Der Mann, der über mehr als ein Jahrzehnt das Image von Ferrari geprägt hat, verlässt das Unternehmen, wenige Wochen nach der holprigen Premiere des ersten Elektroautos; ein Ex-BMW-Manager soll die Marke stabilisieren.
Ferrari gibt bekannt, dass Enrico Galliera, seit mehr als 16 Jahren Marketing- und Vertriebschef, das Unternehmen verlässt. Damit geht eine der heikelsten Aufgaben der Luxusauto-Branche an einen Manager von außen.
Nachfolger wird Massimiliano Di Silvestre, bislang Leiter des Italien-Geschäfts von BMW. Er übernimmt am 1. Juli und berichtet direkt an Vorstandschef Benedetto Vigna.
Der Abgang fällt kaum einen Monat nach der Präsentation des Luce, des ersten vollelektrischen Modells von Ferrari, das im Unternehmen nur bei wenigen auf Zustimmung stieß.
Das Auto mit seiner weich gezeichneten Formensprache entstand zusammen mit LoveFrom, dem Designstudio des früheren Apple-Chefdesigners Jony Ive. Der Look bricht deutlich mit der Ferrari-Tradition und zog prompt Spott von Fans und Investoren auf sich.
Die Gegenreaktion spielte sich ungewöhnlich offen ab für eine Marke, die sonst vor allem Verehrung gewohnt ist.
Die Ferrari-Aktie verlor nach der Vorstellung in einer Sitzung mehr als 8 %. Für einen der wertvollsten Namen der Branche war das ein klares Urteil des Marktes.
Kritiker überboten sich mit Angriffen auf das Design. Unter ihnen war auch der frühere Ferrari-Chairman Luca Cordero di Montezemolo. Er warnte, die Marke riskiere die Zerstörung einer Legende, und ging so weit, vorzuschlagen, das berühmte Emblem vom Wagen zu entfernen.
Auch Italiens Vizepremier Matteo Salvini mischte sich ein. Er stellte den Preis des viertürigen Modells infrage, der bei 550.000 Euro beginnt.
Ferrari weist jedoch einen Zusammenhang zwischen der Kritik und Gallieras Abschied entschieden zurück.
Nach Unternehmensangaben hatte Galliera schon vor einiger Zeit beschlossen, weiterzuziehen. Er habe zugesagt, bis zur Markteinführung des Luce an Bord zu bleiben und danach ein neues Kapitel seiner Karriere aufzuschlagen.
Vigna lobte seine Leistungen und präsentierte den Wechsel als Teil der Weiterentwicklung der Marke, nicht als Reaktion auf die jüngste Debatte.
Manager von außen für ungewisse Strecke
Unabhängig vom Motiv sagt die Wahl des Nachfolgers viel aus.
Di Silvestre bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung im Premiumsegment mit. Seit 2019 führt er BMW Italien. Dass Ferrari seinen Vertriebschef ausgerechnet von einem Rivalen holt, ist eine seltene Ausnahme. Üblicherweise steigt jemand aus den eigenen Reihen auf.
Er übernimmt die Aufgabe, einen elektrischen Ferrari an eine Kundschaft zu verkaufen, die für Exklusivität hohe Aufpreise zahlt. Und das in einer Phase, in der die Nachfrage nach Hochleistungs-E-Autos nachlässt.
Ferrari betont, das Interesse am Luce sei nach wie vor groß. Ein klareres Bild bekommen Anleger aber erst, wenn der Konzern am 30. Juli die Zahlen für das zweite Quartal vorlegt.