Eine Gedenkaktion zum Warschauer Aufstand unter dem Brandenburger Tor löste heftige Reaktionen aus. Der sächsische AfD-Kommunalpolitiker Fabian Küble verhöhnte die Teilnehmer auf X. Selbst ein AfD-Europaabgeordneter distanzierte sich.
Am Sonntag, dem ersten August, hat der Chef der polnischen rechtspopulistischen Partei "Neue Hoffnung", Sławomir Mentzen, in Berlin eine Gruppe von Anhängern versammelt. Sie wollten an den 82. Jahrestag des Ausbruchs des Warschauer Aufstands erinnern. Unter dem Brandenburger Tor hielten sie rote Bengalfackeln und Transparente mit englischen Parolen hoch – eines erinnerte an die Tausenden Kinder, die während des Aufstands von Deutschen getötet wurden, ein anderes trug die Aufschrift "Never forget".
Zu den Klängen der polnischen Nationalhymne hoben sie Trauerzettel mit den Namen minderjähriger Opfer deutscher Verbrechen aus dem August 1944 in die Höhe und riefen Parolen wie "Cześć i chwała bohaterom" – "Ehre und Ruhm den Helden". Die Aktion wurde durch eine private Initiative ins Leben gerufen. Sie war kein Teil offizieller staatlicher Gedenkfeiern, sondern allein eine Kampagne des Parteichefs der Neuen Hoffnung.
Küble: "Taschentuchpackung als Reparation"
Die von Sławomir Mentzen organisierte Aktion löste Reaktionen deutscher Politiker aus, darunter der sächsische AfD-Kommunalpolitiker Fabian Küble, der sich auf X Fabian Küble nennt. Auf der Plattform X schrieb er, die "Halbstarken" würden eine "Opferinszenierung" durchführen. Küble bezeichnete sie zudem als "Opfer-Chauvinisten".
"Hoffentlich hatten diese mitleidshaschenden Daueropfer wenigstens einen schönen Tag in Berlin. Endlich mal was Größeres sehen, als der Mief der Opfer-Heimat", schrieb er weiter.
Küble fällt nicht zum ersten Mal mit solcher Rhetorik auf
Es ist nicht das erste Mal, dass Küble mit derartigen Aussagen auffällt. Ähnliche Kommentare hatte er bereits früher veröffentlicht, unter anderem im November 2025, wie Euronews berichtete. In einem seiner damaligen X-Beiträge schrieb er: "Die Polen sehen sich einfach als große, bemitleidenswerte Daueropfer der europäischen Geschichte. Opfer-sein als nationale Identität. Sie sind einfach die Afroamerikaner Europas."
Auslöser seiner Kritik war damals der Fall von Wolodymyr Schurawlow, einem Ukrainer, den die deutsche Staatsanwaltschaft verdächtigt, an der Beschädigung der Nord-Stream-Gaspipelines im September 2022 beteiligt gewesen zu sein. Polen verweigerte seine Auslieferung an Deutschland.
Küble behauptete damals, Polen stelle für Deutschland eine Gefahr dar, die größer als Russland sei, und sei das antideutscheste Land in Worten und Taten. Zur Begründung verwies er auf frühere Äußerungen des AfD-Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla, der im ZDF vor einem möglichen Sicherheitsrisiko durch Polen gewarnt hatte.
Tomasz Froelich, deutscher AfD-Politiker mit polnischen Wurzeln und Abgeordneter des Europäischen Parlaments, erklärte damals Euronews:
"Ich bin mit dieser Aussage absolut nicht einverstanden. Die Polen sind eine Nation mit einer reichen Geschichte, auf die sie stolz sein sollten. Diese Geschichte umfasst sowohl Triumphe als auch Niederlagen. Gerade die Triumphe sollten jedoch in der Erinnerungspolitik im Vordergrund stehen, wie es etwa beim Unabhängigkeitsmarsch der Fall ist. Die Tendenz zur Märtyrerrolle kritisierte übrigens schon Roman Dmowski in seinen 'Myślach nowoczesnego Polaka'."
AfD-Kollege geht auf Distanz
Mit Blick auf die von Mentzen in Berlin organisierte Aktion äußerte sich Europaparlamentarier Tomasz Froelich deutlich zurückhaltender. Aus seiner Sicht sollte man der Opfer von Ereignissen, die in einer bestimmten Hauptstadt stattgefunden haben, vor allem dort selbst gedenken – und nicht im Ausland:
"Diejenigen, die der Opfer ihrer eigenen Hauptstadt gedenken, sollten dies nicht in einer fremden Hauptstadt tun. Sonst verkommt das Gedenken rasch zu einer Provokation ohne politischen Mehrwert – nur für ein paar Klicks und Likes. Wenn du in Rom bist, verhalte dich wie die Römer."
In einem weiteren Kommentar auf Polnisch erinnerte er daran, dass er von Kämpfern des Warschauer Aufstands abstammt. Er betonte, diese Gemeinschaft rufe jedes Jahr zu einer würdigen Form des Gedenkens an den Jahrestag auf.
Euronews bat Tomasz Froelich um eine aktuelle Stellungnahme zu den jüngsten Äußerungen von Fabian Küble sowie zu der unter dem Brandenburger Tor organisierten Aktion von Sławomir Mentzen. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erhielten wir jedoch keine Antwort.
Fabian Küble sammelte seine politische Erfahrung vor allem in der sächsischen Jugendorganisation der Partei, der Jungen Alternative, die sich im März 2025 selbst auflöste. Inzwischen konzentriert er sich auf Kommunalpolitik in Dresden und tritt zugleich als aktiver Kommentator in den sozialen Medien auf