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Regeln vor Rohstoffen: Europas Investitionsagenda für Zentralasien

Skulptur mit Euro-Symbol
Skulptur mit der Währung Euro Copyright  AP Photo/Francisco Seco
Copyright AP Photo/Francisco Seco
Von Dilbar Primova & Rushanabonu Aliakbarova, Ruxshona Raxmatullayeva
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Auf dem Taschkenter Investitionsforum betonten europäische Vertreter und Finanzinstitute: Rechtssicherheit, solide Projektvorbereitung und bessere grenzüberschreitende Anbindung sind entscheidend für künftige Investitionen.

Zentralasien kann Investoren nur anziehen, wenn nicht nur Wachstum und Rohstoffe stimmen. Nach Einschätzung europäischer Vertreter, Entwicklungsbanken und Finanzinstitute auf dem Taschkenter Internationalen Investitionsforum braucht die Region auch verlässliche Regeln, Zugang zu Finanzierung und effizientere Verkehrsverbindungen.

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Die Rohstoffvorkommen und die strategische Lage der Region sorgen zwar für Aufmerksamkeit. Doch europäische Gesprächspartner von Euronews betonten beim Forum immer wieder, wie wichtig der rechtliche und institutionelle Rahmen für Investitionen ist.

Das Engagement Europas in Zentralasien konzentriert sich zunehmend auf drei Prioritäten: Regeln, Finanzierung und Konnektivität.

Warum Europa Zentralasien stärker in den Blick nimmt

Für die Europäische Union spiegelt die wachsende Bedeutung Zentralasiens sowohl den wirtschaftlichen Wandel der Region als auch ihre größere Rolle in globalen Lieferketten wider.

„Zentralasien ist zu einem wichtigen Akteur geworden, insbesondere bei kritischen Rohstoffen“, sagte Gregory Lecomte, Leiter der Zentralasien-Einheit bei der OECD.

Die Region produziert bereits große Mengen Uran und liefert wichtige Materialien wie Kupfer und Antimon. Ihre Bedeutung dürfte weiter steigen, weil Volkswirtschaften elektrifizieren und ihre Lieferketten breiter aufstellen wollen.

Mehrere Vertreter verwiesen auf eine engere regionale Zusammenarbeit als eine der wichtigsten Entwicklungen in Zentralasien der vergangenen Jahre.

„Nicht wir haben uns so sehr verändert, sondern Zentralasien“, sagte Toivo Klaar, EU-Botschafter in Usbekistan.

Er hob die stärkere Kooperation der fünf zentralasiatischen Staaten hervor. Diese engeren Beziehungen machten die Region für internationale Partner und Investoren attraktiver.

„Früher sprach man von Zentralasien als etwas, das irgendwo dazwischen liegt“, sagte Klaar. „Jetzt tritt die Region zunehmend als eigenständiger Akteur auf.“

Regeln wichtiger als Rohstoffe

In Gesprächen mit europäischen Institutionen tauchte eine Botschaft immer wieder auf: Rechtssicherheit bleibt die wichtigste Voraussetzung für Investitionen.

„Um Investitionen anzuziehen und Ihre Wirtschaft zu entwickeln, brauchen Sie einen klaren Rechtsrahmen für Unternehmen“, sagte Eduards Stiprais, EU-Sonderbeauftragter für Zentralasien.

Für Investoren ist oft nicht entscheidend, ob Gesetze existieren, sondern ob sie berechenbar sind.

„Die meisten Beschwerden betreffen häufig geänderte Gesetze“, sagte Stiprais. „Rechtssicherheit ist ein zentrales Thema.“

Er betonte zudem die Bedeutung unabhängiger Gerichte und verlässlicher Streitbeilegungsmechanismen. Unternehmen müssten sicher sein, dass Gesetze konsequent angewendet werden.

Diese Anliegen spiegeln sich auch im erweiterten Partnerschafts- und Kooperationsabkommen der EU mit Usbekistan, das Anfang des Jahres vorläufig in Kraft trat.

Laut Klaar stärkt das Abkommen die Zusammenarbeit in Handel, Investitionen und Schutz geistigen Eigentums. Es schafft auch Mechanismen, die europäischen Unternehmen in Usbekistan den Markteintritt erleichtern sollen.

Wachstum finanzieren, Risiken teilen

Regeln schaffen den Rahmen für Investitionen. Ob Projekte tatsächlich starten, entscheidet jedoch die Finanzierung.

Nach Angaben von Lecomte hängt die Entwicklung strategischer Sektoren wie der kritischen Rohstoffe von drei Faktoren ab: einem starken Unternehmensumfeld, Instrumenten zur Risikoteilung sowie hohen Umwelt- und Sozialstandards.

„Das Risiko muss geteilt werden, damit diese Investitionen kurzfristig zustande kommen“, sagte er.

Garantien gegen politische Risiken gehören weiterhin zu den Instrumenten, die die Exponierung von Investoren verringern.

Marck Wengrzik, Vorstandschef der deutschen AKA Bank, verwies auf Garantien, die politische Risiken für Unternehmen beim Eintritt in neue Märkte abdecken.

Er sieht in der Kombination aus natürlichen Ressourcen, einer jungen Bevölkerung und wachsender Kapazität für erneuerbare Energien einen Grund für das wachsende Interesse von Investoren an Zentralasien.

Für die Europäische Investitionsbank geht es bei Finanzierung jedoch nicht nur um verfügbares Kapital.

EIB-Vizepräsident Marek Mora sagte, die Qualität und Vorbereitung von Projekten sei ebenso entscheidend. Investitionen müssten technisch ausgereift und wirtschaftlich tragfähig sein, bevor Entwicklungsinstitutionen sie unterstützen könnten.

Konnektivität: mehr als Infrastruktur

Neben Regeln und Finanzierung ist Konnektivität zur dritten Säule des europäischen Engagements in Zentralasien geworden.

Verkehrskorridore zwischen Europa und Asien stoßen auf zunehmendes Interesse von Regierungen, Entwicklungsbanken und privaten Investoren, die alternative Handelsrouten suchen.

„Wir sind bereit, uns den Ausbau von Eisenbahnen und Straßen anzusehen“, sagte Mora, „und Zentralasien besser mit Europa zu verbinden.“

OECD und Weltbank betonen jedoch, dass Infrastruktur allein nicht über den Erfolg der Trans-Caspian International Transport Route (TITR), auch Middle Corridor genannt, entscheidet.

Laut Lecomte bremsen begrenzte Kapazitäten auf dem Kaspischen Meer und mangelnde Abstimmung an Grenzübergängen den Verkehr.

Winnie Wang, leitende Infrastrukturexpertin für Zentralasien bei der Weltbank, sieht ähnliche Herausforderungen. Sie verweist auf den Bedarf an Investitionen in Häfen, Eisenbahnen und Grenzinfrastruktur und auf die Notwendigkeit besserer Zollverfahren und digitalisierter Dokumentensysteme.

„Die schwächste Stelle bestimmt die Belastbarkeit des gesamten Korridors“, sagte Wang.

Klaar sieht im Middle Corridor die Chance, den Handel in beide Richtungen auszubauen. Mehr Ausfuhren aus Zentralasien könnten Europa erreichen, zugleich entstünden neue Absatzmöglichkeiten für europäische Waren in der Region.

Auch innerhalb Zentralasiens schreitet die regionale Integration voran. Stiprais verwies auf zunehmende grenzüberschreitende Bewegungen im Ferghanatal als Beispiel dafür, dass engere Zusammenarbeit zwischen Nachbarländern bereits wirtschaftliche Realität wird.

Europäische Vertreter betonen außerdem, dass engere wirtschaftliche Verflechtungen mit der multivektoralen Außenpolitik der zentralasiatischen Staaten vereinbar sind. Laut Stiprais liegt der Schwerpunkt der EU darauf, die Wiederausfuhr sanktionierter Güter zu verhindern, die Russlands Rüstungsindustrie zugutekommen könnten. Ziel sei nicht, die breiteren internationalen Partnerschaften der Region einzuschränken.

Die Europäische Investitionsbank eröffnet eine regionale Vertretung für Zentralasien in Taschkent, um ihre Finanzierungstätigkeit in der Region auszuweiten. Vertreter auf dem Forum nannten vor allem Projektvorbereitung, stabile Regulierung und Koordinierung über Grenzen hinweg als zentrale Herausforderungen für Investoren.

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