„Heutzutage lese ich lieber ein Buch“, sagte Tarantino über den Zustand Hollywoods. Ein paar Filme haben dem eigenwilligen Regisseur aber doch gefallen.
Quentin Tarantino nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um seinen Blick auf das heutige Hollywood geht.
In einem Beitrag für das Magazin Sight & Sound rechnete der Oscar-prämierte Regisseur hinter Pulp Fiction, Kill Bill und Django Unchained mit dem post-Covid-Hollywood und dem aktuellen Kino ab. Er beschreibt die Filmbranche als „geschmacklose Wurstfabrik“, voll von „fehlbesetzten Darstellerinnen und Darstellern“, „Anbiederung ans Publikum“ und „einfach nur dummem Mist“.
„Fehler, Ungereimtheiten, Anbiederei, Fehlbesetzungen oder einfach nur dummer Mist torpedieren heutzutage fast jeden neuen Film, der aus der geschmacklosen Wurstfabrik kommt, die sich früher Hollywood nannte“, sagte der Filmemacher. „Der ganze Begriff Film löst in mir inzwischen eher Verachtung als Großzügigkeit aus. Und das ist nur folgerichtig, denn im Vergleich dazu lassen die Filme der letzten sechs Jahre die 80er-Jahre wie die 30er erscheinen.“
Das ist eine deutliche Ansage.
Er ergänzte: „Aber nichts davon hat mich wirklich gepackt und in jenes magische Land des Vergnügens entführt, das ich früher regelmäßig besucht habe – und das der Grund war, warum ich das Kino über alle anderen Kunstformen gestellt habe.“
„Heutzutage lese ich lieber ein Buch“, fügte er hinzu.
Hart. Andererseits mussten sich die Zuschauerinnen und Zuschauer im Jahr 2026 auch schon Wuthering Heights, Michael und The Mandalorian And Grogu zumuten lassen, also ...
Gibt es denn überhaupt noch etwas, das ihm in letzter Zeit gefallen hat?
Er erwähnte, dass ihm Steven Spielbergs Verfilmung von West Side Story aus dem Jahr 2021 gefallen habe, ebenso Kevin Costners zweiteiliger Western Horizon: An American Saga von 2024. Etwas überraschend, zumal die Dialoge klingen, als stammten sie aus einer KI, lobte Tarantino außerdem die Netflix-Krimiserie The Rip mit Matt Damon und Ben Affleck.
„Ein neuer, spannender Film ist erschienen, der mich gepackt und über die gesamte Laufzeit gehalten hat“, schrieb Tarantino über das Werk. „Der Film ist ein aufregender Cop-Thriller mit einer originellen Ausgangsidee, der seine Versprechen auf wirklich clevere Weise einlöst. Für mich stimmte das Gesamtpaket: Carnahans Regie, der großartige Cast, der Look des Films (zu verdanken Kameramann Juan Miguel Azpiroz) – aber das eigentliche Kraftzentrum dieser gelungenen Sammlung ist das sensationelle Drehbuch von Carnahan und Michael McGrale.“
Tarantino, der mehrfach betont hat, nach insgesamt zehn Filmen in den Ruhestand zu gehen (über seine fragwürdige Zählweise ließe sich streiten), arbeitet derzeit an einem Theaterstück mit dem Titel „The Popinjay Cavalier“. Die „Mantel-und-Degen-Komödie“, angesiedelt im Europa der 30er-Jahre, soll im kommenden Jahr im Londoner West End uraufgeführt werden.
Sein nächstes großes Leinwandprojekt ist The Adventures Of Cliff Booth, eine Fortsetzung von Once Upon A Time In Hollywood aus dem Jahr 2019. Der neue Film entsteht unter der Regie von David Fincher, das Drehbuch stammt von Tarantino.
The Adventures Of Cliff Booth soll ab dem 25. November für einen zweiwöchigen Kinoeinsatz starten und am 23. Dezember 2026 bei Netflix erscheinen.