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Begehren, Zungen und Liebe: die besten Alben 2026 bisher

Beste Alben 2026: Zwischenbilanz
Beste Alben 2026: bislang Copyright  Heavenly, Kong / The Orchard, Dead Oceans, Polydor / Capitol, Rough Trade, Geffen - Canva
Copyright Heavenly, Kong / The Orchard, Dead Oceans, Polydor / Capitol, Rough Trade, Geffen - Canva
Von David Mouriquand & Theo Farrant & Amber Bryce
Zuerst veröffentlicht am
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Wie viele davon haben Sie schon gehört? Sind Sie mit unserem Ranking für die erste Hälfte des Jahres 2026 einverstanden?

2026 ist bereits zur Hälfte vorbei. Das Team von Euronews Culture blickt zurück auf die musikalischen Highlights, die uns in diesem Jahr in Ohren und Herzen getroffen haben.

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Es gab unglaublich viel zu entdecken: von souligen Momenten über politisch wachen irischen Hip-Hop bis zur triumphalen Rückkehr von Rock-Veteranen, die auch in ihren Achtzigern noch mit voller Energie spielen.

Das Niveau der Neuerscheinungen war so hoch, dass es schwer war, unsere Liste auf 20 Alben zu kürzen. Ohne viel Umschweife: Hier ist unser Countdown der bisher besten Alben des Jahres.

20) Death Cab For Cutie – I Built You A Tower

Death Cab For Cutie – I Built You A Tower
Death Cab For Cutie – I Built You A Tower Anti-

Herzschmerz und Existenzialismus gehören seit jeher zu den Kernthemen der US-Indieband Death Cab For Cutie. Während ihr Meilenstein-Album „Transatlanticism“ (2003) die Schmerzen einer Fernbeziehung verarbeitete, kreist das neue Werk um Scheidung und Ernüchterung. Die Band ist erwachsen geworden, und ihre Musik – einst von Emo-Angst gefärbt – hat sich zu etwas Reiferem entwickelt, geprägt von Erfahrung. Vom ruckartigen, fast trotzigen „Punching The Flowers“ bis zu den nachdenklichen Percussion-Klängen von „I Built You A Tower (A)“ funkelt jeder Track mit dem Versprechen von Freiheit. Freiheit vom Grübeln und von den Gefängnissen, in die wir uns selbst einsperren. AB

19) Mary In The Junkyard - Role Model Hermit

Mary in the Junkyard - Role Model Hermit
Mary in the Junkyard - Role Model Hermit AMF Records

Eine der schönsten Entdeckungen dieses Jahres ist dieses Trio aus London. Nach der vielversprechenden Debüt-EP „This Old House“ 2024, einigen Auftritten für Marina Abramović und Support-Sets für The Murder Capital und Wet Leg auf deren Moisturizer-Tour haben mary in the junkyard (stilisiert komplett in Kleinbuchstaben) ihr Debütalbum „Role Model Hermit“ veröffentlicht. Es glänzt mit traumhaftem Indie-Folk, der zwischen unheimlich („Crash Landing“), süchtig machend („Blood“) und beruhigend („Candelabra“) pendelt und einen dazu bringt, „den Donner und Blitz zu umarmen“ („New Muscles“). Es ist ein perfekt gelungenes Debüt von Frontfrau Clari Freeman-Taylor, Bassistin Saya Barbaglia und Schlagzeuger David Addison – und sie verdienen es, die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Wie Freeman-Taylor im klagenden Opener „Mantra III“ singt: „It is yours babe, you deserve it.“ Absolut. DM

18) Angine de Poitrine – Vol. II

Angine de Poitrine – Vol II
Angine de Poitrine – Vol II Spectacles Bonzaï

Dieses kanadische Duo gibt es zwar schon seit 2019, aber 2026 ist das Jahr, in dem man an ihnen kaum vorbeikommt. Optisch wirken sie wie eine unheilige Mischung aus Mr Blobby und Slipknot. Ihr selbst so beschriebenes „Mantra-Rock-, dadaistisches, pythagoreisch-kubistisches Orchester“ hat sein zweites Album veröffentlicht – zur Begeisterung praktisch aller Fans von geschichteten Loops, schrägen Taktarten und dissonantem Rock. Auch wenn King Lizzard & The Lizard Wizard daneben fast blass wirken, haben Angine de Poitrine das mikrotonale Rad nicht neu erfunden, und das Album ist – leise gesagt – ein wenig überhypt. Aber es macht großen Spaß und klingt nach nichts anderem, was in diesem Jahr erschienen ist. DM

17) Broken Social Scene – Remember The Humans

Broken Social Scene – Remember The Humans
Broken Social Scene – Remember The Humans Arts & Crafts

Das kanadische Kollektiv Broken Social Scene hat mit „Remember The Humans“ eine Art Comeback hingelegt, ihr erstes Album seit neun Jahren. Wieder mit Produzent David Newfeld, der hinter ihrem größten Wurf „You Forgot It People“ aus dem Jahr 2002 steht, präsentiert die Band einen weit ausgreifenden, detailreichen Songzyklus und zeigt, wie sehr die Indierock-Szene sie noch braucht. Und: Feist ist wieder mit an Bord. Das ist immer eine gute Nachricht. DM

16) Robyn – Sexistential

Robyn – Sexistential
Robyn – Sexistential Konichiwa - Young

Weibliche Sexualität, Mutterschaft und existenzielle Angst: Robyn legt alles auf die Tanzfläche ihres neunten Studioalbums. „Sexistential“ ist voller typischem, Dopamin-geladenem Synth-Pop der schwedischen Sängerin und fühlt sich an wie das Auge eines hormonellen Sturms. Im Titelsong singt sie: „My body's a spaceship with the ovaries on hyperdrive / Got a whole universe inside that exists in between my thighs.“ Nervös, bombastisch und selbstbewusst prallen hier Elternschaft und sexuelle Identität aufeinander. Es ist die Musik einer Künstlerin, die ihre Songs nicht nur schreibt, sondern alle in Besitz nimmt, die sie hören. Das Album weckt den Wunsch, Selbstzweifel zu begraben und sich der flüchtigen Euphorie des Begehrens hinzugeben. AB

15) Dry Cleaning – Secret Love

Dry Cleaning – Secret Love
Dry Cleaning – Secret Love 4AD

Das dritte Album der britischen Post-Punker Dry Cleaning könnte ihr bisher bestes sein. Es bietet Art-Rock-Riffs, Ohrwurm-Melodien und scheinbar zusammenhanglose Beobachtungen über entfremdete Geschwister, hohle Influencer und das Gefühl, im Warteraum von „The Apprentice“ zu sitzen, bevor das Telefon klingelt – alles vorgetragen in Florence Shaws trockenem Sprechgesang. Die Texte sind diesmal stärker, witziger und emotionaler. Das Beste: Die Eigenheiten wirken verdient und treffen ins Mark. Und das Cover gehört schon jetzt zu den schönsten des Jahres. Bis jetzt ... DM

14) Jalen Ngonda – Doctrine Of Love

Jalen Ngonda – Doctrine Of Love
Jalen Ngonda – Doctrine Of Love Daptone

Nach dem großartigen Debüt „Come Around And Love Me“ – eines unserer Lieblingsalben 2023 – legt Jalen Ngonda ein weiteres, meisterhaft komponiertes Soul-Album vor. Auf „Doctrine Of Love“ setzt der 32-jährige Multiinstrumentalist alles ein, was er am besten kann: üppige Arrangements, intime Songs und sein unverwechselbares Falsett. Er erkundet das Chaos der Liebe in all ihren Formen und beweist, dass er nicht nur ein begnadeter Sänger, sondern auch ein großer Erzähler ist. Zehn Tracks, null Aussetzer und eine weitere Erinnerung daran, dass er derzeit zu den spannendsten Stimmen im Soul gehört. TF

13) Courtney Barnett – Creature Of Habit

Courtney Barnett – Creature Of Habit
Courtney Barnett – Creature Of Habit Mom + Pop

Das vierte Album der australischen Singer-Songwriterin Courtney Barnett ist fast unbemerkt erschienen – zu Unrecht. „Creature Of Habit“ ist ein straffes, unaufgeregtes Indie-Rock-Album mit ihrem typischen scharfen Witz und offenen Texten, verbunden mit schnörkellosem Grunge und leiser, träumerischer Psychedelia. Es steht locker neben ihrem Durchbruch „Sometimes I Sit And Think, Sometimes I Just Sit“ und wird mit jedem Hören eindringlicher. Ein Tipp: Starren Sie nicht zu lange in die Augen der Gottesanbeterin auf dem Cover. Sie sieht Dinge. Sie weiß Dinge. DM

12) Gorillaz – The Mountain

Gorillaz – The Mountain
Gorillaz – The Mountain Kong - The Orchard

Nur wenige Bands bleiben nach 25 Jahren Karriere noch so experimentierfreudig. Auf „The Mountain“ verarbeiten die legendäre virtuelle Band von Damon Albarn und Animator Jamie Hewlett Trauer, Spiritualität und ihre Reisen durch Indien zu einem reichen, genreübergreifenden Album voller Farbe, Emotion und Fantasie. Hypnotische Sitars, flirrende Synths und funkige Basslinien treffen auf ein A-Team von Gästen, von Black Thought bis IDLES, dazu posthume Beiträge von Bobby Womack und Dennis Hopper. Manchmal etwas chaotisch, oft magisch – ein unerwarteter Spätkarriere-Höhepunkt für Gorillaz. TF

11) Rolling Stones - Foreign Tongues

Rolling Stones - Foreign Tongues
Rolling Stones - Foreign Tongues Polydor - Capitol

Wie schaffen sie das immer noch? Wie kann eine Band im siebten Jahrzehnt ihres Bestehens mit einem Nachfolger zu ihrem karrierebelebenden Album „Hackney Diamonds“ von 2023 noch eins draufsetzen? Ähnlich wie Paul McCartney mit seinem 2026er Werk „The Boys Of Dungeon Lane“ hätten die Rolling Stones ihr 25. Studioalbum als Gelegenheit nutzen können, Bilanz zu ziehen und über ihr Erbe zu grübeln. Stattdessen lautet ihre Botschaft sinngemäß: „Keine Lust auf sentimentale Rückblicke – wie wäre es mit ein paar Killer-Hooks, um jede Band 50 Jahre jünger vor Neid erblassen zu lassen?“ Die Tracklist mit 14 Songs hätte man straffen können, doch bei einem so energiegeladenen Album mit Hits wie „Back In Your Life“ und der herausragenden Single „In The Stars“ – ihrem ansteckendsten Song seit „You Got Me Rocking“ von 1994 – fällt das schwer ins Gewicht. Jagger (82), Richards (82) und Wood (79) lagen also falsch: Manchmal bekommt man doch, was man will. DM

10) James Blake - Trying Times

James Blake - Trying Times
James Blake - Trying Times Good Boy

Wenn der Himmel einen Soundtrack hätte, könnte er klingen wie James Blakes „Trying Times“. Das neue Album des britischen Singer-Songwriters und Produzenten ist eine euphorische, stellenweise unheimliche, genreübergreifende Erkundung von Identität, Liebe und der Suche nach dem eigenen Platz in einer unberechenbaren Welt. Elektronische Klanglandschaften, alternativer R&B und sogar ein Gruß an Old-School-Grime auf „Days Go By“ ergeben ein Werk, das ständig überrascht. Jeder Track wirkt sorgfältig modelliert, entwickelt sich weiter und formt sich um Blakes sehr persönliche Texte. Von Anfang bis Ende ein beeindruckendes Album – eines seiner stärksten überhaupt. TF

9) Arlo Parks – Ambiguous Desire

Arlo Parks – Ambiguous Desire
Arlo Parks – Ambiguous Desire Transgressive

Für ihr drittes Album ließ sich die britische Sängerin Arlo Parks, ausgezeichnet mit BRIT Award und Mercury Prize, vom Nachtleben in New York inspirieren. Das Ergebnis ist eine introspektive, zugleich weite Sammlung cluborientierter Popsongs, die zwischen Euphorie und sanfter Ruhe schweben. Die vielschichtigen Rhythmen wirken hypnotisch und erstaunlich tiefgründig. Sie zeigen die Tanzfläche als Ort gemeinsamer Freude, aber auch als Raum, der nur vorübergehend von Verletzlichkeit und Sorgen entlastet. Eine Auflösung gibt es nicht – und sie ist auch nicht nötig. Manchmal muss man komplizierte Gefühle annehmen. Und durchtanzen, bevor der unvermeidliche Absturz kommt. DM

8) Mitski – Nothing’s About To Happen To Me

Mitski – Nothing’s About To Happen To Me
Mitski – Nothing’s About To Happen To Me Dead Oceans

Angeregt von den Gothic-Romanen von Shirley Jackson stürzt Mitskis achtes Studioalbum hinab in die verstaubten Ecken einer isolierten Psyche. Es verfolgt eine Frau, die zurückgezogen lebt und im Verstecken zugleich Trost und Schmerz findet. Das Album ist wunderbar atmosphärisch: Die folkigen Schlenker von „In a Lake“ und die melodiösen Oooohs in „Dead Woman“ rufen geisterhafte Bilder unerwiderter Liebe und des Fremdseins hervor. Mehr als nur ein Album ist es eine eigene Welt. Eine, die in diesen Zeiten unheimlich vertraut wirkt – und sich am Ende sanft wie eine dicke, warme Katze auf den Schoß legt. AB

7) My New Band Believe – My New Band Believe

My New Band Believe – My New Band Believe
My New Band Believe – My New Band Believe Rough Trade

Seit sich die experimentelle Prog-Rock-Band Black Midi vor zwei Jahren aufgelöst hat, wurden Fans zunächst mit „The New Sound“ begeistert, dem starken Solodebüt von Frontmann Geordie Greep. In diesem Jahr zeigte sich endlich, woran Sänger und Gitarrist Cameron Picton gearbeitet hat. Er wählt einen reduzierteren Ansatz als Greeps weitere Experimente, erreicht aber eine ähnlich große Wirkung. „My New Band Believe“ mit acht Tracks ist eine üppige, rein akustische Sammlung groß angelegten Folks – ein fesselndes Debüt, das viel verspricht. DM

6) Kelela – New Avatar

Kelela – New Avatar
Kelela – New Avatar Warp

Kelelas letzte beiden Alben standen bereits auf unseren Jahresbestenlisten – der downtempo Electro-Dance „Raven“ von 2023 und das beeindruckende Jazz-Livealbum „In The Blue Light“ aus dem vergangenen Jahr. Kein Wunder, dass wir bei der Aussicht auf ein neues Album der US-Singer-Songwriterin ziemlich aufgeregt waren – und wurden nicht enttäuscht. Kelela bleibt ihrem alternativen R&B und den elektronischen Einflüssen treu, schlägt für „New Avatar“ aber eine Shoegaze-Richtung ein. So entsteht ein umhüllendes Album voller verzerrter, atmosphärischer Gitarren und sehr intimer Geschichten. In vieler Hinsicht ist es ihr konfrontativstes Werk bisher, das Chaos und Frust nicht mit Schreien begegnet, sondern Stärke in Zurückhaltung findet. Vom hypnotischen Single-Track „Idea 1“ über das herausragende „Point Blank“ bis zum Schlusssong „If We Meet Again“ zeigt dieses meisterhafte Album, wie mühelos Kelela zwischen Electro, Rock und jazzigem R&B wechseln kann, ohne das zu verlieren, was sie so einzigartig macht. DM

5) Bill Callahan – My Days of 58

Bill Callahan – My Days of 58
Bill Callahan – My Days of 58 Drag City

Alter und Vaterschaft stehen Bill Callahan ausgesprochen gut. Sein Nachfolger auf das makellose Folk-Meisterwerk „YTI⅃AƎЯ“ steckt voller kluger, offener, grantiger, witziger und berührender Beobachtungen. Als „Wohnzimmeralbum“ bezeichnet, wirkt es zunächst gemütlich und entspannt, doch die Texte halten einen wach – besonders, wenn er gesteht, dass seine größte Angst „nicht das Sterben ist, sondern dass ich aufhöre, mich anzustrengen“. Ein wunderbares Hörerlebnis. DM

4) Jill Scott - To Whom This May Concern

Jill Scott - To Whom This May Concern
Jill Scott - To Whom This May Concern Blues Babe - Human Re Sources - The Orchard

Zehn Jahre sind eine lange Wartezeit, doch das sechste Album der R&B-Ikone Jill Scott macht sie mehr als wett. „To Whom This May Concern“ ist eine weit ausgreifende Reise über 19 Tracks durch Neo-Soul, Jazz, Gospel, Hip-Hop und R&B. Scott erzählt von Rückschlägen, Heilung und Erlösung und feiert zugleich Black Joy und Gemeinschaft. Das Album ist dicht, aber fast jeder Song rechtfertigt seinen Platz – getragen von pointierten Texten, klarer Produktion und Scotts müheloser Ausstrahlung. Zu den Höhepunkten gehören „Offdaback“, eine Hommage an schwarze Künstlerinnen, die ihr den Weg bereitet haben; „Pressha“, das den Druck moderner Schönheitsideale seziert; und „The Math“, das mit Trip-Hop-Groove durch Liebe und Trauma führt. Ein Comeback, das seinen Platz weit oben in dieser Liste verdient. TF

3) Kneecap – Fenian

Kneecap - Fenian
Kneecap - Fenian Heavenly

Seit ihrem Debüt 2024 sorgte das irische Rap-Trio Kneecap vor allem durch Kontroversen und juristische Probleme für Schlagzeilen. In diesem Jahr erinnert die Band daran, dass sie vor allem eins ist: eine Gruppe, die sich nicht auf ihrem Ruf als rabaukenhafte Provokateure ausruht. „Fenian“ verbindet rohe politische Wut mit überraschend psychedelischen 90er-Dance-Sounds und packenden Hip-Hop-Beats. Es ist eines der schärfsten und wagemutigsten Alben 2026 und beweist, dass Kneecap die musikalische Bandbreite haben, um ihrem Temperament gerecht zu werden. Einen eindrucksvollen Beleg liefert der Schlusssong „Irish Goodbye“ mit Kae Tempest. Es ist wohl die emotionalste Ballade, die wir jemals von Kneecap bekommen werden – eine bewegende Ode an Móglaí Baps Mutter, die 2020 Suizid beging. „It didn’t matter what was going on / I understand well that you had enough / I wanted to say goodbye / Not an Irish goodbye.“ Nur wenige Alben pulsieren derart vor gerechter Wut und bringen einen im letzten Drittel zugleich zum Weinen. DM

2) Olivia Rodrigo – You Seem Pretty Sad For A Girl So In Love

Olivia Rodrigo – You Seem Pretty Sad For A Girl So In Love
Olivia Rodrigo – You Seem Pretty Sad For A Girl So In Love Geffen

Olivia Rodrigos drittes Studioalbum ist eine beschwingte Reise durch die Verrücktheit und Melancholie des Verliebtseins – oder dessen, was man dafür halten könnte. Vom himmelhochjauchzenden Rausch des Openers „Drop Dead“ bis zu den schleichenden Selbstzweifeln in „What’s Wrong With Me“ mit Robert Smith von The Cure gleitet jeder Song zwischen Idealisierung und Realität. Das Album trägt den Spirit des frühen 2000er-Pop in sich: Songs, die sich anfühlen wie eine eiskalte Dose Pepsi, die im Inneren prickelt. Und doch bleibt man durstig nach mehr, egal wie oft man daran nippt. AB

1) Nu Genea – People Of The Moon

Nu Genea – People Of The Moon
Nu Genea – People Of The Moon NG Records

Warnung: Wer dieses Album hört, könnte spontan zu tanzen beginnen, den Leinenhemd-Kragen ein paar Knöpfe zu weit öffnen und den Wunsch verspüren, sofort einen One-Way-Flug ans Mittelmeer zu buchen. „People Of The Moon“ steht derzeit an der Spitze unserer Liste – nicht zuletzt wegen der anhaltenden Hitze über Europa – und wirkt wie der perfekte Soundtrack für lange Sommerabende. Auf ihrem vierten Album verfeinern Massimo Di Lena und Lucio Aquilina alias Nu Genea die Formel, die sie zu einem der spannendsten Dance-Acts Europas gemacht hat. Mit Hilfe einer makellos ausgewählten Riege von Gästen wechseln die Produzenten aus Neapel zwischen neapolitanischen, arabischen, spanischen, englischen und portugiesischen Vocals und verschmelzen Italo-Disco, arabische Rhythmen, Synth-Pop, türkische Psychedelia, nordafrikanischen Funk und mehr zu etwas ganz Eigenem. Favoriten auszuwählen fühlt sich fast unfair an, doch das sofort ins Ohr gehende „Sciallià“ und das hypnotische „Puleza“ stechen besonders hervor. Zehn Tracks voller sonnendurchtränkter Brillanz ohne Füllmaterial – fast wie ein eiskalter Negroni in Albumform. TF

Das war unsere Auswahl.

Was haben wir übersehen – und welche musikalischen Highlights hatten Sie in diesem Jahr?

Für den Fall, dass Sie an unserem Urteilsvermögen zweifeln: Hier einige unserer Ehrennennungen, die es fast in die Liste geschafft hätten: Underscores – „U“, Aldous Harding – „Train On The Island“, Boards of Canada – „Inferno“, Hurray For The Riff Raff – „Live Forever“, Thundercat – „Distracted“, Tom Misch – „Full Circle“, Timothy Duval – „Rain Music“, War Child – „Help 2“.

Wir blicken bereits auf die zweite Jahreshälfte: mit dem kommenden Album „Music, Fashion, Film“ von Charli XCX, „Reality Awaits“ von The Strokes, dem neuen Album von Interpol „This Mirror Weighs A Ton“ und „Emotional Junglist“ von Nia Archives. Große Hoffnungen setzen wir auch auf das neue Bloc-Party-Album „Anatomy Of A Brief Romance“ und die Rückkehr von La Roux mit „Old Flames“.

Bleiben Sie bei Euronews Culture dran, um zu erfahren, wie viele unserer Halbjahres-Favoriten es in die Jahresbestenliste schaffen. Und werfen Sie einen Blick auf unser Ranking der bisher besten Filme 2026 – das folgt nächste Woche.

Viel Spaß beim Hören!

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