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Italienisches Gefängnis: Häftlinge entdecken Freiheit auf der Bühne

Italienisches Gefängnis: Häftlinge werden Profischauspieler
Italienisches Gefängnis: Häftlinge werden zu Profischauspielern Copyright  Credit: AP Photo
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Von Theo Farrant & AP
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In Italiens Gefängnis von Volterra arbeiten Häftlinge mit professionellen Theaterleuten zusammen. Das Langzeitprojekt heißt „Compagnia della Fortezza“.

Für manche Gefangene in Italien ist das Leben hinter Gittern zu einem unerwarteten Weg in die Freiheit geworden.

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In der Haftanstalt Volterra, einem der ältesten Gefängnisse Italiens, arbeiten seit fast vier Jahrzehnten professionelle Theatermacherinnen und Theatermacher mit Häftlingen zusammen. Sie entwickeln aufwendige Inszenierungen, die gängige Vorstellungen von Strafe, Resozialisierung und der Rolle der Kunst infrage stellen.

Das Projekt mit dem Namen „Compagnia della Fortezza“ gründete der Regisseur Armando Punzo. Ursprünglich betrat er das Gefängnis auf der Suche nach Darstellerinnen und Darstellern für eine Theatergruppe, wie es sie sonst nicht gibt.

„Ich wollte das Theater in einer Situation auf die Probe stellen, in der Kunst und Kultur, so dachte ich damals – vielleicht naiv, aber es stimmte –, offenbar überhaupt nichts verloren haben. Das fand ich extrem spannend und herausfordernd“, sagt Punzo.

Statt ausgebildeter Schauspieler fand er eine multikulturelle Gruppe von Gefangenen, die kaum oder gar keinen Bezug zum Theater hatten.

„Ich traf Menschen, die noch nie anders über sich selbst nachgedacht hatten. Sie steckten, wie wir alle, tief in ihrem Alltag. Ihr Leben war völlig anders als unseres, wurde aber vom selben inneren Mechanismus angetrieben“, erzählt er.

„Sie waren in diesem Alltag gefangen, in einem Leben, das offensichtlich äußerst schwierig war – für sie selbst und für andere. Und doch traf ich Menschen, die fähig waren, über sich selbst zu reflektieren. Das zeigt, dass Kunst und Kultur tatsächlich alle erreichen können. Wenn das nicht gelingt, dann nur, weil die notwendige Arbeit dafür nicht geleistet wurde“, fügt er hinzu.

Jedes Jahr entsteht eine neue Produktion. Frühere Stücke werden überarbeitet und erneut auf die Bühne gebracht – als Teil eines kontinuierlichen Prozesses der Recherche und künstlerischen Weiterentwicklung.

Die Gefangenen sind von Beginn an in den kreativen Prozess eingebunden. Sie arbeiten Seite an Seite mit professionellen Theatermacherinnen und Theatermachern an ganz unterschiedlichen Aspekten der Inszenierungen.

Freiheit im Gefängnis finden

Für viele ist das Projekt zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebens geworden – und zu einer Chance, sich mit einer Ausdrucksform zu beschäftigen, über die sie zuvor nie nachgedacht hatten.

Giacomo kam 2024 aus einem anderen Gefängnis nach Volterra. Er hatte die Verlegung ausdrücklich beantragt, weil er von der Theaterarbeit hier wusste, und wurde sofort in die Gruppe aufgenommen.

„Das Leben draußen führt dazu, dass man sich selbst verliert und all jene Seiten an sich, die man – so banal es klingen mag – ausgerechnet hier wiederentdeckt. Die Metapher, die ich unglaublich wichtig finde, lautet: Indem ich hier meine Freiheit verliere, in einem Zustand völliger Einschließung, finde ich eine völlige Öffnung“, erzählt er.

Diese Offenheit ermöglicht es den Gefangenen, jeden Tag gemeinsam mit anderen Theaterprofis an den Aufführungen zu arbeiten.

„Theater kann jeden Raum verwandeln. Das gehört zur Sprache des Theaters – und genau deshalb ist das, was wir hier tun, Theater. Wenn wir spielen, tritt das Gefängnis in den Hintergrund, so wie eine Schauspielerin einen Teil von sich selbst zurücknimmt, sobald sie die Bühne betritt“, sagt Viola Ferro, eine junge Schauspielerin, die sich bewusst der Gruppe angeschlossen hat.

Resozialisierung statt reiner Strafe

Für Gefängnisleiterin Valentina Bruno ist das Theaterprojekt Teil eines umfassenderen Resozialisierungskonzepts, bei dem die Gefangenen als Menschen behandelt werden und nicht bloß als Insassen.

„Die Gefangenen spüren, dass sich die Mitarbeitenden bestmöglich um sie kümmern. Sie fühlen sich als Personen wertgeschätzt, nicht nur als Zahlen oder Akten. Sie merken, dass sie wichtig sind – und dass auch ihr familiäres Umfeld zählt, weil wir sehr häufig mit ihren Angehörigen in Kontakt stehen“, sagt sie.

„Vor allem aber, glaube ich, spüren sie sehr stark Hoffnung: die Hoffnung, in die Gesellschaft zurückzukehren – nach Verbüßung der Strafe oder sogar früher –, als veränderte Menschen, die der Gemeinschaft etwas zurückgeben können“, fügt sie hinzu.

Am eindrucksvollsten wirkt die Arbeit der Gruppe, wenn die Aufführungen das Gefängnis für die Außenwelt öffnen. Dann verwandelt sich der Hof in ein Theater, die Festungsmauern bilden die Kulisse, und Besucherinnen und Besucher kommen in die Anstalt, um die Vorstellungen zu sehen.

Die Autorin Maria Nadotti, die regelmäßig zu den Aufführungen kommt, sagt, die Gruppe verkörpere etwas, das im zeitgenössischen Theater immer seltener werde.

„Ich bewundere die Arbeit der ‚Compagnia della Fortezza‘ vorbehaltlos – und auch etwas, das meiner Ansicht nach im Theater, nicht nur in Italien, immer seltener wird: eine Mischung aus Fantasie, Freude, Energie und einer bedingungslosen Lust am Staunen. Staunen ist die Seele der Welt, und all das ist hier präsent“, sagt sie.

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