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Wall Street verliert Interesse an den „Magnificent Seven“

Archivaufnahme vom siebten November 2017: Ein unbekannter Mann läuft als Silhouette vor dem Microsoft-Logo bei einer Veranstaltung in Neu-Delhi, Indien.
Aufnahme vom siebten November 2017: Ein unbekannter Mann läuft als Silhouette vor einem Microsoft‑Logo bei einer Veranstaltung in Neu-Delhi, Indien. Copyright  Copyright 2017 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am
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Im Juni erlebten die größten Big-Tech-Konzerne ihren schwächsten Monat seit Jahren. Anleger zogen sich aus dem KI-Boom zurück, Kapital wandert leise in andere Branchen.

Mehr als drei Jahre lang trugen die „Magnificent Seven“ oder „Mag 7“ – Nvidia, Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Tesla – die Wall Street.

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Dann kam der Juni 2026.

Einen Rückschlag von mehr als fünf Prozent musste Nvidia hinnehmen. Microsoft büßte rund 17 Prozent ein – sein schwächster Monat seit Dezember 2000. Alphabet fiel um fast sechs Prozent, Amazon um etwa zwölf Prozent, Meta um rund elf Prozent.

Apple und Tesla bewegten sich zwar in unterschiedliche Richtungen, doch die Ausschläge waren ähnlich heftig.

Apple erreichte am zweiten Handelstag des Monats einen neuen Schlusskurs-Rekord von 315,2 Dollar, gab von diesem Hoch jedoch mehr als zehn Prozent ab.

Elon Musks Unternehmen Tesla verzeichnete in der ersten Juniwoche einen Rückgang von mehr als sechs Prozent. Bis Monatsende machte der Konzern den Großteil der Verluste wieder wett und schloss in etwa unverändert.

In der Summe vernichteten die „Magnificent Seven“ binnen eines Monats Börsenwert von rund 2,3 Billionen Dollar (2 Billionen Euro).

Bemerkenswert an dem Ausverkauf war seine Breite. Üblicherweise geraten ein oder zwei Werte unter Druck, während die übrigen stabil bleiben. Dieses Mal rutschten nahezu alle Mitglieder der Gruppe nach unten.

Der Roundhill Magnificent Seven ETF (MAGS), der alle sieben Konzerne bündelt, verlor seit seinem Rekordhoch Ende Mai rund 13 Prozent.

Was ist mit den Lieblings-Techwerten der Wall Street passiert? Und warum ziehen sich Anleger zurück?

Wachstumsschmerzen und Ausgabenschub

Aus dem MAGS-ETF flossen im Juni mehr als 700 Millionen Dollar (615 Millionen Euro) ab – der höchste Monatsabfluss seit seiner Auflage 2023, wie Daten von TradingView zeigen. Für einen Fonds, der als einfachste Wette auf den US-Technologieboom galt, ist diese Kehrtwende auffällig.

Noch härter traf es einen Wert außerhalb des Clubs. Der Hyperscaler Oracle, nicht Teil der „Magnificent Seven“, brach um etwa 35 Prozent ein – der stärkste Monatsverlust seit September 1990 –, nachdem das Unternehmen die Anleger mit einem sprunghaften Anstieg der KI-Ausgaben und der Verschuldung verschreckt hatte.

Der Kurssturz schrumpfte das Vermögen von Mitgründer und Milliardär Larry Ellison um rund 100 Milliarden Dollar (87,9 Milliarden Euro). Der Markt bestraft die größten KI-Investoren – und die Zahlen liefern die Begründung.

Die fünf größten Hyperscaler wollen in diesem Jahr mehr als 700 Milliarden Dollar (615 Milliarden Euro) in KI-Infrastruktur stecken. Allein Microsoft steuert auf Investitionen von rund 190 Milliarden Dollar (167 Milliarden Euro) zu, schätzt die Bank of America.

Nach Angaben der Bank ist der Anteil der Investitionsausgaben am operativen Cashflow bei den Hyperscalern von etwa 70 Prozent im Jahr 2025 auf fast 100 Prozent 2026 gestiegen.

Die Rechnung ist einfach: Für Aktienrückkäufe und Dividenden bleibt deutlich weniger Kapital übrig, während die Kosten steigen und die ständig wachsende Rechnung sich künftig über zusätzliche Umsätze rechtfertigen muss.

Die „Magnificent Seven“ gehören zu den größten Abnehmern der Speicherchips, die KI-Rechenzentren versorgen. Diese Bausteine sind knapp geworden – und deutlich teurer.

Micron Technology, einer der wichtigsten Speicherchiphersteller, meldete für das jüngste Quartal einen Gewinn je Aktie von 24,67 Dollar. Vor einem Jahr waren es noch 1,68 Dollar – fast das Fünfzehnfache.

Die Preise für DRAM, den Speicher in fast jedem Gerät, stiegen allein im ersten Quartal um bis zu 98 Prozent – ein Anstieg, den manche in der Branche bereits „RAMageddon“ nennen.

Leise Verschiebung unter der Oberfläche

Die Schwergewichte der Techbranche taten sich schwer, doch der übrige Markt stieg weiter.

Darauf weist Jeff Buchbinder hin, Chefanlagestratege für Aktien bei LPL Financial. Ohne die „Magnificent Seven“ steigerten die übrigen S&P‑500‑Unternehmen ihre Gewinne im ersten Quartal um 17,5 Prozent – unterstützt unter anderem von Halbleiter- und Speicherherstellern.

Buchbinder rechnet damit, dass dieser Wert im zweiten Quartal auf mehr als 20,5 Prozent klettert. Für die „Magnificent Seven“ fällt die Prognose für das Gewinnwachstum geringer aus.

ARCHIV: Google-Rechenzentrums-Komplex in Douglas County in Lithia Springs, Georgia, 6. März 2026
ARCHIV: Google-Rechenzentrums-Komplex in Douglas County in Lithia Springs, Georgia, 6. März 2026 AP Photo/Mike Stewart

Mit anderen Worten: Die übrigen 493 Konzerne steigern ihre Gewinne inzwischen schneller als die größten Börsenstars – und die Anleger registrieren das.

Ende Juni lag der S&P 493 – der Index ohne die „Magnificent Seven“ – seit Jahresbeginn um 13,7 Prozent im Plus. Der Korb der „Magnificent Seven“ verzeichnete dagegen ein Minus von 6,6 Prozent, während der breitere S&P 500 auf ein moderates Plus von 7,4 Prozent kam.

Nach Einschätzung des erfahrenen Investors Ed Yardeni zeigen Anleger erste Anzeichen von KI-Müdigkeit. Sie zweifeln daran, ob die beispiellosen Infrastruktur-Ausgaben am Ende attraktive Renditen liefern, zumal immer mehr günstige Open-Source-Modelle auf den Markt kommen und die Preise für KI-Tokens weiter sinken.

Sind die „Magnificent Seven“ noch wirklich „magnificent“?

Im ersten Quartal legten die „Magnificent Seven“ ihre Gewinne geschätzt um 29 Prozent zu. Ihre Spitzenpositionen dürften sie so schnell nicht verlieren.

Doch die Debatte hat sich verschoben.

Anleger fragen längst nicht mehr, ob KI die Wirtschaft verändern wird. Sie wollen wissen, wann die Investitionen in dreistellige Milliardenbeträge endlich spürbare Erträge liefern.

Der Juni könnte die erste klare Antwort geliefert haben.

Das KI-Geschäft ist keine Einbahnstraße mehr, die nur über sieben Konzerne führt. Die „Magnificent Seven“ haben den KI-Boom ausgelöst, sind aber längst nicht mehr die einzige Möglichkeit, daran zu verdienen.

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