Neue Kämpfe im Nahen Osten treiben den Ölpreis deutlich nach oben. Noch sind die Folgen an deutschen Tankstellen begrenzt. Hält die Eskalation jedoch an oder kommt es zu Störungen in der Straße von Hormus, könnten Benzin und Diesel schon bald wieder spürbar teurer werden.
Noch ist unklar, wie schnell sich der Anstieg des Ölpreises an deutschen Tankstellen bemerkbar macht. Erfahrungsgemäß reagieren die Kraftstoffpreise häufig innerhalb weniger Tage auf höhere Rohölpreise.
Sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter zuspitzen oder der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt werden, dürften Benzin und Diesel in Deutschland weiter anziehen. Bleibt die Eskalation dagegen begrenzt, könnte der Preissprung nur vorübergehend sein.
Nach den neuen militärischen Angriffen zwischen den USA und dem Iran steigen die Sorgen über mögliche Unterbrechungen der weltweiten Ölversorgung – und das treibt die Rohölpreise deutlich nach oben. Die internationale Referenzsorte Brent verteuerte sich um 3,9 Prozent auf 78,96 US-Dollar je Barrel. Die US-Sorte WTI legte sogar um vier Prozent auf 74,26 Dollar zu.
Noch vor wenigen Tagen waren die Preise wieder auf das Niveau vor Beginn des Konflikts mit dem Iran zurückgefallen. Eine vorläufige Verständigung hatte Hoffnungen auf Entspannung geweckt, sodass Öltanker die strategisch wichtige Straße von Hormus wieder passieren konnten.
Am frühen Montagmorgen griffen die Vereinigten Staaten Iran jedoch in mehreren Wellen an. Auslöser war ein iranischer Angriff auf ein Containerschiff in der Straße von Hormus am Wochenende, bei dem das Schiff in Brand geriet und ein Besatzungsmitglied als vermisst gilt. Iran reagierte mit Angriffen auf Länder in weiten Teilen des Nahen Ostens.
Auch an den Aktienmärkten überwog die Unsicherheit. Die Futures auf die großen US-Indizes gaben nach. Der Future auf den S&P 500 verlor 0,4 Prozent, der Dow-Jones-Future 0,3 Prozent. Beim technologielastigen Nasdaq lag das Minus bei einem Prozent.
In Asien dominierten ebenfalls Verluste. Der japanische Nikkei fiel um 1,1 Prozent, der südkoreanische Kospi sackte sogar um 5,6 Prozent ab.
Die Aktien des südkoreanischen Speicherchipherstellers SK Hynix, die am Freitag bei ihrem Wall-Street-Debüt um 13 Prozent in die Höhe geschossen waren, brachen in Seoul um zehn Komma sechs Prozent ein. Der größere Rivale Samsung Electronics verlor sechs Komma sieben Prozent.
Andernorts in Asien legte der Hang-Seng-Index in Hongkong um null Komma eins Prozent auf 24.202,41 Punkte zu, während der Shanghai Composite ein Komma zwei Prozent auf 3.947,34 Punkte einbüßte.
In Australien verlor der S&P/ASX 200 null Komma drei Prozent auf 8.777,00 Punkte.
US-Aktien sind am Freitag leicht gestiegen, nachdem Anleger ihre Nachfrage nach den Gewinnern des Booms um Künstliche Intelligenz (KI) aufrechterhielten. Der S&P 500 rückte um null Komma vier Prozent vor, der Dow Jones Industrial Average gewann null Komma drei Prozent. Der Nasdaq Composite legte um null Komma drei Prozent zu.
Die Titel von SK Hynix sprangen nach Handelsbeginn am Mittag nach oben. Das Unternehmen hatte zuvor mit dem Verkauf von American Depositary Shares zu je 149 Dollar rund 26,5 Milliarden Dollar eingesammelt.
Die in Seoul notierten Aktien von SK Hynix waren im vergangenen Jahr bereits um mehr als 600 Prozent gestiegen, angetrieben von der Begeisterung für KI. Der Boom schlägt sich inzwischen in realen Gewinnen nieder, weil die Nachfrage nach Computerspeicher stark gestiegen ist. Gleichzeitig wächst jedoch die Sorge, dass die Kurse von KI-Werten zu weit gelaufen sind und dass die weltweiten Ausgaben für Chips und Rechenzentren nicht genug Produktivitäts- und Gewinnwachstum bringen, um die Investitionen zu rechtfertigen.
Das führt zu starken Kursschwankungen bei KI-Aktien, die wegen ihrer enormen Marktkapitalisierung zu den einflussreichsten Titeln an der Wall Street zählen.
Am Freitag war Nvidia mit einem Plus von vier Prozent der wichtigste Kurstreiber im S&P 500.
Über die Unsicherheit rund um KI hinaus richten Anleger ihren Blick nun auf die anstehende Berichtssaison.
Unternehmen aus vielen Branchen müssen kräftige Gewinnzuwächse vorlegen, um ihre hohen Aktienkurse zu rechtfertigen; viele Kurse liegen weiterhin nahe an Rekordständen. In dieser Woche legen zahlreiche große US-Banken ihre Ergebnisse vor, darunter Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase, Goldman Sachs und Wells Fargo. Mehrere davon berichten bereits am Dienstag.
Die Sorge, wie sich die anhaltenden Kämpfe mit Iran auf den weltweiten Ölfluss auswirken, belastet den Ausblick für die Energiekosten und für die allgemeine Inflation.
Hohe Anleiherenditen drücken weltweit auf die Finanzmärkte, da teureres Öl und anhaltend hohe Inflation die US-Notenbank Federal Reserve und andere Zentralbanken zu weiteren Zinserhöhungen veranlassen könnten.
Höhere Zinsen können helfen, die Inflation zu dämpfen. Sie bremsen jedoch zugleich das Wirtschaftswachstum und belasten die Kurse aller Anlageklassen.