Das französische KI-Unternehmen Mistral AI sammelt in einer von Samsung Electronics angeführten Runde 3 Mrd. Euro ein und verdoppelt seine Bewertung fast auf über 21 Mrd. Euro – die größte Kapitalerhöhung eines europäischen Tech-Konzerns.
Europas Antwort auf OpenAI ist jetzt deutlich besser finanziert.
Das in Paris ansässige Unternehmen Mistral AI hat am Dienstag seine Series-D-Finanzierungsrunde bekannt gegeben, drei Jahre nach der Gründung. Angeführt wird die Runde vom Speicherchipriesen Samsung, gemeinsam mit dem EU-gestützten Scaleup Europe Fund, den EQT verwaltet, sowie dem bestehenden Investor PSG Equity.
Der Sprung fällt beträchtlich aus.
Nach einer Series-C-Runde über 1,7 Milliarden Euro unter Führung des niederländischen Chipherstellers ASML kam Mistral 2025 auf eine Bewertung von 11,7 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres hat sich dieser Wert damit fast verdoppelt.
Ein großer Teil des Geldes fließt nicht in Software, sondern in Beton. CEO Arthur Mensch kündigte an, dass Mistral mit dem frischen Kapital Rechenzentren und zusätzliche Kapazitäten aufbaut. Das Unternehmen will die Infrastruktur vermieten, sich damit aber zugleich unabhängiger machen.
„Langfristig wollen wir vollständig auf Kapazitäten setzen, die wir selbst aufbauen. Das bedeutet, dass sich unsere verfügbare Rechenleistung in den nächsten fünf Jahren etwa verdoppeln wird“, sagte Mensch und kündigte an, Mistral werde „größere und schnellere Modelle“ trainieren.
Schon jetzt investiert Mistral 4 Milliarden Euro in Rechenzentren in Frankreich und anderen Teilen Europas. Ein Standort nahe Paris ist bereits in Betrieb, ein weiteres Zentrum entsteht in Schweden.
Im März nahm das Unternehmen zusätzliche Fremdfinanzierung für denselben Zweck auf. Microsoft will darüber hinaus Rechenkapazitäten aus seinem europäischen Netzwerk bereitstellen und mitfinanzieren, das auf Tausende Nvidia-Chips setzt.
Sowohl Microsoft als auch Nvidia halten inzwischen Beteiligungen an Mistral; Nvidia stockt sein Engagement in der aktuellen Runde weiter auf.
Nach eigenen Angaben setzen mehr als 125 Unternehmen in 20 Ländern Mistrals Technologie ein. Das Unternehmen rechnet damit, bis Ende 2026 die Marke von 1 Milliarde Euro an jährlich wiederkehrenden Umsätzen zu überschreiten.
Europa hängt im KI-Wettlauf weiter zurück
Trotz der Erfolgsmeldung bleibt Europa im weltweiten KI-Wettlauf deutlich im Rückstand.
Mistrals Bewertung liegt weit unter den Werten von OpenAI und Anthropic. Der europäische KI-Sektor insgesamt bleibt im Vergleich zu den USA klein; nur rund 13,5 % der Unternehmen im EU-Raum setzen laut Studien entsprechende Technologien ein.
Es gibt weitere europäische Wettbewerber, sie sind jedoch deutlich kleiner.
Das deutsche Unternehmen Aleph Alpha konzentriert sich auf Behörden und stark regulierte Branchen und sucht nicht die direkte Konkurrenz an der Spitze der Entwicklung. Helsing wächst rasant mit Anwendungen für die Verteidigung. Das Schweizer Start-up Apertus setzt dagegen auf komplett offene Modelle und frei zugängliche Trainingsdaten.
Brüssel versucht, die Lücke zu verkleinern.
Die Initiative InvestAI ist mit einem Volumen von 200 Milliarden Euro angekündigt. Im Juli schrieb die EU-Kommission bis zu sieben KI-Gigafabriken aus. Damit sollen Investitionen von mehr als 30 Milliarden Euro angestoßen werden. Die neuen Standorte werden jedoch frühestens im kommenden Jahr oder 2028 den Betrieb aufnehmen.
Bereits im Bau befinden sich 13 kleinere KI-Fabriken in sieben EU-Staaten.
Der AI Act ist seit August in Kraft. Die strengsten Auflagen gelten jedoch erst später, weil der im Mai vereinbarte digitale Omnibus dies verschoben hat. Für Hochrisiko-Anwendungen treten die neuen Regeln nun im Dezember 2027 und im August 2028 in Kraft. Brüssel verkauft die Verzögerung als Maßnahme, um die Regulierung innovationsfreundlicher zu gestalten.