Ein mögliches Comeback von MySpace dürfte bei vielen Nostalgie und Vorfreude wecken. Expertinnen und Experten sehen jedoch kaum Chancen im heutigen Social‑Media‑Markt.
MySpace, einst Mitte der 2000er-Jahre die weltweit populärste Social-Media-Plattform, könnte bald ein Comeback erleben. Viele Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien sehnen sich derzeit nach nostalgischen, analogen Erlebnissen statt nach strikt algorithmusgesteuerten Angeboten.
Die heutigen Eigentümer der Plattform, Tim und Chris Vanderhook, die auch Viant Technology gegründet haben, deuteten in einer Dokumentation mit dem Titel „MySpace“ einen möglichen Neustart an.
„Wir besitzen MySpace immer noch. Wir sind derzeit die Verwalter der Marke MySpace und wir werden MySpace neu starten. Wir warten nur auf den richtigen Zeitpunkt. Und falls es dann nicht klappt, versuchen wir es noch einmal“, sagen die Brüder Vanderhook in der Dokumentation.
Die Plattform entstand 2003. Tom Anderson und Chris DeWolfe gründeten sie und schufen damit das ikonische Profil „Tom von MySpace“, der für jede neue Nutzerin und jeden neuen Nutzer der erste Freund war.
Der mögliche Neustart folgt auf einen gescheiterten Versuch im Jahr 2013. Damals versuchte das Unternehmen, MySpace in ein spezielles Musikentdeckungs-Dashboard umzubauen, statt ein vollwertiges soziales Netzwerk zu bleiben.
In den 2000er-Jahren gewann die Plattform rasant an Popularität und wurde 2006 kurzzeitig zur meistbesuchten Website in den USA. Sie lag damals vor Yahoo Mail und Google Search.
Viele Nutzerinnen und Nutzer liebten die vielfältigen Möglichkeiten zur Profilgestaltung und die enge Verzahnung mit Musik. Funktionen wie die öffentliche „Top 8“-Liste der besten Freundinnen und Freunde und individuelle Profil-Soundtracks sorgten für besonders hohe Bindung.
Zudem traf MySpace mühelos den Nerv der Emo-Szene der 2000er-Jahre und anderer alternativer Subkulturen.
Ab etwa 2009 ließ die Popularität nach. Vor allem der Aufstieg von Facebook machte es schwer, Werbekunden zu halten.
Auch eine Reihe von Besitzer- und Führungswechseln in den folgenden Jahren trug dazu bei, dass das Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten sank.
MySpace-Neustart: Überleben in einem anderen Markt
Für MySpace könnte sich nun eine Chance eröffnen, eine neue Welle jüngerer Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen. Viele sind von digitaler Dauerpräsenz ermüdet und interessieren sich wieder stärker für analoge Geräte, einfachere Plattformen und die Kultur der frühen 2000er-Jahre.
Viele Millennial-Nutzerinnen und -Nutzer vermissen zudem die als authentisch empfundene MySpace-Erfahrung, ohne endlose Filter und ständige Selbstdarstellung. Die Marke ist weiterhin äußerst bekannt.
Analystinnen und Analysten warnen jedoch, dass ein Neustart trotz allem schwer werden könnte. Der Markt unterscheidet sich grundlegend von jenem Mitte der 2000er-Jahre. Heute dominieren große Anbieter wie Facebook, Instagram, TikTok und Snapchat einen stark umkämpften, überfüllten Markt.
Ein direkter Wettbewerb mit ihnen wäre heikel und könnte die Gewinnung von Werbekunden erheblich erschweren.
Auch die Nutzerbasis hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark verändert. Die meisten Menschen haben sich an algorithmusgesteuerte Feeds und Inhalte gewöhnt, die auf deutlich kürzere Aufmerksamkeitsspannen zugeschnitten sind.
In wichtigen Märkten wie den USA und der EU haben sich zudem die Regeln rasant weiterentwickelt. Digitale Sicherheit und Datenschutz stehen stärker unter Beobachtung.
Früher verlor MySpace den Wettbewerb gegen Facebook ausgerechnet wegen jener Funktionen, die die Plattform ursprünglich einzigartig gemacht hatten: Musik-Features und weitgehende Anpassungsmöglichkeiten. Sie wirkten irgendwann für viele zu laut, überladen und kompliziert, gerade für Nutzerinnen und Nutzer, die einen übersichtlicheren, ruhigeren Feed wollten.
Heute müsste MySpace diese Besonderheiten mit den Erwartungen aktueller Nutzerinnen und Nutzer in Einklang bringen. Gefragt sind klare Oberflächen, einfache Bedienung und gute Auffindbarkeit von Inhalten. Nur dann hätte die Plattform eine reale Chance, sich im heutigen Markt zu behaupten.