkommen, bei dem das US-gestützte Unternehmen Kaz Resources Inc. einen Anteil von 70 Prozent hält, während Kasachstan 30 Prozent behält.
Die Investitionen in die geologische Erkundung in Kasachstan haben sich seit 2018 mehr als verdreifacht und liegen inzwischen bei über 1 Milliarde Dollar. Unternehmen wie Rio Tinto, Barrick Gold, First Quantum Minerals, Ivanhoe Mines und Fortescue sind bereits in den kasachischen Markt eingestiegen.
Das Volumen der Abkommen und Geschäfte zwischen beiden Ländern belief sich im vergangenen Jahr auf mehr als 20 Milliarden Dollar.
Die Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen dürfte in Washington weiter ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Weitere Gespräche zwischen den C5+1-Staaten und den Vereinigten Staaten sind für später in diesem Jahr geplant.