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Freiwillige stellen Hörgeschichtensammlung für blinde Kinder zusammen

Maria Saraiva de Menezes liest für die Sendung „Worte, die umarmen“.
Maria Saraiva de Menezes liest für das Programm „Worte, die umarmen“. Copyright  Ricardo Figueira / Euronews
Copyright Ricardo Figueira / Euronews
Von Ricardo Figueira & Imagem: Bruno Silva
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„Das Projekt ‚Palavras que Abraçam‘ geht auf eine Initiative der Schriftstellerin Maria Saraiva de Menezes zurück und entsteht in Kooperation der Stadtbibliothek Alcântara in Lissabon mit dem Verein Bengala Mágica.“

Pedro, der Sohn von Dídia Lourenço, erblindete mit sechs Monaten. Da entschied sich seine Mutter, gemeinsam mit anderen Eltern den Verein Bengala Mágica (Quelle auf Portugiesisch) zu gründen, der Kindern und Jugendlichen in der gleichen Situation hilft. Da Lesen und das Erzählen von Geschichten für jedes Kind wichtig sind, arbeitet der Verein inzwischen mit der Biblioteca Municipal de Alcântara in Lissabon zusammen. Gemeinsam produzieren sie eine Reihe von Videos mit Geschichten, die von ganz unterschiedlichen Menschen vorgelesen werden.

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„Schon als Baby habe ich nach Geschichten verlangt. Als ich zu sprechen begann, bat ich meine Mutter immer um eine Geschichte, und sie musste vorlesen“, erzählt Pedro, heute zehn Jahre alt, der das fünfte Schuljahr besucht.

In Portugal gibt es nur ein sehr begrenztes Angebot an Büchern in Brailleschrift. Bücher, die von Anfang an speziell für blinde Kinder entstehen, sind laut Dídia Lourenço extrem selten – sie sagt, sie kenne sie alle auswendig. Die meisten Braille-Ausgaben bereits erschienener Bücher produziert das Centro Prof. Albuquerque e Castro (Quelle auf Portugiesisch) der Santa Casa da Misericórdia do Porto und verteilt sie im ganzen Land. Neben der Brailleschrift hat sich in den vergangenen Jahren auch das Hörbuch als Zugang zur Literatur für blinde und sehbehinderte Menschen verbreitet. Trotzdem bleibt das Angebot gering.

Dídia Lourenço erinnert daran, dass Kinder Buchillustrationen heute auch mit dem Tastsinn „sehen“ können. Möglich macht das die taktile Illustration, die in Kinder- und Jugendbüchern für blinde und sehbehinderte Leserinnen und Leser etwa in Frankreich verbreitet ist, in Portugal aber erst vereinzelt vorkommt.

Dídia Lourenço und Pedro
Dídia Lourenço und Pedro Ricardo Figueira / Euronews

„Mein erster Frust war, dass ich in große Buchhandlungen ging, barrierefreie Bücher kaufen wollte und keine fand. Jedes kleine Kind hat von Geburt an Zugang zum geschriebenen Wort. Mir wurde klar, dass auch mein Sohn dieses Recht haben muss – in seiner Schrift“, erzählt sie.

Die Idee dazu kam von der Schriftstellerin Maria Saraiva de Menezes. Sie fungiert nun als Patin und Mentorin des Programms „Palavras que Abraçam“. Den Anstoß gab die Lektüre des jüngsten Romans von Lídia Jorge, Misericórdia. Darin wartet die Mutter der Erzählerin, die in einem Pflegeheim lebt, sehnsüchtig auf den Freiwilligen, der den Bewohnerinnen und Bewohnern vorliest. Diese Figur weckte in Saraiva de Menezes den Wunsch, selbst vorzulesen.

Neben Lesungen vor Ort in der Fundação Lar de Cegos (Quelle auf Portugiesisch) hat die Autorin von História num Copo d’Água auch dieses Video-Projekt mit Erzählungen gestartet. Pedro ist Fan und hat eine Lieblingsgeschichte: Es ist „O Macaco de Rabo Cortado“ von António Torrado, gelesen von der Bibliotheksleiterin Ana Gomes dos Santos.

Die Geschichtensammlung wächst ständig weiter. Inzwischen haben sich bereits 61 Menschen gemeldet, um Videos aufzunehmen; daraus sind 115 Aufnahmen entstanden. Fünfzehn davon sind schon auf den YouTube-Kanälen der Bibliotecas de Lisboa (Quelle auf Portugiesisch) und von Bengala Mágica (Quelle auf Portugiesisch) veröffentlicht.

Maria Saraiva de Menezes ist Mentorin des Projekts
Maria Saraiva de Menezes ist Mentorin des Projekts Ricardo Figueira / Euronews

„Das Projekt läuft sehr gut. Jeden Tag kommen neue Aufnahmen dazu, der Bestand wächst, und es ist eine inklusive Aktivität. Sie richtet sich an jede Person, an jedes Kind im portugiesischsprachigen Raum und überall sonst. In jedem Land der Welt können Menschen diese Geschichten hören“, sagt Saraiva de Menezes.

Der nächste Schritt ist ein ähnliches Angebot für gehörlose Kinder. „Das Projekt wird immer inklusiver. Wir bauen gerade eine Partnerschaft mit der Associação Portuguesa de Surdos (Quelle auf Portugiesisch) auf, um einen Pool an Vorleserinnen und Vorlesern in Portugiesischer Gebärdensprache zu schaffen“, erklärt Ana Gomes dos Santos. Die Bibliothekskoordinatorin betont auch, wie groß die Resonanz ist. Sie erinnert daran, dass sich das Programm nicht nur an blinde und sehbehinderte Menschen richtet, sondern an jedes Kind – und warum nicht auch an Menschen jeden Alters, die gerne Geschichten hören.

Maria Saraiva de Menezes spricht von „einer Energie, die unsere Freundinnen und Freunde ansteckt – Menschen, denen so etwas nie in den Sinn gekommen wäre und die sich nun sogar bei uns bedanken, weil wir ihnen diese Möglichkeit geben. Dabei sind wir es, die danken müssen: für ihre Zeit, ihre Bereitschaft, ihre Stimme und ihre Liebe. Denn genau das ist es, was Geschichten vorlesen bedeutet“.

Jede interessierte Person kann sich melden und eine selbst gewählte Geschichte vor Ort in der Biblioteca Municipal de Alcântara José Dias Coelho vorlesen – oder aus der Ferne, über diesen Link: über diesen Link (Quelle auf Portugiesisch).

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