Die Gürtelrose-Impfung schützt nicht nur vor der Krankheit. Laut einer neuen Studie könnte sie auch mit langsamerer biologischer Alterung in Verbindung stehen.
Menschen ab siebzig, die eine Impfung gegen Gürtelrose erhielten, alterten biologisch langsamer als Ungeimpfte. Das zeigt eine neue Studie der University of Southern California.
Das biologische Alter beschreibt, wie alt der Körper wirkt, abhängig von Gesundheit und Funktion. Es spiegelt die Abnutzung von Zellen, Geweben und Organen wider. Einfluss nehmen Lebensstil, Umwelt und Genetik, nicht nur das chronologische Alter.
Impfungen schützen vor akuten Infektionen. Neuere Forschung weist jedoch auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Erwachsenenimpfungen, darunter gegen Gürtelrose und Grippe, und einem geringeren Risiko für Demenz und andere neurodegenerative Erkrankungen hin, sagte Jung Ki Kim, Hauptautor der Studie.
„Diese Studie stützt die wachsende Evidenz, dass Impfungen über den Infektionsschutz hinaus biologische Systeme beeinflussen und gesundes Altern fördern könnten“, sagte Kim.
Veröffentlicht wurde die Arbeit im Fachjournal The Journals of Gerontology von Oxford Academic. Untersucht wurden 3.884 Teilnehmende, die im Jahr 2016 siebzig Jahre oder älter waren. Das Team bewertete ihr biologisches Altern anhand von Entzündung, Immunantwort, Blutfluss und Zeichen von Neurodegeneration.
Im Schnitt zeigten Geimpfte deutlich niedrigere Entzündungswerte, eine langsamere epigenetische und transkriptomische Alterung und geringere kombinierte Werte des biologischen Alterns.
Die Impfung ging zudem mit höheren Werten der adaptiven Immunität einher. Sie beschreibt die gezielte Reaktion des Körpers auf bestimmte Erreger nach Kontakt oder Impfung.
Ein zentraler Faktor ist demnach die Entzündung.
Chronische, leicht erhöhte Entzündung gilt als Treiber vieler altersbedingter Erkrankungen, etwa Herz-Kreislauf-Leiden und kognitivem Abbau. Fachleute sprechen von „Inflammaging“.
„Wenn die Impfung diese Hintergrundentzündung verringert, möglicherweise indem sie eine Reaktivierung des Erregers der Gürtelrose verhindert, könnte sie gesundes Altern unterstützen“, sagte Kim.
Ergebnisse bleiben über die Zeit stabil
Gürtelrose, medizinisch Herpes zoster, ist ein schmerzhafter Hautausschlag mit Bläschenbildung. Auslöser ist die erneute Aktivierung des Windpockenvirus.
Wer einmal Windpocken hatte, kann Gürtelrose entwickeln. Das Risiko steigt mit dem Alter und ist ab fünfzig erhöht. Auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind häufiger betroffen.
Eine Impfung schützt wirksam vor Gürtelrose und senkt deutlich das Risiko einer postherpetischen Neuralgie, also anhaltender Nervenschmerzen nach der Infektion.
Die Studie zeigt, dass die möglichen Vorteile der Gürtelrose-Impfung offenbar über die Zeit bestehen bleiben.
Beim Blick auf den zeitlichen Abstand zur Impfung waren Verbesserungen des biologischen Alterns innerhalb der ersten drei Jahre am größten. Die verlangsamte Alterung hielt auch darüber hinaus an.
Auch Personen, die vier oder mehr Jahre vor der Blutabnahme geimpft wurden, alterten biologisch langsamer als Menschen ohne Impfung.
Die Forschenden betonen, dass Längsschnittstudien nötig sind, um diese Muster zu bestätigen und die Folgen für die langfristige Gesundheit zu klären.