Alzheimer: Gesundheitssysteme in der EU sind noch nicht ausreichend vorbereitet

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In der EU leben etwa acht Millionen Menschen mit Alzheimer. Auch Gerry aus Dublin ist erkrankt. Doch der 59-Jährige findet genug Aktivitäten, um die Krankheit soweit wie möglich fern zu halten.

Gerry Paley lebt zusammen mit seiner Frau Nuala in Dublin, Irland. Im Jahr 2015 begann der pensionierte Beamte sich plötzlich anders zu fühlen und sich anders zu verhalten. Er war erst 59 Jahre alt.

Er erklärt, er vergesse Dinge. "Ich musste irgendwo hingehen und hatte vorher etwas mitgeteilt mitgenommen. Doch ich konnte mich nicht erinnern, was es war."

Seine Frau Nuala ergänzt, sie habe sich angefangen, Sorgen zu machen. Sie erklärt, dass sie vermute, dass Gerry sein Selbstvertrauen verloren habe. Und er sei sich nicht mehr sicher gewesen, was er tue. "Er machte große Fehler, wenn er etwas tat, er kam nicht mehr auf grundlegende Dinge."

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Nuala und Gerry Paley in ihrem Wohnzimmereuronews

In der EU leben acht Millionen Demenz-Kranke

Bei Gerry wurde Alzheimer diagnostiziert, die häufigste Form von Demenz. Diese Krankheit ist nicht heilbar. Die in Europa erhältlichen Arzneimittel dienen nur zur Behandlung von Gedächtnis- und Verhaltenssymptomen.

"Die Medikamente helfen mir gut", sagt Gerry. " Ich gehe die ganze Zeit mit meinem Hund spazieren. Ich bin immer draußen. Bewegung ist also gut."

Gerry ist einer von etwa acht Millionen EU-Bürger:innen, die im Labyrinth der Demenz leben. Erwartet wird, dass sich diese Zahl bis 2050 fast verdoppeln wird.

"Die Menschen wollen eine gute Lebensqualität"

Da es keine Heilung gibt, können die Patientinnen und Patienten nur durch tägliche Aktivitäten versuchen, ihre Lebensqualität zu verbessern.

Das Orchard Respite Centre in Dublin bietet Dienstleistungen für etwa 30 Menschen mit Demenz an.

"Menschen, die diese Krankheit haben, können noch 25 Jahre leben", sagt die Managerin Mary Hickey. "Sie wollen also eine gute Lebensqualität. Wir empfehlen immer, dass die Betroffenen alle sechs Monate ihren Arzt aufsuchen. Wir können den Menschen auch empfehlen, zu ihrem Pflegeteam zurückzukehren."

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Mary Hickey, Managerin des Orchard Respite Centreseuronews

Anreize zur Forschung

Die Entwicklung von Therapien, die das Fortschreiten der Demenz verhindern oder verlangsamen können, ist ein Forschungsbereich, in dem sich derzeit vielversprechende Arzneimittel in der Entwicklung befinden. Doch ein Durchbruch ist noch nicht in Sicht.

Die EU-Kommission hat einen Rechtsrahmen vorgeschlagen, der die Entwickler von Arzneimitteln ermutigen soll, mehr in die Forschung wie etwa der Alzheimer-Krankheit zu investieren.

Der Hauptanreiz ist ein zusätzlicher Datenschutz von sechs Monaten. Entwickler, die die Anforderungen erfüllen, hätten auch Anspruch auf größere wissenschaftliche und regulatorische Unterstützung, erklärt die EU-Kommissarin für Gesundheit in Brüssel, Stella Kyriakides.

"Was wir letztendlich tun müssen, ist, innovativ zu bleiben. Denn das ist es, was Patienten mit schweren Krankheiten, wie Alzheimer, helfen wird", sagt Kyriakides. Man müsse dafür sorgen, dass ständig neue Medikamente entwickelt würden, so die Kommissarin.

Sobald Medikamente entwickelt sind, sollte die Europäische Union auch dafür sorgen, dass alle Patienten Zugang dazu haben. Darin sind sich sowohl die EU-Kommission als auch Experten, wie Cormac Cahill von der Alzheimer Gesellschaft Society Irlands einig.

"Unsere Gesundheitssysteme in ganz Europa sind nicht bereit. Denn der Zugang zu diesen Medikamenten wird schwierig sein", erklärt Cahill. "Wir müssen uns also Gedanken machen, wie wir sie bezahlen und wie wir die Gesundheitssysteme darauf vorbereiten können." Diese Arbeit müsse jetzt beginnen.

Frühe Diagnose hilfreich

Gerry und Nuala hoffen, dass diese Arbeit letztendlich Erfolge erzielen wird. "Ich habe das Gefühl, dass wir etwas härter an der Sache arbeiten müssen. Denn es ist ein großes Problem", sagt Nuala.

Ihr Mann Gerry erklärt, dass es "eine Menge Geld" für die Forschung und für Medikamente koste. Man müsse den Menschen in Krankenhäusern helfen. "Wenn es, was es sollte, früher diagnostiziert würde, wenn man als Kind und im fortschreitenden Alter zum Arzt geht, sollte dieser in der Lage sein, zu erkennen, ob sich etwas verändert hat", sagt Gerry.

Dann könne es der Arzt früh erkennen. "Wenn es zu spät ist, kann man nur noch Medikamente einnehmen, damit es einem verhältnismäßig gut geht. Wenn wir die richtigen Medikamente hätten, könnten wir das Problem lösen."

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